Patrick Picenoni im Interview

Patrick Picenoni im Interview

Selbstreflexion, analytisches Denkvermögen und psychologisches Flair für Veränderungen auf persönlicher Ebene – ein langfristiger Absolute-Return-Gedanke im Portfoliomanagement.

Patrick Picenoni ist Gründungspartner und Vorstand der Altrafin Gruppe, einem Züricher Vermögensverwalter mit einem Schwerpunkt auf Unternehmerfamilienvermögen. Er ist als Vorstand des Anlageberaters, der Altrafin Advisory AG, für das Portfoliomanagement der CONREN Fonds verantwortlich. Und erzählt uns in 6 Fragen unter anderem wie ein guter Fondsmanager sein sollte, welche guten (und auch weniger guten) Investitionsentscheidungen er in seiner Laufbahn getroffen hat und über welche Investitionstrends er aktuell schmunzeln kann.

Über welche 3 Fähigkeiten sollte ein guter Fondsmanager verfügen?

Primär ist die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Demut wichtig, also sich Fehler auch eingestehen zu können. Als Portfolio- oder Fondsmanager beschäftigt man sich die ganze Zeit mit möglichen Zukunftsszenarien. Bei diesen Entscheidungen unter Unsicherheit ist die Wahrscheinlichkeit immer da, dass man falsch liegen kann, auch wenn man sich im Vorfeld intensiv mit dem Thema beschäftig hat. In einem solchen Fall gibt es nichts Destruktiveres sich diese Fehler nicht einzugestehen, sich an vorgefertigte Meinungen und Analysen festzuklammern und einem bestimmten Thema, welches anlageseitig nicht aufgeht, immer weiter Kapital zufließen lässt. Dies kann zu noch viel größeren Fehlern und  letztlich zu deutlichen Performance-Einbußen führen. Die Demut vor Fehlern und den Märkten insgesamt ist äußerst wichtig.

Weiterhin braucht es  in der Portfoliokonstruktion und dem täglichen Management ganz klar als elementare Eigenschaft ein analytisches Denkvermögen.

Darüber hinaus ist eine Sensibilität für Marktbewegungen und -stömungen wichtig, was man als „psychologisches Flair“ für Veränderungen bezeichnen kann. Das ist ein Soft Fact, der primär nichts mit dem Analytischen zu tun hat. Er kann politischer oder wirtschaftlicher Natur sein oder das Verhalten der anderen Investoren betreffen. Diese Dynamik muss erkannt werden, damit man keinen Modeströmungen hinterherspringt, die vielleicht schon längst vorbei sind beziehungsweise sie hilft bei der Analyse und Entdeckung neuer, interessanter Zukunfts-Investmenthemen.

Diese drei Aspekte gelten meines Erachtens nicht nur für professionelle Anleger, sondern durchaus auch für Anleger, die sich nicht tag-täglich mit dem Börsengeschehen auseinandersetzen, gleichwohl aber Gelder an den Kapitalmärkten investieren wollen.

 

Auf welche Investitionsentscheidung sind Sie besonders stolz?

Die allerwichtigste Entscheidung war die Investition in die Gründung der Firma vor knappen 20 Jahren. Es war die beste Investition, die eigene Leidenschaft zum Beruf in selbstständiger Tätigkeit umzumünzen. Gleichzeitig auch die Investition in herausragende und motivierte Mitarbeiter und damit den Aufbau eines hervorragenden Teams. Das ist und bleibt das Fundament, um für unsere Kunden die bestmöglichen Portfoliomanagement und -beratung Dienstleistungen erbringen zu können.

Im Sinne des Portfoliomanagements haben wir im Jahr 2008 während der Finanzkrise für unsere Kunden einige sehr gute Investitionsentscheidungen getroffen, sodass wir wenig Geld in dieser äußerst schwierigen Zeit verloren haben. Dabei haben wir uns relativ früh Im Jahr 2008 entschieden, den Kapitalerhalt in den Vordergrund zu stellen und diesen auch nicht an einer Benchmark zu messen, sondern wirklich am Absolute-Return-Gedanken festzuhalten und das Kapital entsprechend möglichst risikoarm durch diese Zeit zu navigieren. Auf Titelebene gab es und gibt es immer noch einige Unternehmen, die sich über die Jahre sehr gut entwickelt haben; insbesondere im Bereich von Technologieinvestments. Hierzu gehören bekannte Namen wie Microsoft, Apple oder PayPal, die sich über die Zeit zum Teil verdrei- oder vervierfacht haben, weil wir sie sehr lange in unseren Portfolios hielten und immer noch halten.

