Wissen

Markteinschätzung November 2018 – Ist die Börsenparty bald zu Ende

Markteinschätzung November 2018 – Ist die Börsenparty bald zu Ende

Seit Mark Twain wissen wir, dass der Oktober der gefährlichste Börsenmonat des Jahres ist – abgesehen von den anderen 11 Monaten! Und so machte der Oktober 2018 seinem Namen alle Ehre. Die US-Aktienmärkte verloren mehr als 10% und erfüllten damit die Definition einer Börsenkorrektur. Noch Ende September lagen die US-Indizes in der Nähe ihrer Allzeithochs. Auch die anderen großen Weltaktienmärkte verloren in einem ähnlichen Ausmaß, allerdings von einem weit niedrigeren Niveau aus. Die Aktienmärkte der Schwellenländer und insbesondere China sind bereits im Bärenmarktmodus, definiert als Rückgang vom Jahreshoch um mehr als 20%. Der DAX, die europäischen Aktienmärkte und Japan haben die heftigen Einbrüche seit ihren jeweiligen Jahreshochs nur knapp unter der 20%-Verlustmarke gestoppt. Sind dies nun Anzeichen einer heraufziehenden Baisse an den Weltbörsen oder nur ein Atemholen in einem sehr reifen, fortgeschrittenen Börsenzyklus, der weltweit nach der Finanzkrise im Jahr 2009 begonnen hat? In der Vergangenheit ist kein Börsenzyklus an Altersschwäche gestorben, sondern er wurde in der Regel von den Notenbanken „ermordet“. Starkes Wachstum löste zumeist über steigende Löhne und Rohstoffpreise ein Anziehen der Inflation aus, das die Notenbanken zwang, die Leitzinsen zu erhöhen. Ab einem gewissen Zinsniveau brach die Konjunktur ein. Der beginnenden Rezession ging stets ein heftiger Börseneinbruch voraus. In der Nachkriegszeit gab es in den USA 11 Aktien-Bärenmärkte, denen neunmal eine Rezession folgte.

Wolken

Wie hoch ist aktuell das Risiko einer Rezession der Weltwirtschaft?

Die Einkaufsmanagerindizes als Frühindikatoren der Wirtschaftsentwicklung deuten weltweit auf eine leichte Abschwächung gegenüber dem starken Vorjahr 2017 hin. Mit dem Auslaufen der positiven Konjunktureffekte der Trump´schen Steuerreform in 2019 ist von einer wirtschaftlichen Verlangsamung auch in den USA auszugehen, allerdings von einem sehr hohen aktuellen Niveau von 3% aus. Ob es dem US-Präsidenten gelingt, angesichts einer demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus, weitere fiskalpolitische Maßnahmen wie Infrastrukturinvestitionen zur Stützung der Konjunktur durchzusetzen, ist mehr als fraglich. Die US-Notenbank plant weitere Erhöhungen der Leitzinsen, um die sich moderat beschleunigende Inflation im Griff zu behalten. Der aus konjunkturellen, aber auch demografischen Gründen leergefegte Arbeitsmarkt lässt die Löhne auf Niveaus von über 3% steigen. Auch die hohen Energiepreise zwingen die Zentralbank zu weiteren Zinsschritten. Neben steigenden Zinsen belastet der hohe US-Dollar und der absehbare Schaden aus dem amerikanischen- chinesischen Handelskrieg die US-Wirtschaft.

China als zweitwichtigste Wirtschaftsmacht der Erde schwächelt bereits seit Jahresanfang. Infolge geringerer fiskalpolitischer Impulse hat sich das chinesische Wachstum auf immer noch stolze 6,5% abgeschwächt. Auch um negative Effekte aus den neuen US-Zöllen abzuschwächen, hat die chinesische Führung bereits begonnen, massiv gegenzusteuern. Eine kontrollierte Währungsabwertung des Yuan, geldpolitische Lockerungsschritte und erste fiskalpolitische Impulse über Infrastrukturinvestitionen sollen eine weitere Wachstumsabschwächung im nächsten Jahr verhindern. Diese Schritte werden wirken, sind aber natürlich langfristig aufgrund des gewaltigen Schuldenbergs von über 260 % des Bruttoinlandsprodukts nicht ungefährlich, den der Staat, die Unternehmen und die privaten Haushalte in Summe angehäuft haben.

