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Wie sollte ich im Alter Geld anlegen (Teil1)

Wie sollte ich im Alter Geld anlegen (Teil1)

Wer in die Jahre kommt, sollte zuversichtlich auf seine Kapitalanlagen schauen. Aber ein generelles Umdenken ist zwingend nötig.


Ein wichtiger Schritt in Richtung einer guten Kapitalstruktur für das Alter ist,  sich zunächst einmal eine grundsätzlich positive Einstellung zuzulegen. Dazu habe ich ein schönes Beispiel: bei der Gründung des ME Fonds – Special Values im Jahre 2002 investierte ein 85-jähriger Sparer einen hohen 6-stelligen Betrag. Und warum? Weil ihm die langfristige Ausrichtung und grundsolide Anlagephilosophie gefiel. Damals habe ich gestutzt. Mit 85 Jahren langfristig denken?  Nun, was soll ich sagen?

Heute ist der Sparer mit inzwischen 101 Jahren unser ältester Investor im Fonds.  Er hat nie verkauft. Nach eigenen Angaben hat er immer ruhig geschlafen, auch in 2008. Er ist zufrieden,  denn seine Ersparnisse im Fonds haben sich verzweieinhalbfacht,  von 1.000 auf 2.500 pro Fonds-Anteil. Vor allem schätzt er die Ruhe und den „Seelenfrieden“, den er auf seiner Kapitalseite hat.

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Ich bringe ganz bewusst, dieses Beispiel aus dem realen Leben, um aufzuzeigen, wie sehr sich die Dinge in Punkto „Alter“ geändert haben. Aus meiner über 40-jährigen Erfahrung möchte ich Ihnen zur Gedankenanregung ein paar pragmatische Empfehlungen geben:

Erstens, bevor Sie ans Kapitalanlegen denken, tilgen Sie möglichst erst einmal Ihre Schulden.
Alt zu werden mit hohen Bankverbindlichkeiten, ist keine gute Sache. Wenn Sie eines Tages krank sind, den Überblick verlieren, sitzt Ihnen im betagten Alter ein blutjunger Banker gegenüber. Der weiß nichts von Ihrer tollen Vergangenheit, als Sie im Beruf jahrzehntelang ein „großer Kracher“ waren. Auch die Tatsache, dass Sie vielleicht seit 30 Jahren ein immer treuer Bankkunde waren, bedeutet auf einmal nichts mehr. Die Gefahr ist groß, dass Sie sich mit Ihren Bankverbindlichkeiten Probleme einhandeln werden, ist groß. Fazit: es muss ja nicht von Heut auf Morgen passieren, aber Sie sollten sich ernsthafte Gedanken machen, wie Sie systematisch Ihre Schulden abbauen.

Zweitens, die Zeit hoher, fester Zinseinnahmen ist vorbei. Auch wenn das Zinsniveau in Amerika angehoben wurde, auf etwa 3% für 10-Jahresanlagen, eine Rückkehr zu einem „normalen“ Rentenmarkt in den kommenden Jahren ist unwahrscheinlich. Sich krampfhaft bei Anleihen doch höhere Zinsen „ergattern“ zu wollen, ist äußerst gefährlich. Sie bezahlen es mit einer schlechten Bonität des Schuldners, zum Beispiel mit Länderanleihen wie Argentinien. Ob Sie da eines Tages Ihr Geld je wiedersehen, ist fraglich. Hände weg auch von hochverzinslichen Anleihen in schwierigen Fremdwährungen wie Brasil Real, Türkischer Lira, Südafrikanischer Rand etc. Die hohen Zinsen können im Handumdrehen durch horrende Währungsverluste aufgezehrt werden.