 

Welche Entscheidung ist Ihnen in negativer Erinnerung geblieben?

Natürlich haben auch wir über all die Jahre auch Entscheidungen auf Einzeltitelebene getroffen, die sich äußerst schlecht entwickelt haben. Dabei kommt wieder das Thema „Demut vor dem Markt“ ins Spiel. Als aktuelles Beispiel erinnere ich mich an General Electric, wo wir über 50% unseres Einstandes verloren haben. Wir waren gemeinsam mit unseren Analysten der Meinung, dass sie „die Restrukturierungs-Kurve wieder hin kriegen würden“. Das hat aber bisher kaum stattgefunden. Dies war sicherlich eine Entscheidung, auf die wir nicht stolz sind. Wichtig ist auch hier, dass man nicht nur auf einzelne Rennpferde setzt, sondern beim Portfolioaufbau diversifiziert und dies auch kontinuierlich im Auge behält. Das gehört zu einem professionellen Fondsmanagement dazu.

Ein weiteres Beispiel in Deutschland ist die Investition in das Pharmaunternehmen Bayer. Nach dem Zukauf von Monsanto haben wir die negativen Folgen potentieller Schadensersatzklagen und deren Auswirkung auf die Bewertung des Gesamtunternehmens völlig unterschätzt. Auf der anderen Seite glauben wir, dass es sich nur um einen kurzfristigen Zeitausschnitt handelt und das Unternehmen grundsätzlich recht gut aufgestellt ist. Wir gehen davon aus, dass sich der derzeitige Bewertungsabschlag infolge der hohen Rechtsunsicherheit letztlich über die Zeit wieder ausmerzen wird.

 

Was ist das Besondere am Management von Familienvermögen?

So wie wir es verstehen, ist das Besondere die Langfristigkeit und das Absolute-Return-Denken. Damit meine ich nicht das Erzielen positiver jährlicher Renditen. Vielmehr wird der Kapitalerhalt in den Vordergrund gestellt und das Kapitalwachstum über die Zeit über eine gewisse Risikokennzahl angestrebt. Das kann die Inflation plus ein Risikospread sein, den man sich im Vorfeld setzt. Ob dieser 2% oder 3% beträgt oder höher ist, hängt natürlich von der Risikostruktur und –Toleranz der Familie ab. Die Fähigkeit zu Benchmark unabhängigem Denken ist unseres Erachtens bei Familienunternehmen sehr stark durch deren unternehmerische Tätigkeit geprägt. Natürlich vergleichen sie sich insgesamt auch mit dem Wettbewerb, doch viel wichtiger ist in der täglichen Arbeit der Fokus auf absolute Werte: die kontinuierliche Verbesserung und Entwicklung ihrer Dienstleistungen und Produkte für deren Kunden und zwar über viele Jahre hinweg. Je höher dabei die Qualität und Innovation desto höher die Wertschöpfung und letztlich der Erfolg am Markt. Die langfristige Ausrichtung hat für uns als Portfoliomanager im Dienste von Unternehmerfamilien auch zur Konsequenz, dass Modeströmungen in einem Gesamtportfoliokontext in der Regel weniger relevant sind. Zudem möchte man auch nicht unbedingt dieselben Risiken am Kapitalmarkt eingehen, die man schon operativ im Unternehmen trägt. Das stellen wir bei über 90% der Familien, mit denen wir zusammenarbeiten dürfen, fest. Sie haben eine ganz andere Erwartungshaltung: Diversifikation und Vermögenserhalt stehen eindeutig im Vordergrund, statt das Vermögen innerhalb von 10 Jahren an den Kapitalmärkten zu verdoppeln. Das wäre natürlich schön, ist aber nicht das primäre Ziel.

 

Welche Tipps würden Sie Anlage- oder Fondsskeptikern geben?

Hierzu sollte man die Empirie bzw. die Geschichte heranziehen und diese ganz nüchtern betrachten. Wenn ich mir zum Beispiel Aktien als Assetklasse anschaue, zeigt die Historie ganz deutlich, dass es sich selbst bei Krisen über langfristige Zeiträume immer gelohnt hat zu investieren. Wichtig dabei ist eben die langfristige Anlageperspektive. Skeptiker kann man nicht überzeugen, wenn sie sich kurzfristig an den Märkten bewegen wollen. Dann treffen sie oft falsche Entscheidungen zu falschen Zeitpunkten und stellen insgesamt das Anlagen von Geldmitteln an den Kapitalmärkten in Frage. Die Timing-Frage ist also nicht geeignet, sondern eher eine gemeinsame nüchterne Analyse der langfristigen Aktienperformance: im langfristigen historischen Kontext haben Aktienanlagen (nach Kosten) zwischen 6% und 7% p.a. an Rendite erzielen können (Kapitalwachstum inkl. Dividenden).

