Wissen

Wichtige Anlage- und Lebensweisheiten im Überblick - Dr. Elsässer Teil 1

Wichtige Anlage- und Lebensweisheiten im Überblick - Teil 1

Der Aktionär braucht den großen Überblick

Es kommt immer wieder vor, dass sich die Geldanleger an der Börse Sand in die Augen streuen lassen:

  • Zum einen von Einzelmeldungen der Firmen, z. B. dass der CEO keinen Nachfolger hat oder dass eine Fusion sich schwierig gestaltet bzw. ähnliche Nachrichten;
  • Zum anderen natürlich von den Nachrichten über die allgemeinen Märkte, dass z. B. der Index doch fällt oder in einem anderen Land der Index besonders überteuert.

Das alles führt zu einer unruhigen Anlagepolitik und damit zu einer Verunsicherung: Soll man in Aktien investieren, soll man nicht in Aktien investieren? Bei aller Notwendigkeit, Dinge zu analysieren und im Detail zu betrachten, wird meistens vergessen, dass das A und O die folgende Grundsatzentscheidung ist: In welchem Markt befinden wir uns eigentlich? Sind die Finanzmärkte grundsätzlich positiv oder sind sie in einem Aufwärtstrend? Ist da Rückenwind oder ist es überhaupt nicht an der Zeit, in Aktien zu investieren?

Wichtige Anlage- und Lebensweisheiten im Überblick - Dr. Elsässer Teil 1

Diese Fragen muss man über die Jahre hinweg wirklich klar beantworten können, denn damit erreicht man extrem positive Auswirkungen, wenn man seine Anlagepolitik konsequent verfolgt. Im Fazit heißt das, dass es bei gesunden Firmen seit dem Jahr 2008 bis zum Jahr 2019 de facto überhaupt keinen Grund gab, auch nur eine einzige Aktie zu verkaufen. Es sei denn, dass man in der falschen Branche ist, das unterliegt einer anderen Beurteilung. Doch selbst bei allem auf und ab der gesunden Firmen zwischendrin, auch wenn diese einmal ein halbes Jahr andauern können oder Schreckensmeldungen wie Ende 2018 - es gab de facto keinen Grund auszusteigen. Warum? Weil wir uns in einem langfristigen Aufwärtstrend in einem eindeutigen Up-Market befinden. Das hat mit vielen Faktoren zu tun, aber man kann das klar erkennen.

Wie verhält man sich nun, wenn man zum Ergebnis kommt, wir sind in einem dauerhaften langjährigen Abwärtskanal? Da gibt es nur eins, man muss konsequent sein und seine Aktien verkaufen oder seine Position zumindest einfrieren und nichts Neues dazu kaufen. Bei der eingefrorenen Position muss man bereit sein und sich geistig darauf einstellen, dass es erst einmal zu Kursverlusten kommt. Wenn man diese nicht ertragen kann oder das Geld brauche, kann man sich diese Politik auch nicht leisten. Der große Blick von oben auf das Gesamtgeschehen, in welcher Welt leben wir für Finanzanlagen - das ist die Kernfrage und das ist auch der eigentliche Faktor, warum manche Anleger über Jahrzehnte so erfolgreich sind und die anderen nie so richtig in die Gänge kommen.

 

Investoren - Faktor Angst

Die Investoren an der Börse befinden sich auf einer beständigen Reise zwischen Angst und Gier, Sorge vor Verlusten, dass sie ihr Kapital verlieren, dass Buchverluste entstehen oder reale Verluste, wenn sie verkaufen.  So mancher Investor beschäftigt sich nicht genug damit, wie er zum Thema Angst steht und warum er Angst hat. Im Prinzip kann er das Problem lösen, indem er die Aktienposition entsprechend groß oder klein gestaltet. D.h. jeder Anleger muss für sich selbst herausfinden, wo er seine Angstschwelle hat.