Auch in Europa schwächt sich nicht nur das Wachstum insgesamt, sondern auch speziell in Italien und Deutschland, ab. So wird das Wachstum hierzulande im abgelaufenen 3. Quartal vermutlich leicht gesunken sein. Auch hier wirkt sich der von den USA entfesselte Handelskonflikt, hausgemachte Probleme mit der Automobilindustrie, die Italien- Krise und der anstehende Brexit negativ aus. Was den Brexit betrifft, sind wir sehr zuversichtlich, dass es zu einer vernünftigen Lösung kommt, notfalls in einer Nachtsitzung mit angehaltenen Uhren kurz vor Ablauf der Frist. Der Fiskalkonflikt mit Italien ist schon brisanter. Wegen eines von Italien mit 2,4% Nettoneuverschuldung geplanten Haushalts wird jedoch niemand in Europa ernsthaft eine neue Eurokrise heraufbeschwören wollen. Nach viel Theaterdonner und weiteren Marktirritationen ist am Ende mit einem „faulen“ Kompromiss zu rechnen. In Europa gibt es schließlich eine lange Tradition missachteter Haushaltsregeln.

Unberechenbar in seinen wirtschaftlichen Folgen bleibt der Handelskrieg, denn er basiert nicht nur auf einer Laune des US-Präsidenten, sondern auf einem tiefgreifenden Konflikt um die politische und wirtschaftliche Vormachtstellung in der Welt. Aktuell ist allerdings lediglich ca. 2,5% des Welthandels von neuen Zöllen betroffen. Mit Kanada und Mexiko ist es bereits zu „Deals“ im Handelskonflikt gekommen und Europa befindet sich infolge von Zugeständnissen bezüglich Gas- und Sojabohnenimporten in der Warteschleife. Ungleich schwieriger dürfte eine Vereinbarung mit China werden. Wegen der Unkalkulierbarkeit des US-Präsidenten ist beim anstehenden Treffen mit dem chinesischen Staatschef beim kommenden G20-Gipfel alles möglich, sowohl ein Deal als auch eine Verschärfung des Zollkriegs.

Dank der US-Steuerreform, steigenden Umsätzen und den Aktienrückkaufprogrammen sind die Gewinne der US-Unternehmen im letzten Quartal nochmals um fast 30% im Vorjahresvergleich gestiegen. Die Steuerreform hat jedoch nur einen bescheidenen Investitionsschub hervorgerufen, während gleichzeitig der Immobiliensektor unter den steigenden Zinsen zu leiden beginnt. Mit dem Auslaufen der Steuerreform werden wir im nächsten Jahr deutlich geringere Anstiege der Gewinne sehen. Die Ausblicke der Unternehmen, nicht nur in den USA, sondern auch in Europa, Japan und den Schwellenländern, werden deutlich weniger optimistisch. Steigende Zinsen kombiniert mit sinkenden Firmengewinnen sind grundsätzlich eine gefährliche Mischung für die Aktienmärkte. Außerhalb der USA ist jedoch bisher wenig von steigenden Zinsen zu sehen. Ein Blick auf die aktuellen Bewertungen der wichtigsten Regionen im Vergleich zu den Ständen vor den letzten beiden Börseneinbrüchen 2000 und 2008 anhand des Kurs Buchwert-Verhältnisses zeigt mit Ausnahme der USA überall merklich geringere Niveaus.

Sowohl in Europa als auch in Japan und den Schwellenländern liegen die Kurs-Buchwert-Relationen sogar unter ihrem historischen Durchschnitt. Trotz weltweit rückläufiger Gewinne und anziehender Zinsen, auch außerhalb der USA, ist vor dem Hintergrund der Bewertungsniveaus an den internationalen Aktienmärkten (ex USA) noch kein Ende des Börsenzyklus zu erwarten.