Dann gibt es noch Fonds-Skeptiker, die sagen, dass Fonds nichts bringen und zu teuer sind. Hier ist eine differenzierte Betrachtung wichtig. Wenn sich ein Anleger selbst die Mühe macht und über gewisse Fähigkeiten verfügt, spricht nichts gegen eine eigenständige Portfolioallokation, durchaus auch in Einzeltiteln. Sachlich betrachtet ist ein Fondsinvestment dann sinnvoll, wenn man es nicht selbst machen will oder kann und daher das Anlagen in die Hände von Profis geben möchte. In Fonds zu investieren hat darüber hinaus den Vorteil, dass man mit einem Wertpapier am Erfolg von mehreren, beziehungsweise vielen Unternehmen partizipieren kann. Durch die Mischung von verschiedenen Fondsmanagern und Anlage-Strategien erhält man am Ende ein gut diversifiziertes und robustes Gesamtportfolio, welches durch Einzeltitel eher schwer replizierbar ist. Wenn man sich also die Mühe macht zumindest 2-3 gute Fondsmanager auszuwählen, hat man eine gewisse Diversifikation bei gleichzeitig niedrigem „Kümmerungseffekt“ und mit hoher Wahrscheinlichkeit langfristig erfolgreiche Anlageergebnisse.

Es muss aber auch nicht unbedingt ein klassischer Fonds sein. Auch ETFs, also passive einen ganzen Markt abbildende Produkte bzw. Instrumente können interessant sein, wenn man meint, dort besser aufgehoben zu sein, als bei einem aktiven Fondsmanager. Am Ende gibt es „unterschiedliche Wege nach Rom“, wichtig ist hierbei einfach, dass man sich mit dem gewählten Weg wohl und gut aufgehoben fühlt. Entscheidet sich eine Anleger / eine Anlegerin das Portfolio selbst zu verwalten, ist es wichtig, und dies kann man nicht oft genug wiederholen, dass man über die drei eingangs genannten Fähigkeiten verfügt oder diese zumindest verinnerlicht, weil es ansonsten durchaus mal zum Desaster führen kann und man sich in der Folge komplett von der Anlagewelt verabschiedet, das wäre schade.

 

Gibt es aktuell Themen am Markt, oder Investitionstrends, die Sie ärgern?

Also grundsätzlich ärgert mich nichts, was Investmenttrends betrifft. Trends wird es immer geben, solange Menschen an den Kapitalmärkten unterwegs sind, und gab es auch schon früher. Ob es  nun um Silber, Emerging Markets oder die Tulip Mania in Amsterdam ging. Das gehört zum Investieren dazu und macht es interessant. Ich amüsiere mich eher über gewisse Trends, manches finde ich im Sinne der Übertreibung auch deshalb interessant, weil sich daraus irgendwann (meistens nach dem Platzen eines Hypes) gute Opportunitäten ergeben, die man sich zu Nutze machen kann. Was bedeutet das? Aus der Technologie-/Internetblase um 2000-2002 haben sich im Nachgang werthaltige Modelle entwickelt: Amazon, Apple, Google etc. wurden erst im Anschluss zu „realen“, nachhaltigen Substanzunternehmen. Jeder dieser Investitions-Hypes ist gefährlich. In der Regel sind es totale Übertreibungen, aus denen sich im Nachgang bei den überlebenden Unternehmen durchaus solide Geschäftsmodelle entwickeln.

Kryptowährung

Auch der Krypto-Trend, bei denen wir weder investiert waren noch sind, hat viele Ingredienzen einer Blase, die letztes Jahr ein bisschen geplatzt ist und jetzt wieder zurückkommt. Ich gehe davon aus, dass deutlich über 70% oder 80% der Investoren in Kryptowährungen nicht wirklich verstehen wie diese tatsächlich funktionieren und worum es eigentlich geht: Zu schauen, dass der Preis steigt und man möglichst jemanden findet, der Bitcoins oder ähnliches zu höheren Preisen kauft heißt nicht, dass man versteht was man tun… Das heißt aber nicht, dass mich das ärgert. Im Gegenteil. Wenn eine solche Blase platzt, werden sich gewisse Unternehmen fundamental als reales Unternehmen entwickeln können. Ich bin davon überzeugt, dass es neben unseren Papierwährungen digitale Währungen, basierend auf der Blockchain-Technologie oder der künstlichen Intelligenz geben wird und sich diese auch durchsetzen werden. Wir verstehen derzeit die Praktikabilität noch nicht so ganz, daher ist es derzeit für uns als Investment nicht interessant. Nach der Bereinigung der Blase ist es an der Zeit, sich wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

