Sind Sie ein echter Langfristanleger? - Eine psychologische Hilfe

Sind Sie ein echter Langfristanleger? - Eine psychologische Hilfe

Warum fällt es so vielen Anlegern so schwer, langfristig erfolgreich Geld anzulegen? Theoretisch ist es doch ganz einfach. Man sucht sich Aktien von ein paar guten Unternehmen aus, kauft diese und lässt sie im Depot liegen. Wenn die Kurse dann im Lauf der Zeit steigen, so wird das billigend zur Kenntnis genommen. Ein Gefühl wohliger Behaglichkeit kommt auf. Innerlich klopft sich der Geldanleger dann schnell auf die Schulter: „Gut gemacht“, sagt er sich.

Das Problem sind jedoch die Kursrückgänge. Tage, an denen die Kure an der Börse fallen, werden nur sehr ungern gesehen. Selbst wenn die Kurse zuvor monatelang gestiegen sind. Und nach einer Weile wird es eine emotionale Angelegenheit. Der Geldanleger reagiert verärgert. Dass fallende Kurse zur Börse gehören, genau wie steigende Kurse, ignoriert er geflissentlich.

Hinter diesem Phänomen steht die Angst. Die Angst vor Verlusten; die Sorge, dass sich Kursgewinne auf dem Papier in Luft auflösen. Die Panik, dass es am Ende noch ganz schlimm kommen könnte. All diese Ängste haben damit zu tun, wie man sein Depotvermögen betrachtet. Der Fehler liegt in der beständig kurzfristigen Betrachtung des Vermögens.

Bei steigenden Kursen nehmen die meisten Anleger jeden Kursanstieg sofort „für bare Münze“. Das heißt, sie rechnen sich künstlich reich. Der erfahrene Aktionär weiß jedoch, dass er am Tage der Verkaufsorder abgerechnet wird. Dann sieht er wieviel Geld er für seine Aktie bekommen hat.

In der Zwischenzeit besitzt er soundsoviel Aktien. Und nicht soundsoviel Geld. Die täglichen Kurse sind für Langfrist-Anleger nichts anderes als eine Art „Zwischen-Wasserstandsmeldung“. Eine Orientierungshilfe. Wer langfristig Geld anlegt, hat ja sowieso nicht vor, gleich Morgen wieder zu verkaufen. Die Börsenkurse haben von daher ja nur „nachrichtlichen“ Charakter für ihn.

Mir hat schon seit Jahrzehnten ein kleiner psychologischer Trick geholfen, ruhig mein Depot weiter durchzuhalten, auch in Phasen extremer Kursschwankungen an der Börse: ich ignoriere die Kursanstiege in meinen Vermögensaufstellungen. Dazu ein Beispiel:

Wenn ich zum Beispiel 1.000 BASF Aktien zu Euro 60,- pro Stück gekauft habe, so ist das für mich meine Vermögensgröße: Euro 60.000,-. Und das bleibt so, auch wenn BASF auf Euro 84,- steigt. Wenn ich partout Euro 84.000,- haben möchte, dann muss ich konsequenterweise meine BASF-Aktien in den Verkauf geben. Sie sollten sich also immer über Ihre Priorität klar werden: wollen Sie Aktien im Depot oder das Geld auf dem Bankkonto haben?  Darum geht es.

Noch ein Tipp für hartgesottene Langfrist-Investoren: inzwischen notiere ich mir meine Aktien nicht länger zum tiefen Einkaufskurs. Sobald ich eine Aktie gekauft habe, belege ich sie mit einem „Sicherheitsabschlag“ von 25 Prozent in meiner Vermögensaufstellung. Das ist mein Puffer für Risiken aller Art an der Börse. Um die Risiken kommt man ja nicht herum. Früher oder später werden sie immer sichtbar. Also dazu das Beispiel: besagte BASF-Aktien habe ich zu Euro 60,- gekauft. Nun kommt mein Abschlag von 25 Prozent, das sind Euro  15,- pro Aktie, die ich „geistig“ abziehe. BASF stehen also bei mir mit 60 – 15 = 45 Euro pro Stück in meiner privaten Depotaufstellung.  Und so kann ich beruhigt schlafen, solange die BASF über Euro 45 steht, kann ich in aller Ruhe der Zukunft entgegensehen.

Fazit:
Probieren Sie es mal bei sich und Ihren Aktien aus. Ob Sie nun 25 Prozent Abschlag nehmen oder 15 Prozent, darauf kommt es nicht an. Das ist Ihre Entscheidung. Worauf es aber ankommt, Sie merken es schon: Sie müssen von den Aktien in Ihrem Depot restlos überzeugt sein, um die Schwankungen auszuhalten. Wenn Sie das nicht sind, dann sind Sie in der Realität sowieso kein echter Langfrist-Anleger.

Dr. Markus Elsässer, ME Fonds - Special Values A
Der Autor ist seit 1998 selbstständiger Investor und Fondsberater sowie Gründer der ME-Fonds, die er seit mehr als 16 Jahren betreut.

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