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Sinkende Tanker im Depot vermeiden – 8 Indikatoren, wann Sie Aktien verkaufen sollten

Sinkende Tanker im Depot vermeiden – 8 Indikatoren, wann Sie Aktien verkaufen sollten

Dr. Markus Elsässer über falsche Eitelkeit und wertvolle Hinweise wann es Zeit ist, die Party zu verlassen.

Sehr häufig haben Firmen eine glanzvolle Geschichte, viele Investoren und Aktionäre hatten schöne Erfolge und haben eine emotionale Verbindung zu dieser Aktie entwickelt. Wenn solche Tanker an der Börse drehen, passiert das nicht von heute auf morgen. Die meisten Investoren bekommen es nur gar nicht so mit, weil sie es nicht sehen wollen. Als Unternehmer müssen Sie in Ihr Metier verliebt sein. Sie müssen den Geruch Ihrer Fabrik lieben, das Material gerne anfassen und mit Leib und Seele dabei sein. Als Kapitalbesitzer hingegen müssen Sie Ihr Kapital betrachten, wie ein zartes Reh: es ist sehr flüchtig. Sie müssen doppelt und dreifach überlegen, wem Sie Ihr Kapital anvertrauen und bei wem Sie in der richtigen Phase beteiligt sein wollen. Es ist äußerst wichtig, dass man nicht als letzter die Party verlässt, sondern dann, wenn das Orchester noch in vollem Gang ist und der Champagner noch fließt. Getreu dem Motto: „Die nächsten 10% immer für den anderen“. Denn wer Ihnen die Aktie abkauft, muss auch noch eine Perspektive haben. Wer soll Ihnen zu hohen Kursen die Aktie abkaufen, wenn schon in den Medien steht, dass sich die Stimmung verfinstert. Das Warten auf schlechte Nachrichten ist fatal.

Ich würde Ihnen gerne acht Punkte mitgeben, die Anzeichen sein können, dass es mit der großen Erfolgshistorie eins Unternehmens vielleicht so langsam vorbei ist.

Dr. Markus Elsässer

1. Die Schulden steigen permanent.

Das kann natürlich auch sein Gutes haben. Wenn z.B. ein guter Vorstandsvorsitzender mit einer Fremdfinanzierung Assets bzw. eine Firma kauft, mag das seine Berechtigung haben. Aber auch dann muss irgendwann angefangen werden Geld zu verdienen, mit dem die Schulden getilgt werden. Das erste, was ich mir immer anschaue ist, wie viel Geld auf der Bank und in der Kasse ist. Wenn dort einiges liegt, ist das erstmal ein gutes Zeichen. Wenn die Schulden hingegen vor fünf Jahren eine Mio. und jetzt 10 Mio. hoch sind, ist das häufig ein Indiz, dass das Geschäftsmodell harzt und eben nicht so viel verdient wird.

 

2. Erwirtschaften außerordentlicher Erträge über das Verkaufen von Marken.

Ich mag fokussierte Firmen, die also nicht Stahlrohre, Tennisbälle und gleichzeitig Unterhosen herstellen. Am liebsten ist mir der volle Fokus auf eine Sache, bestenfalls seit der Gründung und auch für die Zukunft. Denn dann kann man viel Talent und Gespür im Marketing und im Vertrieb, aber auch in der Effizienz der Herstellung entwickeln. Wenn Firmen anfangen, ehemals gute Marken systematisch zu verkaufen macht mich das skeptisch. Ein sinnvoller Grund kann sein, ein Sammelsurium an regionalen Marken zu bereinigen und sich auf eine Weltmarke zu konzentrieren. Wenn man aber anfängt das Tafelsilber zu verkaufen, um einen sog. außerordentlichen Ertrag zu erwirtschaften, der dann das Jahresergebnis aufpolstert, muss man doppelt und dreifach hinschauen, welche Schwäche man damit optisch ausbügeln möchte.

 

3. Schwächen werden im Jahresgeschäftsbericht nicht klar kommuniziert.

Der Jahresgeschäftsbericht einer Aktiengesellschaft ist eine Pflichtlektüre für Sie als Anleger. Auch wenn Sie wenig Zeit haben oder ungeübt sind, müssen Sie immer das Vorwort des Chairmans bzw. CEOs lesen. In dieser Quintessenz fürs ganze Jahr kann man gut erkennen, wie es um den Laden steht. Denn wenn dort die Probleme des Jahres nicht klipp und klar angesprochen werden, sondern rumgeeiert wird, kann man zwischen den Zeilen lesen, dass er sich nicht traut das Richtige zu sagen. Und das ist aus meiner Sicht ein Zeichen von Schwäche.