Darüber hinaus ist auch das Thema der Gier natürlich ein ganz gefährliches. Zum Beispiel diese Sorge, nicht dabei zu sein, wenn man eine Nachricht liest, dass eine Fusion bevorsteht oder ein Turn-Around bei der Firma jetzt endlich klappt. Vielleicht auch, wenn ein CEO tolle Versprechungen macht und man hat das Gefühl, da geht die Post ohne einen selbst ab. Oder aber man ist in einer Aktie investiert und man denkt, das wird alles noch viel besser als heute.

Alle diese Faktoren vertreiben im Prinzip die Weisheit der Anlagestrategie. Deshalb empfehle ich, dass jeder, der sich auf die Reise zur Börse begibt oder bereits investiert ist, sich wirklich ernsthaft mit diesem Thema beschäftigen muss. Jeder Anleger sollte ehrlich zu sich selbst sein und für sich feststellen: „Okay, ab diesem Punkt dominieren bei mir Ängste, ich kriege das auch nicht weg.“ Dies muss man anerkennen, so kommt man aber man zu sehr viel Ruhe und einem ausgewogenen Investmentstil.

 

Wahrnehmung der Kurse

Es ist sehr interessant, wie Börsenkurse wahrgenommen werden. Man sollte sich zunächst vorweg vor Augen halten, dass ein festes Aktienkapital in Aktien eingeteilt ist. Wenn das Aktienkapital in sehr viele Aktien eingeteilt ist, sind per Logik die Kurse tiefer, als wenn man ein Aktienkapital auf sehr wenige Aktien aufteilt. Davon hängt es ab, ob eine Aktie in diesem Portfolio 700 Euro, 7 Euro oder 70 Cents kostet. In der Wahrnehmung des Kurszettels ist es jedoch so, dass instinktiv und ohne nachzudenken viele Aktionäre und Geldanleger es wiefolgt empfinden: „Oh, die Aktie für 7.000 Euro ist aber teuer und die für 7 Euro ist billig.“ Das ist ein Trugschluss.

Ganz interessant ist in diesem Zusammenhang die Kursveränderung, wie man diese psychologisch wahrnimmt. Das heißt,  wenn die Aktie von 700 Euro auf 750 Euro steigt, dann ist man beeindruckt. Wenn man vielleicht vor hatte, bei 700 Euro zu kaufen, dann sagt man: „Bei 750 ist das arg teuer, 50 Euro mehr“, weil man mit den 50 Euro in absoluten Beträgen etwas verbindet, nämlich was man für 50 Euro kaufen kann.

Die gleiche Aktie eben tiefer gesplittet, also in mehr Aktien eingeteilt für 7 Euro: Wenn diese von 7 Euro auf 7,50 Euro steigt, gerade einmal um 50 Cents, das sehen die Aktionäre viel lockerer und sagen: „Ach, die ist ja nur um 50 Cents gestiegen“. Das ist aber genau der gleiche Vorgang wie von 700 Euro auf 750 Euro. Was ich damit sagen will – bei der Überlegung, ob man noch kaufen kann, ob es zu teuer geworden ist oder nicht, darf man sich von diesen absoluten Beträgen nicht in die Irre führen lassen.

 

Umgang mit Kosten

Im Leben und im Beruf ist natürlich der Verdienst äußerst wichtig, und es lohnt sich, sich darauf zu konzentrieren, wie man im Laufe der Zeit mehr verdienen kann. Trotz allem spielen die Kosten und Ausgaben ebenfalls eine große Rolle. Der Umgang mit den Koste ist gar nicht einmal so unwichtig, also die Art und Weise wie man herangeht. Ich selber war sehr fixiert auf die Kosten und das Sparen – ich meine weiterhin, dass das eine gute Tugend ist. Ich habe mir jedoch zwei Methoden angewöhnt, wie ich mit meinen Kosten umgehe.

