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Investmentfonds – seit 245 Jahren auf der Suche nach dem perfekten Mix

Investmentfonds – seit 245 Jahren auf der Suche nach dem perfekten Mix

Am 19. April ist Weltfondstag! 2012 hatte der Bundesverband Investment und Asset Management diesen Tag zu Ehren des Vaters der Investmentfondsidee Adriaan van Ketwich eingeführt.

Weltfondstag

Am 19. April 2019 jährt sich zum 275. Mal der Geburtstag von Adriaan van Ketwich. Er legte 1774 den weltweit ersten Investmentfonds namens „Eintracht macht stark“ auf und schrieb seiner Zunft eine schlichte wie beherzigenswerte Mahnung ins Stammbuch: Eine „gute und stets ordentliche Führung“ forderte das Gründungsdokument dieses Fonds vom Portfolioverwalter. Van Ketwich hatte zuvor als junger Börsenhändler in Amsterdam die erste europaweite Finanzkrise miterlebt. Der Zusammenbruch der schottischen Ayr-Bank durch unvorsichtige Kreditpolitik führte 1773 zu erheblichen Marktturbulenzen in England, Schottland und den Niederlanden. Anleger, die ihr Geld bei den insolventen Banken angelegt hatten, verloren teilweise ihr gesamtes Vermögen. Van Ketwich zog aus der Krise die richtigen Lehren und übertrug das kaufmännische Prinzip der Risikostreuung auf Kapitalanlagen. In den Anlagerichtlinien seines Fonds formulierte er detaillierte Regeln für die Diversifizierung des ihm anvertrauten Vermögens, um die Verluste eines Investments durch die Gewinne von anderen ausgleichen zu können. Zusätzlich versprach er eine jährliche positive Wertentwicklung von vier Prozent. Erstmals konnten Investoren in ein gemischtes Portfolio aus Anleihen und Aktien investieren. Der Siegeszug des flexibel investierende Mischfonds nahm seinen Anfang.

Fondskonzepte à la van Ketwichs, die durch geschickte Kombination verschiedener Anlageklassen das Kapital des Anlegers solide vermehren und gegen Kursverluste schützen wollen, haben besonders in den vergangenen Jahren einen enormen Boom erlebt. Laut dem europäischen Fondsverband EFAMA hatten Anleger Ende 2018 in Europa 1,73 Billionen Euro in Mischfonds angelegt (2008: 734 Milliarden Euro). Die gängige Definition für vermögensverwaltende Mischfonds umfasst folgende Merkmale:

  1. Der Fonds investiert in mehrere Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe
  2. Der Fonds eignet sich als Basisinvestment
  3. Der Fonds strebt eine risikoangepasste Rendite an, anders ausgedrückt: Er vermeidet erhebliche Wertschwankungen
  4. Der Fonds wird frei von Interessenkonflikten verwaltet

Für den Anleger ist das Angebot von mittlerweile mehr als 1.300 vermögensverwaltenden Mischfonds unübersichtlich. Wichtigstes Auswahlkriterium ist die Expertise des Fondsmanagers und die Qualität seiner Portfolioverwaltung. Sie offenbart sich beispielsweise durch überdurchschnittlich hohe Renditen über längere Zeiträume. Dabei offenbart besonders die Entwicklung in Krisenzeiten das wahre Können des Portfoliomanagers.

Die Wertentwicklung ist aber nur ein Aspekt – das Gesamtbild entscheidet. Doch der Laie ist kaum in der Lage, Renditen, Risikokennziffern, historische Schwankungsbreiten, Währungsrisiken, Kosten, Rankings und Ratings sicher einzuschätzen und dauerhaft im Blick zu behalten. Alternativ empfiehlt sich die Investition in Dachfonds, bei denen die ausgewählten Fonds kontinuierlich von Finanzexperten überwacht und bei Bedarf durch bessere ersetzt werden. Durch die Diversifikation über verschiedene vermögensverwaltende Strategien wird zugleich das Risiko breiter gestreut. Diesem Vorteil steht auf der Kostenseite der Dachfonds häufig ein Nachteil im Vergleich zu herkömmlichen Fonds gegenüber, da jeweils eine zweite Verwaltungsebene mit bezahlt werden muss, zum einen der Portfoliomanager des Zielfonds, zum anderen der des Dachfonds selbst.

Leider schützt auch die sorgfältigste Auswahl bei der Vermögensanlage nicht vor bösen Überraschungen. Dies galt auch für den allerersten Fonds: Bis 1780 erfreute van Ketwich´s Fonds die Investoren mit der versprochenen Wertentwicklung. Doch dann wurden die Finanzmärkte von einem unvorhergesehenen Ereignis in schwere Turbulenzen gebracht: Sowohl der Ausbruch des Englisch-Niederländischen Seekrieges wie auch die Eskalation des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges ließen die Aktienkurse auf breiter Front einbrechen. Zusätzlich führte die damit einhergehende massive Störung der niederländischen Handelsverbindungen zur völligen Entwertung der Kolonialanleihen im Fondsportfolio. Kreditausfallversicherungen, die van Ketwich´s Anleger vor diesem Zahlungsausfall geschützt hätten, enthielt der Fonds leider nicht – sie wurden erst 200 Jahre später erfunden.

Den bis heute andauernden Erfolg der Gattung Investmentfonds konnte das nur kurzfristige Überleben des van Ketwich´s Fonds dennoch nicht aufhalten. Mit rund 115.000 weltweit offenen Investmentfonds stehen privaten wie institutionellen Anlegern deutlich mehr risikostreuende Anlagevehikel zur Verfügung als etwa Einzelanlagen wie Aktien. Weltweit gibt es nur rund 45.000 börsennotierte Unternehmen - davon 800 in Deutschland.

Der Autor Felix Graf von Hardenberg ist Generalbevollmächtigter und Leiter Business Development der IPConcept.

Kontakt: Felix.Hardenberg@ipconcept.com

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