 

4. Verschweigen des Nettogewinns.

Wenn eine Firma ihre Ergebnisse bekannt gibt, sollte sie neben dem Umsatz auch den Nettogewinn bzw. Jahresüberschuss angeben. Sehr häufig werden Sie aber nur den Umsatz und z.B. das operative Ergebnis hören. Dann muss man nach dem Nettogewinn lange suchen. Und der wird sich dann wahrscheinlich nicht so gut entwickelt haben. Man hofft, dass da niemand genauer hinschaut. Das ist auch ein ganz schwaches Zeichen.

 

5. Häufige Kapitalerhöhungen.

Eine richtig erfolgreiche Firma finanziert sich selbst. Bankkredite gehören dazu, sollten aber nicht ständig steigen. Im Umkehrschluss mag ich Firmen nicht, die viel Wind machen und lautstark tönen, aber alle paar Jahre an die Aktionäre mit einer Kapitalerhöhung für weiteres Wachstum herantreten. Das ist eine ganz billige Nummer. Da sitze ich als Unternehmer und meine alten Geschäfte sind nicht stark genug, das neue Geschäft oder den schnellen Weg dorthin zu finanzieren und bitte dann einfach meine Eigentümer zur Kasse. Wenn meine Geschäfte stimmen, brauche ich eine solche Maßnahme nicht. Die Firmen, die ich verfolge, haben kein einziges Mal um neues Kapital gebeten.

 

6. Änderung der Firmenkultur.

Jahrelang wurden vom Markt immer Top-Leute eingekauft. So war z.B. im Marketing Procter & Gamble immer eine absolute Kaderschmiede. Dann ändert sich plötzlich die Kultur im Unternehmen und auf einmal werden nur noch hausinterne Leute befördert, die sich beliebt gemacht haben, die man gut kennt, die sich vielleicht auch sehr stromlinienförmig verhalten haben und nett zu den Eigentümern waren und für die man nicht zum teuren Headhunter muss. Das ist für mich auch immer ein großes Alarmzeichen. Es kommt sehr auf die Führung an. Der Unterschied einer Führungskraft auf erster Ebene und der auf einer zweiten beträgt mehr als 1000%. Das heißt, wenn Sie sehr gute Abteilungsleiter bzw. Vorstände mit Fachressort haben, sagt das noch überhaupt nichts darüber aus, ob diese auch hervorragende Generaldirektoren sind. Dazu bedarf es viel mehr. Dazu gehört Visionäres, Strategisches, aber auch Menschenkenntnis und dabei versagen die meisten Firmen, weil häufig im Aufsichtsrat schwache Leute sitzen und sie keinen Starken im Vorstand haben wollen. Auch das ist ein Alarmzeichen, wenn es mit einer Firma nicht mehr bergaufgehen wird. 

 

7. Besetzung des Aufsichtsrates aus ehemaligen Managern.

Wenn ein Aufsichtsrat im Zeitablauf nur noch aus ehemaligen Managern besetzt ist und keine Vertreter des Großkapitals dort sitzen (also Anteilseigner an der Firma, die privat selbst viele Anteile halten) ist das für mich eine sehr bedenkliche Entwicklung. Dann wird es eine managementgetriebene Firma und keine, die von Unternehmertum geprägt ist. Äußerst bedenklich, denn die Interessen gehen dann weg von langfristigem Unternehmertum hin zu kurzfristigen operativen Gedanken.

 

8. Die Aktie hinkt an der Börse hinterher.

Wenn die Börse an guten Tagen um 1% steigt und unsere Aktie im Laufe der Jahre an solchen Tagen nur noch +0,5% macht bzw. an schlechten Tagen, wenn die Börse um -2% fällt, der Aktienkurs auf -2,2% absinkt, ist das ein schlechtes Zeichen. Das heißt, wenn ein Titel anfängt hinterherzuhinken und nicht mehr vorne mitsegeln kann mit seinem Kurs, ist das häufig ein Ausfluss der vorhergenannten Punkte.

 

Fazit: Gehen Sie erst gar nicht an Bord einer solchen Firma. Ruhen Sie sich nicht auf dem Glanz alter Tage aus und vor allem: nageln Sie sich nicht fest, weil Sie sich Ihren eigenen Fehler nicht eingestehen wollen. Der Gedanke: „Na das wird schon wieder, das war doch immer eine tolle Firma“, ist ganz großer Unsinn, denn eine Firma als solches gibt es nicht. Es gibt nur die Menschen und wenn diese im Unternehmen nicht mehr die gleichen sind, ist zwar der Firmenname noch da, aber nicht mehr das Investment, bei dem Sie behutsam und äußerst vorsichtig mit Ihrem Geld agieren sollten.

 

Der Autor Dr. Markus Elsässer ist seit 1998 selbstständiger Investor und Fondsberater sowie Gründer der ME-Fonds, die er seit mehr als 18 Jahren betreut. In seinem Buch, im "Des klugen Investors Podcast"  und auf seinem YouTube-Channel geht er regelmäßig auf Handwerkszeug zum Value-Investing, psychologische Gefahren beim Investieren und wertvolle Tipps zum Vermögensaufbau ein.

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