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Grundmaßstäbe für Ihr liquides Vermögen

Grundmaßstäbe für Ihr liquides Vermögen

Ich habe beobachtet, dass sehr viele Menschen zu leichtfertig mit ihrem Kapitaleinsatz umgehen und viel mehr Zeit auf die Planung von Urlaubsreisen, den Kauf von neuen Badezimmerkacheln, Ikea-Möbeln oder den Autokauf verwenden. Von Kleidern mal ganz abgesehen. Also überall wird Zeit und Hirnschmalz investiert. Der Umgang mit dem Kapital wird im Gegensatz dazu oft mit links aus dem Ärmel geschüttelt. Man folgt irgendeinem Rat oder Tipp, ohne der Sache wirklich auf den Grund zu gehen. Und das ist natürlich falsch. Ich habe 4 simple Punkte zusammengestellt, über die man sich im Klaren sein muss, wenn man Ersparnisse hat und wo und wie man sein Kapital investiert.

Schilder mit verschiedenen Anlagemöglichkeiten

Punkt 1: Fangen wir an, mit dem was zunächst da ist: Ersparnisse. Also Bargeld oder Einlagen bzw. Guthaben bei einer Bank auf Konten. Im Jahr 2019 gibt es schon seit längerer Zeit keine Bankzinsguthaben mehr und das stört mich überhaupt nicht. Der Sinn und Zweck des Bargeldes und der Bankguthaben ist, dass man Zahlungsmittel für die Bestreitung des Lebens hat. Deshalb darf nicht das Zinseinkommen im Vordergrund stehen, sondern entscheidend ist die Sicherheit. Die Sicherheit ist zum einen, dass ich in einer gescheiten Währung bin, in der ich meine Zahlungsverpflichtungen habe. Das klingt selbstverständlich, wird aber oft nicht bedacht und ist vielen zum Verhängnis geworden. Menschen die im Euroraum lebten, haben vor vielen Jahren, als die Kreditzinsen noch nicht überall so niedrig waren, ihre Häuser in Deutschland und Österreich in Schweizer Franken finanziert und sich über den niedrigen Kreditzins gefreut. Sie haben aber völlig übersehen, dass die Währung so stark ist. Die Gesamtrechnung dessen, was man zurückzahlen muss wurde hoch und höher. Das kann natürlich fatale Folgen haben. Sie brauchen immer Bargeld oder Bankguthaben in der Währung des Landes in dem Sie leben und in dem die Zahlungen anfallen. Aber darüber hinaus können Sie natürlich in Währungen einsteigen, die vielleicht besser sind als die Landeswährung. Wenn jemand in der Türkei lebt und türkische Lira braucht, dann wäre an sich ein Bankguthaben von Schweizer Franken mit Sicherheit besser als in Türkische Lira. Das ist erstmal der entscheidende Sicherheitsaspekt. Ich würde mich dann nicht dazu verleiten lassen mit meinem Bankguthaben zu irgendwelchen Nebenplätzen auf den Finanzmärkten zu gehen. Ich würde nicht in schwierige Währungen investieren, die man nicht gut überblicken kann,  nur weil vielleicht 2,5% Bankverzinsungen geboten werden und genauso würde ich es nicht irgendwelchen Finanzinstituten geben, die ich in keiner Weise zuordnen kann.

Der andere Aspekt ist, dass sehr viele Investoren den Banken misstrauen und Sorge haben, was bei einem Bankencrash oder Bankenzusammenbruch passiert. Bin ich da mit Bargeld nicht besser dran? Das ist Geschmackssache. Die Frage ist: Wie gehe ich mit meinem Bargeld um? Das überlegen sich Menschen, die Strafzinsen auf ihr Guthaben zahlen müssen. Die großen Versicherer machen das. Sie lagern in großen, sehr gesicherten Lagerhäusern Bargeld ein. Das können Sie als Privatmensch natürlich auch! Die Frage ist: Wohin mit dem Bargeld? Da kommen natürlich die Schließfächer in Betracht, die man bei einer Bank mieten kann. Die Jahresgebühr hierfür ist nicht zu teuer. Sie könnten es natürlich auch zu Hause in einem Tresor deponieren. Dabei muss man sich nur über den Schutz im Klaren sein.

Der 2. Punkt sind die Anleihen bzw. Bonds/ Obligationen oder Rentenmarkt. Das ist alles das gleiche. Das ist Geldvermögen, kein Sachwert, bei dem Sie einer Regierung oder einem großen Industrieunternehmen auf Zeit Geld leihen und dafür einen festen Zins bekommen. Das war früher attraktiv, als es noch 6% - 7% zu den Marktzeiten gab. Sehr beliebt waren die Bundes-, Bahn- oder Postanleihen, die Ihnen auf zehn Jahren 6% pro Jahr beschert haben. Die Rückzahlung in DM war auch recht gesichert. Ich halte momentan von dem Bonds nicht sehr viel. Die großen Käufer von Bonds sind nicht die Privatanleger, sondern die großen Lebensversicherer und Pensionskassen, die damit überwiegend die Staatsdefizite finanzieren. Zu Lasten mit so gut wie keinem Ertrag und in Summe zu Lasten der Versicherten. Das ist kein schönes Thema. Für mich steht eins fest: Bevor ich nicht 5% pro Jahr in einer erstklassigen Anlage, also von einem erstklassigem Schuldner in einer erstklassigen Währung bekomme, fasse ich keine Anleihen oder Bonds an. Dann auch nur, wenn ich diesen festkalkulierbaren, jährlichen Ertrag von 5% in irgendeiner Form von Cashflow benötige. Denn es ist und bleibt ein Geldwert, der der Inflation ausgesetzt ist.  Zudem existiert das Rückzahlungsrisiko. Und auch hier würde ich mich an Ihrer Stelle nicht auf irgendwelche Risiken einlassen. Es gibt Länder die einen hohen Zins, aber in der Landeswährung anbieten. Da gilt das gleiche, was ich zum Bargeld gesagt habe: Dieser noch so hohe versprochene Zins in dieser Landeswährung, wird in der Regel leider durch Währungsverluste verzehrt und im Zweifelsfall geht das Ganze mit einer Negativrechnung aus. Ich würde mich nicht in exotische Landeswährungs-Anleihen in Übersee begeben. Entscheidend bei den Bonds ist und bleibt auch hier: die Bonität, die Rückzahlungsfähigkeit, das ist das A und O. Wenn es geht, würde ich das meiden und lieber etwas mehr Bargeld halten, wo ich auch nichts für kriege.

