Über die Freiheit von Aktionären

Über die Freiheit von Aktionären

Mich interessiert kein Börsen-Index. Aktien sind für mich auch keine Spekulationsobjekte. Wer sein Kapital dauerhaft und substantiell vermehren möchte, der muss langfristig agieren. Wer so denkt, der sollte die Aktien einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten. Denn der „Katalog“ an Punkten, der für die Aktie langfristig spricht, ist umfassender und bedeutsamer als Sie ahnen. 

 

Zunächst  erfordert es Mut sein Geld in Aktien anzulegen. Es braucht zudem etwas Zeit, sich an das tägliche auf und ab der Börsenkurse zu gewöhnen. Das hat schon manchem Sparer das Frühstück vermiest. Es ist kein schönes Gefühl für den Geldanleger, den Laptop anzuwerfen oder morgens den Wirtschaftsteil der Zeitung aufzuschlagen und da hat er dann den Salat: schon wieder ist „seine“ Aktie gegenüber seinem Einstand im Kurs gefallen. Auf dem Papier ist er ärmer geworden. Und so geht das Tag für Tag.

Wie gut haben es da doch andere Kapitalbesitzer: mit den Aktien verhält es sich eben anders als mit Immobilien, Fabrikbesitz,  GmbH-Beteiligungen oder Kunstobjekten. Hier leben die Besitzer ungestört im „Wolkenkuckucksheim“ ihrer Fantasie. Egal, wie schlimm die Wirtschaftskrisen auch sein mögen, jahrelang kann der Privatunternehmer oder Immobilien-Eigentümer sich etwas über den Wert seines Vermögens vormachen. Denn erst, wenn das Eigentum auf dem Markt gegen Bar zum Verkauf kommt, zeigt sich,  was der „ganze Kram“ wirklich wert ist.

Für mich als Value-Investor ist die Aktienbörse die ideale Plattform, um mich an aussichtsreichen Unternehmen zu beteiligen. Und seit dem Zweiten Weltkrieg ist dies in Ländern wie Deutschland, der Schweiz, England und Nordamerika (um nur einige Länder zu nennen) eine der besten Formen der Geldanlage gewesen.

Dabei ermöglicht ein Aktiendepot allen Kapitalbesitzern eine Vielzahl von Vorteilen und Annehmlichkeiten. Die alten Börsianer haben es schon immer gewusst: wenn es die Börse nicht gäbe, man müsste sie erfinden. Denn, auf fast allen anderen Gebieten, ist das Ansinnen der Geldanleger, ihr Kapital inflationsgesichert zu investieren mit Zeitaufwand, Arbeit und Unbequemlichkeiten verbunden.

Wie verhält es sich nun mit den Aktienanlagen? Ungestört in seinem privaten Umfeld  trifft der Kapitalanleger seine Aktienkauf- und -verkaufsentscheidungen. Ungefragt kann er sich an einer Firma, die börsengelistet ist, beteiligen. Er muss niemand um Erlaubnis fragen. Er braucht auch keinen Notartermin. Er kann anonym bleiben.

Die finanzielle Größenordnung, mit der er sich engagieren möchte, ist für „Normalsterbliche“ quasi nach oben unbegrenzt. Er kann heute mit einem Kauf in Höhe von 10.000 Euro zum Beispiel in Unilever Aktien anfangen. Drei Jahre später spricht nichts dagegen, dass er problemlos mit 15 Millionen Euro in Unilever Aktien investiert  ist. Niemand wird davon Notiz nehmen.

Die Aktien werden treuhänderisch bei seiner Bank in seinem Depot verwahrt. Sie sind also nicht Teil der Bankbilanz. Das war zuletzt in der Krise 2008-2009 ein wichtiger Punkt, und sollte es auch für jeden Kapitaleigner auch bleiben.

Er kann seine Bankverbindung so oft wechseln, wie er möchte. Sein Aktiendepot lässt er dann einfach, so wie es ist, auf die neue Bankadresse übertragen. Das Depot wird zwischen den Banken in seinem Auftrag transferiert. Arbeit hat er keine damit. Sein Depot bleibt intakt.

