Wachstumsängste kehren zurück

Wachstumsängste kehren zurück

Gewinnwarnungen lasten auf der Stimmung

In den vergangenen fünf Handelstagen erhielt der Optimismus der Anleger, der die jüngsten Kursgewinne an den internationalen Aktienbörsen hervorrief, deutliche Dämpfer. Liesen sich angesichts relativ erfreulich ausgefallener chinesischer Wirtschaftsdaten zunächst weitere Kursgewinne bei Risikoanlangen beobachten, setzte im weiteren Handelsverlauf eine Trendwende ein. So rückte eine Vielzahl weiterer Unternehmensgewinnwarnungen die vorhandenen Konjunkturängste zurück in den Fokus. Vor dem Hintergrund des bisherigen Verlaufs der Unternehmensberichtssaison gehen Aktienanalysten davon aus, dass sie ihre Wachstumsannahmen für die Unternehmensgewinne 2019 insgesamt deutlich nach unten revidieren werden müssen, um die steigenden Belastungen im Welthandel realistisch abzubilden. Die Gewinnerwartungen bei den zyklischen Unternehmen dürften überdurchschnittlich gesenkt werden. Eine solch schwache Ertragsentwicklung stünde ihrer Ansicht nach im Kontrast zu der in diesem Jahr sehr lebhaften Kursentwicklung. Gefördert wurden die vorhandenen Konjunkturängste durch Äußerungen von US-Präsident Trump. Dieser hatte angedeutet, auf weitere chinesische Güter in Höhe von rund 300 Mrd. Euro Einfuhrzölle zu verhängen, sofern keine Fortschritte bei den Handelsgesprächen erzielt würden. Nach Auffassung von Volkswirten würde das die Weltwirtschaft und damit auch die Unternehmen weiterem Abwärtsdruck aussetzen. Sorgen bereiteten in diesem Zusammenhang auch die beiden Kandidaten für die Nachfolge der britischen Premierministerin Theresa May, Jeremy Hunt und Boris Johnson. Lehnen sie doch beide die mit der EU ausgehandelte Grenzregelung zwischen der britischen Provinz Nordirland und der Republik Irland ab. Die Wahrscheinlichkeit eines ungeregelten Brexit hat damit nach Ansicht von Beobachtern deutlich zugenommen. Eine nicht unbedeutende Anzahl von enttäuschend ausgefallenen Konjunkturdaten bestätigte die Anleger darüber hinaus in ihrer vermehrt von Vorsicht geprägten Vorgehensweise. Einige Fachleute wiesen darauf hin, daß die von den global bedeutenden Notenbanken angekündigten geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen nicht ausreichen würden, den Kursaufschwung an den internationalen Aktienmärkten dauerhaft anzukurbeln, wenn der Hochpunkt bei den Unternehmensgewinnen im Konjunkturzyklus erreicht sei. Ihrer Ansicht nach befindet sich die Weltwirtschaft in einer späten Phase des Konjunkturzyklus, wobei die Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Monaten zuletzt deutlich zugenommen hätten. Vor diesem Hintergrund gerieten Risikoanlangen im Verlauf vermehrt unter Abgabedruck. In Folge konnten die weltweit wichtigen Aktienkursbarometer ihre anfänglichen Kurszuwächse nicht halten und notierten überwiegend leicht in der Minuszone.

Wachstumsdynamik in China weiter unter Druck

Wie überwiegend angenommen, hat unter dem Druck des Handelsstreits mit den USA Chinas Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal im Jahresvergleich weiter auf 6,2% nach 6,4% im Vorquartal nachgegeben. Die gleitende Jahreswachstumsrate schwächte sich erneut ebenfalls ab. Zwar legte die Wirtschaftsleistung gegenüber dem ersten Quartal des Jahres um 1,6% und damit dank der Stützungsmaßnahmen der chinesischen Administration kräftiger als zuvor zu, dies reichte jedoch nicht aus, den generell moderater werdenden Konjunkturtrend zu drehen. Sichtbar wurden die Wirtschaftseingriffe der chinesischen Regierung u.a. anhand der Entwicklung der Industrieproduktion, die zur allgemeinen Überraschung kräftiger als angenommen zulegte. Auch die Einzelhandelsumsätze zogen stärker als erwartet an. Insgesamt setzte sich die Auffassung durch, daß trotz der Last der gegenseitigen Strafzölle ein Einbruch der chinesischen Konjunktur, der die Weltwirtschaft in eine ausgeprägte Rezession stürzen würde, nicht wahrscheinlich sei.

Konjunkturpessimismus der Anleger steigt

Enttäuschende Daten trafen hingegen aus Japan und den USA ein. Zwar nahm das japanische Außenhandelsdefizit im Juni erheblich ab, dies basierte jedoch auf einem Einbruch der Importe, der auf eine erhebliche Beruhigung der japanischen Wirtschaft hindeutet. In den USA verharrte die Industrieproduktion im Juni gegenüber Mai lediglich auf unverändertem Stand. Ihr Niveau vom Vorjahr übertraf sie nur um 1,3%. Angesichts nachgebender Frühindikatoren deutet sich in den kommenden Monaten eine weitere Abschwächung an. Auch die Geschäftsentwicklung am US-Immobilienmarkt verfehlte die Erwartungen der Marktteilnehmer. Brachen doch die Baugenehmigungen im Juni um 6,1% ein. Auch die Zahl der Baubeginne nahm ab. Der unerwartet kräftige Anstieg der Einzelhandelsumsätze vermochte es vor diesem Hintergrund nicht, Befürchtungen vor einer Beruhigung der amerikanischen Wirtschaft zu zerstreuen.

Die zunehmende Skepsis der Anleger spiegelte sich im Verlauf des vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ermittelten Index der Konjunkturerwartungen für die Eurozone wider. Das  Barometer fiel mit -20,3 Punkten leicht schwächer als im Vormonat aus.

 

Der Autor Jörg Hahn ist Sous Directeur im Portfoliomanagement der DZ PRIVATBANK, die innerhalb der Genossenschaftlichen FinanzGruppe als Kompetenzzentrum für Private Banking, Fondsdienstleistungen und Kredite in allen Währungen agiert. Sie hat sich auf individuelle Lösungen für vermögende Menschen spezialisiert, ihr Leistungsspektrum reicht von der klassischen Vermögensverwaltung über die Vermögensstrukturierung, Finanz- und Vorsorgeplanung und Stiftungsberatungen bis hin zu Währungskrediten – immer in Zusammenarbeit mit der Genossenschaftsbank vor Ort. Die DZ PRIVATBANK ist die 100%ige Muttergesellschaft der IPConcept.

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