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Kapitalmarktforschung - April 2020

Kapitalmarktforschung - April 2020

  • Das neue Börsenjahr 2020 startete freundlich. Noch Mitte Februar, vor gerade einmal sechs Wochen, erklomm der MSCI World sein letztes Allzeithoch. Seitdem hat Corona unsere Welt grundlegend verändert: das öffentliche Leben und die Unternehmen stehen vielerorts in einem bislang unbekannten Ausmaß still. Notenbanken und Regierungen legen Hilfsprogramme auf, die alle bisherigen Rekorde sprengen, die Stimmung an den Aktienmärkten hat sich massiv verschlechtert und die meisten Indices hatten zwischenzeitlich mehr als ein Drittel ihres Wertes eingebüßt.
  • Nie zuvor verloren die Aktienmärkte so viel Wert in derart kurzer Zeit. Kursverluste, die vergangene Krisen im Mittel erst nach knapp einem Jahr zeigten, schaffte Corona in nur 23 Handelstagen. Mit einem Einbruch von 34% im S&P 500 zählt die Corona-Krise bereits heute zu den schwersten Börsenkrisen der letzten 120 Jahre:

Kapitalmarktforschung

  • Vergangene Baisse-Perioden mit Kursrückschlägen von über 30% oder Pandemien als auslösendem Ereignis geben eine grobe Indikation, was Anleger erwarten können.
  • Je nach Krise büßten Aktien in der Vergangenheit zwischen 35% und 85% ihres Wertes ein und es dauerte im Durchschnitt vier Jahre bis die alten Höchststände wieder dauerhaft überschritten wurden.
  • Investitionen in Panikphasen eröffnen in aller Regel lukrative Chancen: Anleger, die in vergangenen Krisen bspw. nach einem 30-prozentigem Wertverlust antizyklisch einstiegen, verbuchten auf Sicht der nächsten 1, 5 und 10 Jahre im Mittel überdurchschnittliche Wertsteigerungen von durchschnittlich 20%, 65% und 189%:

S&P 500

  • Pandemien waren keine Ausnahme: Die beiden Pandemien der letzten 120 Jahre, die Spanische Grippe von 1918 und die Asiatische Grippe von 1956, führten zu Kursrückschlägen von weniger als 25%. Die Börsen verloren nicht nur weniger als in anderen Baissephasen, auch die Kurssteigerungen nach den beiden Pandemien fielen überdurchschnittlich aus.
  • Wurden die weltweiten Aktienmärkte in den letzten Jahrzehnten im Mittel mit einem CAPE von 18 bewertet, gingen diese Bewertungen in den aufgeführten Krisenphasen im Durchschnitt auf Werte von 12 zurück.
  • Aktuell notieren bereits einige Aktienmärkte wie Korea, Singapur, Norwegen, UK sowie zahlreiche Emerging Markets nahe an oder bereits unterhalb dieser Krisenbewertungen.
  • Auch deutsche Aktien werden derzeit mit einem CAPE von 14 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,2 deutlich unterhalb ihres fairen Wertes gehandelt. In den letzten Jahrzehnten gab es nur selten die Gelegenheit, Aktien derart günstig zu erwerben:

Deutscher Aktienmarkt

  • Zumal wir in Deutschland aktuell nicht nur eine fundamentale Unterbewertung sehen: Während der S&P 500 über Jahre von einem Allzeithoch zum nächsten kletterte und selbst nach den Kursrückschlägen erst die Kursgewinne der letzten drei Jahre einbüßte, notierten die Kursindices von Euro Stoxx 50 und DAX Mitte März wieder auf Niveaus von 1998-1999. Mit anderen Worten stagnieren die Kurse hierzulande seit mehr als zwei Dekaden, obwohl die Unternehmensgewinne in der gleichen Zeit signifikant zulegten:

DAX Kursindex

  • Damit ergibt sich aktuell in Deutschland ein interessanter Dreiklang aus Unterbewertung, langfristiger Underperformance und hoher Unsicherheit:

