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Kapital anlegen im großen Zusammenhang

Kapital anlegen im großen Zusammenhang

Heute geht es um Kapitalanlagen und dabei speziell um die Bedeutung der Vergangenheitsbetrachtung. Wir müssen die Entwicklung verstehen und den großen Zusammenhang erkennen. Fehlt uns diese Grundlage, ist es sehr schwer, aus dem Status Quo heraus richtig in die Zukunft zu investieren. Vor Allem nimmt man die Gegenwart völlig falsch wahr. Daher müssen wir bei der Kapitalanlage radikal umdenken.

Kapital anlegen im großen Zusammenhang

Viele Menschen sind auf Grund der geopolitischen Entwicklung beunruhigt und fragen sich, wo man überhaupt noch sicher sein Geld anlegen kann. Jedoch haben wir gewöhnliche und keine ungewöhnlichen Zeiten. Seit Längerem habe ich mich intensiv mit der Periode zwischen 1870 und 1939 beschäftigt, weil mir schnell klar wurde, dass es in Westdeutschland zwischen dem 2. Weltkrieg und den 1990er Jahren keine typische, aber dafür sehr prägende Jahre waren. Somit lohnt es sich sehr, sich gerade mit der Zeit vor dem 1. Weltkrieg zu beschäftigen. Diese Periode wurde von technisch grandiosen Erfindungen und riesigen Veränderungen geprägt. Neue Branchen sind entstanden oder alte zusammengebrochen. Der eine Nachbar wurde Multimillionär und der andere ging Bankrott. So ist das Leben. In den Innenstädten anderer Länder war ein Leerstand des Einzelhandels von 30% ganz normal. Zeiten, in denen alles passend läuft, eine Vollauslastung gegeben ist und stetiger Zuwachs herrscht, sind atypische Zeiten.

Warum ist die Zeit nach dem 2. Weltkrieg so irreführend, vor allem für die Westdeutschen? Es herrschte eine Ära der Scheinsicherheit. Es war dringend nötig, die Westmärkte so schnell wie möglich wieder aufzubauen, um gegen den drohenden Kommunismus aus dem Osten bestehen zu können. Dafür mussten Gesellschaftsmodelle geschaffen werden, die den Menschen Anreize schafften. Man baute das Gesellschaftsmodell der totalen Sicherheit auf, um individuelle Freiheiten, den Zugang zu Grundschulden, Hypothekenfinanzierung für ein Eigenheim und Dauerbeschäftigung zu gewährleisten. Bei vielen Firmen gab es Betriebspensionen, zum Teil in großer Höhe. Zudem kam die versprochene Staatsrente hinzu. Diese wurde nicht durch die Ersparnisse der damals Tätigen eigenfinanziert, sondern durch den Generationenvertrag. Das gibt es kaum in anderen Ländern der Welt. In der Regel werden die Rücklagen sofort gebildet und daraus nährt sich die Altersvorsorge.

Diesem deutschen Wirtschaftswunder kann man nur Hochachtung zollen. Es gab eine Ära der sicheren Zinsen. Bei Bahn-, Post-, und Bundesanleihen mit sicherer Rückzahlung bekam man 5-6% Zinsen. Man brauchte sich um seine Kapitalanlagen keine Sorgen machen. Die Bankberatung für den typischen Deutschen war eine äußerst einfache Angelegenheit, weil die meisten kaum Aktien haben wollten. Wer jedoch unternehmerisch eingestellt war und die Inflation des Papiergeldes stets bedachte, der investierte immer schon in Aktien, auch wenn die Börse nicht viel tat.

Somit dürfen wir als Kapitalanleger in Zeiten von Trump, Nordkorea oder dem Brexit nicht schockiert sein. Das darf einen nicht vom langfristigen, vernünftigen Investieren abhalten. Man muss das politische Geschehen davon unabhängig betrachten. Die letzten 30 Jahre haben gezeigt, dass Investoren, die sich nicht vom politischen Getöse irritieren lassen haben, sondern bei Unternehmens- und Währungsbewertungen geblieben sind und langfristige Strategien verfolgt haben, viel vermögender geworden sind. Sogar unser ME-Fonds – Special Values, der vor 17 Jahren gegründet wurde, hat sein Vermögen vervielfacht. Das Ganze auf Basis einer langfristigen Strategie und dem Festhalten an einem Portfolio mit guten Unternehmen. Der Blick in die Vergangenheit ist ein wichtiger Aspekt. Man erkennt schnell, dass Sachwerte vorteilhafter sind als Papiergeld.