Das eine ist: ,,Wie kann ich vermeiden, dass ich mich über allzu hohe Kosten nicht so sehr aufrege?“ Die Lösung lautet: Indem man entspannt, ganz relaxed ein Mischpreis-Modell angeht. Wenn man z.B. in ein Hotel muss und das Hotel extrem teuer ist, macht man keinen großen Aufstand, sondern man versucht beim nächsten Mal ein billigeres Hotel zu finden. Solange ich dann auf das Jahr gesehen einen guten Mischpreis erziele, ist die Welt in Ordnung. Das gilt für viele Dinge: Einmal hat man bei Antiquitäten ein Schnäppchen machen können, dafür kann man ein anderes Mal ruhig mehr zahlen, wenn man etwas kaufen möchte. Man muss dann nicht an irgendwelchen Geldgrößen festhängen und sich sozusagen das Leben schwerer machen.

Der andere Punkt mit den Kosten sind die kleinen Beträge, die kleinen Kosten. Das wird oft unterschätzt, dann heißt es: „Ach, das kostet doch nur acht Euro im Monat“. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, die Kosten immer auf zehn Jahre hochzurechnen, wenn es um kleine dauerhafte Kosten geht. Also acht Euro im Monat für irgendeine kleine Zusatzversicherung heißt mehr oder minder also 96 Euro, gerundet 100 Euro im Jahr. Das entspricht in zehn Jahren 1.000 Euro. Man muss also überlegen, ist mir diese Dauerausgabe de facto 1.000 Euro wert? Aber noch interessanter ist es, wenn man 50 Euro im Monat für irgendeine Dienstleistung ausgibt, für irgendeinen Service, dann sind das schon 50 Euro mal 12, das sind 600 Euro im Jahr und damit 6.000 Euro in zehn Jahren. Da muss man sich überlegen über zehn Jahre in einem solchen Ablauf, ist das wirklich so eine große Summe wert? Mit diesen beiden Ansätzen bin ich mit dem Kostendenken gut gefahren.

 

Aktien - Wann zu teuer?

Wann sind Aktien eigentlich zu teuer? Diese Frage stellt sich sehr schnell, wenn die Kurse steigen und man sich die Höchst- und Tiefstkurse anschaut. Man sagt: ,,Mein Gott, ich habe 200 Euro gezahlt, jetzt steht es bei 350 Euro“. Das ist noch keine Beantwortung der Frage,  ob die Aktie teuer ist oder nicht, denn die Antwort hat nichts mit den historischen Börsenkursen zu tun. Dorthandelt es sich nur um Angebot und Nachfrage. Der Wert der Firma geht de facto um die Frage: Ist die Firma wirklich so viel als Ganzes wert?

Meine Empfehlung ist wie folgt nachzuschauen, wenn die Kurse sehr hoch sind: Wäre jemand aus der Branche oder wären Sie selbst bereit für das Ganze, also für die Marktkapitalisierung, so viel zu zahlen, zum Beispiel eine Milliardefür eine Firma? Das kann man sehr gut herausfinden, indem man vergleicht: Wie sind andere Firmen in dieser Branche bewertet, größere oder kleinere?

Der umgekehrte Fall: Hat man einen Hinweis darauf oder ein Alarmzeichen dafür, dass eine Aktie wirklich viel zu billig ist? Hier kann man sich an folgendem Wert orientieren: „Zu diesem niedrigen Preis könnte man diese Firma als solches neu überhaupt gar nicht mehr aufbauen.“

Von daher lautet meine Empfehlung, die Nase einmal herausnehmen aus dem Kurszettel und von oben auf die Firma und die Branche insgesamt schauen, da erhalten Sie ein viel besseres Gefühl dafür, ob Ihre Aktie teuer ist oder nicht.

 

Börse - Wann verkaufen?