E-Mobility

Auch das ist ein Trend bei dem ich glaube, dass er nicht verschwinden wird. Das ist derart disruptiv, analog einer „Schumpeterischen Zerstörungswelle“, die nicht nur die Automobilbranche, sondern auch die Luftfahrt oder stark emissionsproduzierende Industriekonzerne (Logistik) betrifft. Es ist eine langfristige, sehr sinnvolle Entwicklung, die sich weiter spinnen wird. Immer wenn es um Trends geht, schreiben die Reporter und Wirtschaftsredakteure viel hierzu und die Industrie ist euphorisch. Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt, welche erst kürzlich stattfand, wurden auch viele Fahrzeuge im e-Mobility Bereich vorgestellt. Was hier durch die Entwicklungschefs und CEOs alles rosig dargestellt wird muss natürlich auch mit Vorsicht interpretiert werden. Es wird zum Großteil in der Kommunikation und der Botschaft übertrieben, weil es natürlich zur aktuellen Zeit gehört. Hier stehen natürlich auch immer wirtschaftlich geprägte Verkaufsargumente im Vordergrund. Auch im E-Mobility-Bereich gibt es darunterliegende Trends bei den Batterien oder im Zulieferbereich, die bleiben werden und aus denen sich neue Investitionsmöglichkeiten ergeben. Die allgemeine Euphorie und das „Herden“-Denken muss man einfach etwas abgeschwächt betrachten. Wie lange und weit zum Beispiel ein E-Fahrzeug tatsächlich fahren muss, damit es in der Ökobilanz gleichwertig oder besser ist als ein konventionelles Benzin- oder Dieselfahrzeug, wird noch sehr undifferenziert kommuniziert. Auch dieser Trend ärgert mich nicht, ich muss vielmehr hin und wieder nur schmunzeln, wie schnell und dann euphorisch sich die Akteure wenden und Dinge kommunizieren, als hätte es noch nie etwas anderes gegeben. Auch in diesem Bereich wird es Übertreibungen und Enttäuschen geben, aber eben auch nachhaltige Trends mit höchst interessanten Geschäftsmodellen und Unternehmen, die man heute so noch gar nicht kennt.

Mehr zu den CONREN Fonds finden Sie hier.

Mehr zu Patrick Picenoni finden Sie hier.

Unsere Blogartikel im Fokus

Vermissen Sie etwas?

 Nehmen Sie doch mit uns Kontakt auf. Wir freuen uns über Ihr Feedback!

Bitte wählen Sie aus, zu welcher Benutzergruppe Sie gehören.

×

Bitte wählen Sie aus, zu welcher Benutzergruppe Sie gehören.

×
×

Einwilligung in die Datennutzung.

Ich willige ein, dass meine persönlichen Daten, insbesondere Name, Vorname, E-Mailadresse durch die IPConcept (Luxemburg) S.A. zum Zwecke des Newsletterversands verarbeitet werden dürfen.

Rechte des Betroffenen: Auskunft, Berichtigung, Löschung und Sperrung, Widerspruchsrecht

Sie sind gemäß Artikel 15 DSGVO jederzeit berechtigt, gegenüber der IPConcept (Luxemburg) S.A. um umfangreiche Auskunftserteilung zu den zu Ihrer Person gespeicherten Daten zu ersuchen.

Gemäß Artikel 17 DSGVO können Sie jederzeit gegenüber der IPConcept (Luxemburg) S.A. die Berichtigung, Löschung und Sperrung einzelner personenbezogener Daten verlangen.

Sie können darüber hinaus jederzeit ohne Angabe von Gründen von Ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch machen und die erteilte Einwilligungserklärung mit Wirkung für die Zukunft abändern oder gänzlich widerrufen. Sie können den Widerruf entweder postalisch, per E-Mail oder per Fax an die IPConcept (Luxemburg) S.A. übermitteln. Es entstehen Ihnen dabei keine anderen Kosten als die Portokosten bzw. die Übermittlungskosten nach den bestehenden Basistarifen.

Weitere Informationen zum Umgang der IPConcept (Luxemburg) S.A. mit den Bestimmungen der DSGVO finden Sie hier.

×