Im Verlauf seines Lebens kann der Aktionär seinen Wohnsitz wechseln, wie er möchte. Ganz gleich, ob er nun in Oberhausen wohnt, später eine zweijährige Einhand-Weltumsegelung antritt und sich schließlich auf Bora Bora zur Ruhe setzt, sein Aktiendepot kann er von überall her steuern per Telefon, Brief oder Internet. Lediglich seine postalische Anschrift wird sich ändern. Das Aktiendepot funktioniert weiter, trotz seiner physischen Abwesenheit. Stellen Sie sich diesen Fall mal mit einer vermieteten Immobilie oder einer Beteiligung an einem Handwerksbetrieb vor!

Beim Kauf der Aktie muss sich der Aktionär in nichts festlegen. Er muss nichts unterschreiben. Keiner wird ihn fragen, was er denn vorhat. Niemand wird ihn zur Rede stellen. Es ist ihm völlig freigestellt, zu tun und zu lassen, was er möchte. Vielleicht disponiert er nach drei Monaten um und verkauft die Aktie und kauft einen anderen Titel. Aber vielleicht bleibt er glatte 30 Jahre lang engagiert und vererbt sein Aktienpaket.

Aber auch der Weg zu mehr Information ist strukturiert: wenn er es denn möchte, kann er jedes Jahr zur Zusammenkunft der Aktionäre seiner Firma. Niemand kann ihn daran hindern – selbst, wenn er nur eine Aktie besitzt. Und genauso kann ihn niemand in der Welt daran hindern, auf der Hauptversammlung Fragen an den Vorstand zu stellen. Und diese müssen beantwortet werden. Darüber wird sogar ein Protokoll geführt.

Ohne, dass er etwas dafür zahlen muss, kann er einen Jahres-Geschäftsbericht erhalten. Dieser wird nach regulatorischen Maßgaben und Richtlinien erstellt und bringt ihm einen recht zuverlässigen Katalog an Daten und Informationen. Seine Aktiengesellschaften sind dazu verpflichtet.

In der Auswahl seines Anlageuniversums ist der Kapitalanleger mit Aktien frei. Auch wenn er in seinem ganzen Leben noch nie in den Vereinigten Staaten von Amerika war und  dort niemanden kennt, so kann er nach Herzenslust dort Millionen in gute Firmen investieren – über die Börse.

Gefallen ihm die politischen Verhältnisse zu Hause nicht mehr, so braucht er nicht gleich auszuwandern. Er strukturiert sein Aktiendepot entsprechend und kauft Aktien in den Wirtschafts- und Kulturräumen, zu denen er mehr vertrauen hat.

Über die Länderauswahl seiner präferierten Aktienengagements schlägt er mehrere Fliegen mit einer Klappe. Er kann sein Kapital über verschiedene Währungen streuen.

Wenn ihm das Ganze mit dem Aktiendepot eines Tages zu viel wird und ihm über den Kopf wächst, kann er einen „Quasi-Bevollmächtigten“ ernennen. Das ist dann ein unabhängiger Berater oder Vermögensverwalter oder ein Vertrauensmann innerhalb seiner Bank.  

Dieser Freiheitsgrad eines selbstbestimmten Umgangs mit Kapital ist nur schwer anderswo zu finden. Besitzer von Vermietungsimmobilien oder Anteilseigner von GmbHs und Kommanditgesellschaften beispielsweise können davon ein Lied singen. Hier ist man den vielfältigen Aspekten der menschlichen Psyche ausgesetzt, ich sollte vielleicht besser sagen: ausgeliefert.

Gerade dieser „lebensphilosophische Aspekt“ der „pflegeleichten“ Aktiendepots macht die Kapitalanlage in Aktien langfristig so attraktiv.

Man muss nicht aus der Finanzbranche kommen, um Aktien zu besitzen.  Ganz im Gegenteil. Mein Großvater, Professor Elsässer,  beispielsweise war selbständiger Architekt. Mit den Bauherren und auf den Baustellen hatte er non-Stopp berufliche Auseinandersetzungen und konstanten Ärger zu verdauen. Wenn es um seine Ersparnisse ging, so investierte er nur in Aktien, und zwar langfristig. Er erfreute sich an den steigenden Dividenden und gelegentlichen Kurszuwächsen. Vor allem genoss er aber die Ruhe. Und das war mit der entscheidende Punkt. So paradox es klingt: „Trotz“ eines wachsenden Vermögens hatte er ein schönes Leben.

 

Der Autor Dr. Markus Elsässer ist seit 1998 selbstständiger Investor und Fondsberater sowie Gründer der ME-Fonds, die er seit mehr als 17 Jahren betreut.

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