Volatilität

  • Für langfristige Anleger bieten die aktuellen Rückschläge deshalb interessante antizyklische Gelegenheiten, zumal sowohl aus den Folgerenditen auf vergangene Krisen wie auch anhand des VDAX deutlich wird, dass Investitionen in Krisenphasen in der Regel nicht nur lukrativer, sondern auf lange Sicht auch sicherer sind als Investitionen in normalen Zeiten.
  • Anleger mit hohem US-Exposure werden hierbei möglicherweise etwas mehr Geduld mitbringen müssen: Nicht nur da Asien und Europa den USA im Hinblick auf Paniklevels und die ergriffenen Maßnahmen voraus scheinen, sondern insbesondere auf Grund der nach wie vor hohen Bewertung des US-Marktes in Folge einer ungewöhnlich langen und von starken Rückkaufprogrammen zu überhöhten Preisen angefeuerten Outperformance. Mit einem CAPE von 23,8 notieren US-Aktien noch immer 25% über ihren langfristigen Durchschnitten und doppelt so hoch wie in vergangenen Krisenzeiten.

 

Update zur weltweiten Aktienmarktbewertung

  • Regionen-Ranking nach Shiller-CAPE: Bis auf den noch immer vergleichsweise hoch bewerteten US-Markt, der auch die Bewertungen der globalen Regionen ansteigen lässt, notieren alle Regionen unter ihren langfristigen Durchschnitten:
    • Osteuropa: 7,3
    • Emerging Markets: 12,5
    • BRIC: 12,6
    • Asien (EM): 13,3
    • Amerika (EM): 13,7
    • Deutschland: 13,8
    • Europa (DM): 14,9
    • Langfristiger Durchschnitt: 18,3
    • Welt: 18,6
    • Entwickelte Märkte: 19,7
    • USA: 23,8

 

  • Ranking der günstigsten größten etablierten Länder nach:

Tabelle1

 

  • Ranking der günstigsten Emerging Markets nach:

Tabelle2

  • Erwähnenswert: aktuell notieren alle Länder in EUR unterhalb ihrer 26- und 52-Wochendurchschnitte. Ein derart schwaches Momentum war zuletzt in der Finanzmarktkrise vor über 10 Jahren zu beobachten.


Interaktive Karte: Aktienmarktbewertungen
 
 

Update zu den Renditeerwartungen auf Basis von CAPE und KBV

  • Welche Aktienmarktrenditen können Anleger Basis der fundamentalen Bewertung über langfristige Zeiträume von über 10 Jahren erwarten (real)?
  • Die durch die Rückschläge attraktiveren Bewertungsniveaus lassen die zu erwartenden langfristigen Aktienmarktrenditen ca. 1% jährlich ansteigen und eröffnen Investoren insbes. in Asien, Europa und in den Emerging Markets auf lange Sicht hohes Potential:
    • Weltaktienmarkt: 7,1% p.a.
    • Europa: 8,5% p.a.
    • USA: 4,5% p.a.
    • Emerging Markets: 9,3% p.a.

 

  • Etablierte Länder mit höchsten Renditeerwartungen: Südkorea (11,9%), Singapur (11,9%), Österreich (11,9%)
  • Etablierte Länder mit niedrigsten Renditeerwartungen: Dänemark (3,5%), USA (4,5%), Schweiz (4,9%)

Details: Aktienmarktpotential

 

Wichtiger Hinweis: Diese Analysen stellen für MiFID-relevante Wertpapierfirmen (z.B. Vermögensverwalter) eine Zuwendung dar. Wir führen Sie als nicht MiFID-relevanten Empfänger und können Ihnen diese Analysen deshalb weiterhin in gewohnter Weise kostenlos zur Verfügung stellen. Ohne Ihr Feedback gehen wir davon aus, dass wir Sie korrekt klassifiziert haben.

Sollten Sie Rückfragen haben oder weitere Informationen benötigen, können Sie sich jederzeit gerne an mich wenden.

 

Viele Grüße und bleiben Sie gesund!

Norbert Keimling & Dr. Nora Imkeller
      - Kapitalmarktforschung -

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