Drittens, halten Sie reichlich Liquidität auf dem Konto. Auch wenn es keine Zinsen bringt. Sie sollten nie in die Verlegenheit kommen, zu einem schlechten Zeitpunkt Kapitalanlagen verkaufen zu „müssen“. Vergewaltigen Sie Ihr Kapital also nicht. Nicht jeder Cent kann ertragswirksam arbeiten. Eine feste Regel, wieviel Cash zu halten ist, gibt es nicht. Das kommt ganz auf die persönlichen Verhältnisse und Empfindsamkeiten des Anlegers an.

Sinn und Zweck der Kassenhaltung ist, angstfrei der Zukunft entgegen sehen zu können. Im Alter ein ganz wichtiger Punkt. Was nützt Ihnen Ihr ganzes Geld, wenn Sie mit Sorgenfalten durch den Alltag gehen. Viele Anleger, die ich kenne, sitzen auf zwei Jahren „Haushaltsgeld“. Für den Fall einer Katastrophe, dass zum Beispiel Mieteinnahmen und Rentenzahlungen ausfallen sollten, brauchen sie zwei Jahre lang nicht an irgendwelche Reserven zu gehen. Das ist doch schon mal ein Anfang!

Viertens, wenn Sie also genug Cash auf der Seite haben, dann legen Sie den Rest Ihres Kapitals an, und zwar mit langfristiger Ausrichtung. Das heißt, ohne Angst vor Wertschwankungen, aber mit der echten Chance einer langfristigen Vermögensvermehrung. Suchen Sie also nicht Vermögensverwaltungskonzepte, sondern achten Sie auf das Potential einer fundamentalen Wertsteigerung. Dass solche Überlegungen nur für jüngere Menschen Sinn machen, ist ein völliger Unsinn. - Was heißt das nun konkret? Engagieren Sie sich ruhig bei Anlagen, wo jeder weiss, dass sie Zeit zum Reifen brauchen.

Also, bei Immobilien ist nicht die heutige Mietrendite entscheidend, sondern die Frage, wieviel wird diese Immobilie in 10 bis 20 Jahren wert sein. Gibt es dann an dem Standort eine bessere Infrastruktur, einen S-Bahnanschluss etc. ...darauf kommt es an.  

Bei Aktienpositionen müssen Sie sich ebenfalls Gedanken machen, wie die Firma in 10 bis 20 Jahren wohl dastehen wird. Kurzfristiges „Getöse“ in den Finanzmedien sollten Sie ignorieren.

Wer sich mit Einzelaktien im Depot nicht wohlfühlt, sollte in Aktienfonds investieren. Aber auch hier ist das A&O, die langfristige Ausrichtung. Lassen Sie sich von Ihrer Bank beraten oder recherchieren Sie selber: Da gibt es gute Nachrichten für Sie, denn Sie werden staunen, wie leicht man auf die Richtigen Fonds stößt.  Aus den Tausenden von Fondsangeboten, gibt es nur recht wenige Fonds, mit einem wirklich langfristigen Erfolgsausweis (Track Record) und einem stabilen, unveränderten Anlagekonzept, mit Fondsmanager-Kontinuität über all die Jahre (mindestens 15 Jahre).

Fünftens und letztens: egal, wie Sie Ihre Kapitalanlagen organisieren und gewichten - im Alter ist eines noch wichtig. Behalten Sie den Überblick. Deshalb lieber weniger Positionen im Depot, diese aber aus voller Überzeugung. Vermögensübersichten sollten am besten auf eine Seite passen, maximal auf zwei Seiten. Ich habe da einen einfachen Test entwickelt: wenn man Sie nachts um 3 Uhr plötzlich wecken würden, können Sie dann aus dem Stand erklären, wo und wie Sie Ihre Kapital angelegt haben? Wenn Sie da Zweifel haben oder ins Stottern kommen...nun dann ist es an der Zeit vielleicht etwas zu ändern.
Fortsetzung folgt.

Der Autor Dr. Markus Elsässer ist seit 1998 selbstständiger Investor und Fondsberater sowie Gründer der ME-Fonds, die er seit mehr als 16 Jahren betreut.

 

 

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