Es ist ein Aufbruch im Gange, der seinen Ursprung im Jahr 1990 hat. Damals gab es die große Trendwende, bei der das Ostblock-Regime zusammenbrach und zeitgleich das Internet- und Telekommunikationszeitalter begann. Die Welt öffnete sich. Kleine Exporte wurden zu globalen Handelsaktivitäten, denn mit dem Ostblock konnte man plötzlich Geschäfte machen. Ein Trend der Globalisierung, der vor allem westeuropäische und nordamerikanische Firmen zu Gewinnern macht. Tag für Tag wachsen mehr Kunden heran. Selbst in Ländern, die hier ein schlechtes Image in den Medien haben. Hier steigt der relative Wohlstand immer mehr. Die Menschen dort arbeiten sehr hart und die Lebensbedingungen sind keineswegs luxuriös. Ich erinnere mich an die Besuche von Mittelständlern in den Philippinen. Dort sitzt der Inhaber oberhalb der Maschinenhalle und hinter ihm steht das Gewehr, weil er entführungsgefährdet ist. In China oder Indonesien sind erfolgreiche Personen alle 50 Jahre von Enteignungen bedroht. Die Risiken der Politik sind dort viel höher als in Deutschland. All das hat zur Folge, dass sich diese Menschen auch anders belohnen wollen. Sie wollen ihren Wohlstand zeigen und nicht nur auf ihr Bankkonto gucken.

Das bedeutet, dass der große Gewinner nicht der kleine pakistanische Mittelständler ist, der endlich eine Zahnpasta-Fabrik aufbaut. Die großen Gewinner der Bewegung sind die Inhaber der modernen Technologie und weltberühmter Konsummarken. Die können mit ihren aufgebauten Reserven und entsprechendem Personal und Logistik die Welt erobern. Sie haben die Qualitätsprodukte, die dort gewünscht werden. Menschen aus aller Welt kriegen über das Internet, Medien und Online-Bestellungen mit, was zurzeit angesagt ist. Sie wollen die Schuhe von Nike und das T-Shirt von Adidas. Sogar bei Konsumartikeln funktioniert das westliche Marketing, mit dem die Menschen seit Jahren bombardiert werden. Diese Produkte sind qualitativ verlässlich und konstant, von daher war es in den letzten 20 Jahren nicht nötig, Geld an der Hongkonger Börse zu riskieren oder in Emerging Market Fonds zu investieren. Es genügt, wenn man erkannt hat, welche Firmen aus den politisch sicheren Ländern für die Aktionäre, den sichere Börsenplätze wie Frankfurt, Zürich oder der Wallstreet, kommen. Da lassen sich viele Unternehmen finden, die sich richtig aufgestellt haben, um diese Welt Schritt für Schritt zu erobern. Das Ganze ist umso wichtiger, da den Sparern das feste Zinseinkommen für lange Zeit genommen ist. Bei den heutigen Unsicherheiten der Währungen auf Papiergeld zu beharren, ist keine Alternative zu einer Beteiligung an erstklassigen Firmen.

Fazit: Sehen Sie das Ganze in einem großen Zusammenhang. Die Sicherheiten gibt Ihnen heutzutage nicht mehr der Staat, wie noch in den 50er oder 60er Jahren. Heutzutage sollten Sie Ihr Augenmerk auf interessante Firmen aus verschiedenen Wirtschafts- und Kulturbereichen legen. Sogar an den italienischen Börsen gibt es mittelständige Aktiengesellschaft mit hervorragender Qualität, die schon lange erfolgreich arbeiten und denen Sie als Aktionär beitreten können. Mit den schwankenden Börsenkursen muss man eben leben. Wenn man das Geld in den nächsten fünf Jahren nicht brauch, kann man es in aller Ruhe investieren. Lassen Sie sich nicht von der ganzen Politik irritieren. Denken Sie daran: Am Ende des Tages hat immer derjenige besser abgeschnitten, der in schlimmen Phasen antizyklisch gehandelt hat. Denken Sie an die Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Wer war da der bessere Investor? Derjenige, der sagte: ,,Das halte ich hier nicht mehr aus, der Krieg ist zu Ende, aber das wird nie mehr was. Ich geh nach Florida, da haben die Leute große Kühlschränke, fahren Cadillac und haben einen Swimming-Pool“ oder war es derjenige, der sagte: ,,Hier geht es aufwärts, ich glaube daran“ und der anfing, mit Arbeit und viel Fleiß ein Grundstück nach dem anderen zu kaufen? Die Antwort ist klar. Sie müssen in Ihrem Kopf zweigeteilt denken. Nehmen Sie Teil an der Politik und der gesellschaftlichen Entwicklung. Gleichzeitig müssen Sie bei ihrem Kapital eiskalt und nüchtern entscheiden, wo es gut aufgehoben ist.

 

Der Autor Dr. Markus Elsässer ist seit 1998 selbstständiger Investor und Fondsberater sowie Gründer der ME-Fonds, die er seit mehr als 17 Jahren betreut. In seinem "Des klugen Investors Handbuch", "Des klugen Investors Podcast" und auf seinem YouTube-Channel geht er regelmäßig auf Handwerkszeug zum Value-Investing, psychologische Gefahren beim Investieren und wertvolle Tipps zum Vermögensaufbau ein. Dieser Artikel ist in Anlehnung an Episode 10 des Podcasts entstanden.

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