Da die weiteren Leitzinsanhebungen der US-Notenbank in Richtung 3 bis 3,5% im historischen Vergleich immer noch moderat sein werden und bei den Unternehmen lediglich ein Nachlassen der Gewinndynamik, aber noch keine Gewinnrezession zu erwarten ist, steht uns auch in den USA kein Ende der Börsenhausse ins Haus. Die weltweit nachlassende Liquiditätsversorgung durch die Zentralbanken läutet jedoch das Ende der Vermögenspreisinflation ein: Der Börsenzyklus tritt in seine Endphase, die historisch von hoher Volatilität, insbesondere auch nach oben, geprägt ist. Die Börsenparty ist noch keineswegs zu Ende!

Was gibt es in einer solchen Spätphase des Börsenzyklus zu beachten:

1. Hochliquide, günstig bewertete Value-Aktien sollten bevorzugt in ein robustes Portfolio aufgenommen werden.
2. Viele Nebenwerte, die infolge ihrer geringen Liquidität normalerweise einen Bewertungsabschlag aufweisen, werden aktuell mit hohen Prämien gehandelt und sollten gemieden werden. Geringe Liquidität ist nicht mit niedriger Volatilität zu verwechseln!
3. Überteuerte Wachstumswerte, insbesondere aus dem Technologiesektor, sind extrem anfällig für (weitere) Kursabschläge.
4. Anlagechancen liegen bevorzugt in günstig bewerteten Regionen (Europa, Japan, Schwellenländer), die bereits heftige Preiskorrekturen hinter sich haben.

Wird es in 2018 noch eine Jahresendrallye geben?

Insbesondere in den USA, aber auch in Europa, gibt es noch einen wichtigen Pluspunkt für die Aktienmärkte. Allein in den USA stehen nach dem Ende der Bilanzsaison noch über 350 Mrd. USD an Aktienrückkäufen bis zum Jahresende aus. Katalysator für ein Weihnachtsmärchen wäre ein zumindest „kleiner“ Deal im Handelskonflikt zwischen China und den USA.

In der Hoffnung, dass sich der Donald in der Rolle des Weihnachtsmanns für die Börse gefällt, verbleibe ich mit den besten Wünschen für die kalte Jahreszeit.

Dr. Manfred Schlumberger, Vorstand und Co-Leiter Portfoliomanagement – StarCapital AG. Mehr unter www.starcapital.de

Unsere Blogartikel im Fokus

Vermissen Sie etwas?

 Nehmen Sie doch mit uns Kontakt auf. Wir freuen uns über Ihr Feedback!

Bitte wählen Sie aus, zu welcher Benutzergruppe Sie gehören.

×

Bitte wählen Sie aus, zu welcher Benutzergruppe Sie gehören.

×
×

Einwilligung in die Datennutzung.

Ich willige ein, dass meine persönlichen Daten, insbesondere Name, Vorname, E-Mailadresse durch die IPConcept (Luxemburg) S.A. zum Zwecke des Newsletterversands verarbeitet werden dürfen.

Rechte des Betroffenen: Auskunft, Berichtigung, Löschung und Sperrung, Widerspruchsrecht

Sie sind gemäß Artikel 15 DSGVO jederzeit berechtigt, gegenüber der IPConcept (Luxemburg) S.A. um umfangreiche Auskunftserteilung zu den zu Ihrer Person gespeicherten Daten zu ersuchen.

Gemäß Artikel 17 DSGVO können Sie jederzeit gegenüber der IPConcept (Luxemburg) S.A. die Berichtigung, Löschung und Sperrung einzelner personenbezogener Daten verlangen.

Sie können darüber hinaus jederzeit ohne Angabe von Gründen von Ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch machen und die erteilte Einwilligungserklärung mit Wirkung für die Zukunft abändern oder gänzlich widerrufen. Sie können den Widerruf entweder postalisch, per E-Mail oder per Fax an die IPConcept (Luxemburg) S.A. übermitteln. Es entstehen Ihnen dabei keine anderen Kosten als die Portokosten bzw. die Übermittlungskosten nach den bestehenden Basistarifen.

Weitere Informationen zum Umgang der IPConcept (Luxemburg) S.A. mit den Bestimmungen der DSGVO finden Sie hier.

×