An der Börse wird das eigentliche Geld mit dem Verkaufen verdient, besonders mit dem richtigen Zeitpunkt zum Verkauf. Darüber machen sich die meisten Geldanleger zu wenige Gedanken, da sie häufig überlegen, wo sie einsteigen könnten. Ist der Kurs zu hoch, zu tief? Alles dreht sich nur um das Kaufen. Das hat natürlich auch mit der Besitzgier des Menschen zu tun. Aber die Frage: Wann verkauft man? ist ein ganz schweres Thema. Aus meiner Erfahrung kann man sich dem gut nähern, wenn man sich überlegt, mit welchen Faktoren sich Finanzanalysten beschäftigen oder Börsenbriefe herausgeben. Sie werden immer sehen, es gibt das Kaufen oder Halten oder Verkaufen. In der Realität aber gibt es nur zwei Dinge - Kaufen und Verkaufen. Das Halten einer Aktienposition oder einer Aktie ist nicht reell, denn wenn Sie eine Aktie jeden Tag haben – beispielsweise ein Jahr lang – ist es de facto so, dass Sie jeden Tag die Aktie zu diesem Preis neu kaufen, denn Sie könnten stattessen das Geld haben. Die Ausflucht: „Ach, ich halte einmal dieses Papier“ ist Unfug. Wenn Sie sich dazu entscheiden, das Papier zu halten, dann entscheiden Sie sich de facto dafür, das Papier zu diesem Preis zu kaufen. Das heißt, wenn Sie dazu nicht bereit wären und nicht bereit sind, die Aktie zu dem Preis zu kaufen, dann sollten Sie an sich das Papier verkaufen. So kommen Sie viel klarer zu Ihrer Entscheidung, ist das Papier Ihnen die Sache noch Wert oder wollen Sie lieber aussteigen? Mogeln Sie sich nicht heraus, sondern entscheiden Sie klar und dezidiert: Kaufe ich es heute zu dem Preis oder nicht? Dann verpassen Sie wahrscheinlich auch Ausstiegszeitpunkte nicht so häufig, wie wenn Sie sich ums Thema herumdrücken.

 

Der Autor Dr. Markus Elsässer ist seit 1998 selbstständiger Investor und Fondsberater sowie Gründer der ME-Fonds, die er seit mehr als 17 Jahren betreut. Auf seinem YouTube-Channel geht er regelmäßig auf Handwerkszeug zum Value-Investing, psychologische Gefahren beim Investieren und wertvolle Tipps zum Vermögensaufbau ein. Dieser Blog ist in Anlehnung in die YouTube-Videos entstanden.

 

ME Fonds - Special Values B

ME Fonds - Pergamon

Unsere Blogartikel im Fokus

Vermissen Sie etwas?

 Nehmen Sie doch mit uns Kontakt auf. Wir freuen uns über Ihr Feedback!

Bitte wählen Sie aus, zu welcher Benutzergruppe Sie gehören.

×

Bitte wählen Sie aus, zu welcher Benutzergruppe Sie gehören.

×
×

Einwilligung in die Datennutzung.

Ich willige ein, dass meine persönlichen Daten, insbesondere Name, Vorname, E-Mailadresse durch die IPConcept (Luxemburg) S.A. zum Zwecke des Newsletterversands verarbeitet werden dürfen.

Rechte des Betroffenen: Auskunft, Berichtigung, Löschung und Sperrung, Widerspruchsrecht

Sie sind gemäß Artikel 15 DSGVO jederzeit berechtigt, gegenüber der IPConcept (Luxemburg) S.A. um umfangreiche Auskunftserteilung zu den zu Ihrer Person gespeicherten Daten zu ersuchen.

Gemäß Artikel 17 DSGVO können Sie jederzeit gegenüber der IPConcept (Luxemburg) S.A. die Berichtigung, Löschung und Sperrung einzelner personenbezogener Daten verlangen.

Sie können darüber hinaus jederzeit ohne Angabe von Gründen von Ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch machen und die erteilte Einwilligungserklärung mit Wirkung für die Zukunft abändern oder gänzlich widerrufen. Sie können den Widerruf entweder postalisch, per E-Mail oder per Fax an die IPConcept (Luxemburg) S.A. übermitteln. Es entstehen Ihnen dabei keine anderen Kosten als die Portokosten bzw. die Übermittlungskosten nach den bestehenden Basistarifen.

Weitere Informationen zum Umgang der IPConcept (Luxemburg) S.A. mit den Bestimmungen der DSGVO finden Sie hier.

×