 

Damit kommen wir zur 3. Kategorie, das sind die Aktien. Da muss man vorweg eins sagen: Bei Aktien ist das entscheidende Kriterium Ihr zeitlicher Horizont. Und so traurig es klingt und so bitter es für den einen oder anderen sein mag. Aber es führt kein Weg dran vorbei. Wer in den nächsten 3 oder 5 Jahren das Geld benötigt, um ein Haus zu kaufen  oder das Dach zu renovieren, sollte diese Beträge gar nicht Aktien investieren. Auch die allerbesten Aktien und die beste Portfoliostrategie kann über einen längeren Zeitraum zu hohen Buchverlusten führen. Selbst die allerbesten Aktien können gewaltig in den Keller rauschen. Ich habe einen Freund, der schon vor vielen Jahren gesagt hat: „Wer einen Papierverlust von 90% über eine gewisse Zeit nervlich nicht vertragen kann, der sollte sowieso keine Aktien haben“. Das klingt vermessen, aber es ist viel Wahres dran! Bleiben wir bei dem zeitlichen Aspekt - eine 5-Jahresperspektive halte ich sehr gut, wenn es um das Investieren in Aktien oder Aktienfonds geht. So würde ich auch die Erfolgsmessung, also meinen Maßstab definieren: „Wenn ich jetzt etwas kaufe dann mache ich mir Gedanken über die Aussichten der nächsten fünf Jahre und nicht pro Quartal und Halbjahr“. Die meisten Investoren, schauen mit viel Spannung immer am nächsten Morgen was sich getan hat. Das ist ein blöder Zeitvertreib. Entscheidend ist die Perspektive: Wie entwickelt sich dieses Investment innerhalb der nächsten 5 Jahre als Minimum? Wie in der Natur braucht alles seine Zeit zum Wachsen, wenn eine Firma eine neue Lagehalle gebaut hat, ein neues Zweigwerk, oder ein neues Land erschließt, einen neuen Vertriebschef einstellt etc.. Waren dies gute Entscheidungen, braucht die Auswirkung seine Zeit bis sich das in den Zahlen niederschlägt. Das vergessen sehr viele Investoren. Und was in den 5 Jahren dabei rumkommen soll, ist ganz einfach: 10% pro Jahr. Ich möchte meinem Aktienengagement im 5-Jahres-Paket 10% pro Jahr zutrauen. Lassen wir die Zinsen mal weg, bedeutet das also 5x10, also 50%. Wenn ich heute eine Aktie kaufe, also eine Position aufbaue, muss sie das Potential haben und ich fest davon überzeugt sein, dass eine große Chance besteht, dass sich der Wert des Ganzen um 50% erhöht. Wenn ich denke naja - vielleicht pro Jahr 6-7% ist doch auch ganz schön… natürlich ist das ganz schön. Aber wie die Engländer sagen: „That‘s not enough“, das ist einfach nicht genug für das Risiko, was mit dem Invest de facto einhergeht.

 

Als letzten und 4. Punkt sehe ich Wagnisse, die darüber hinausgehen. Was sind für mich Wagnisse? Im Bereich der Aktien sind das z.B. die Explorationsaktien. Die Unternehmen, die nach Bodenschätzen suchen, keinerlei Umsätze generieren, sondern Kapital aufbrauchen, in der Hoffnung, dass sie auf große Vorkommen stoßen. Davon gibt es hunderte von Aktiengesellschaften, überwiegend in Kanada, Amerika und den USA. Viele sind aber auch an der Londoner Börse gelistet. Das sind Firmen, bei denen im Rahmen der Exploration das Kapital verzehrt wird. Und irgendwann, wenn kein Erfolg eintritt, ist das Kapital weg. Das gleiche gilt für Start-Ups: Auch hier: keine gesicherten Einkünfte und ein Kapitalverzehr. D.h.: Das Ganze geht gegen null und damit auch der Wert ihres Engagements, wenn nicht der große Erfolg eintritt. Ähnlich riskant sind Spekulationen in Bankrottfälle, also Firmen die kurz vor dem Bankrott stehen oder denen es sehr schlecht geht, die im Kurs ganz tief unten hängen und man darauf setzt, dass ein neuer Kapitalgeber kommt oder ein neues Management und das Ganze in gesunde Sphären führt. Alle diese Bereiche, sind interessante Aspekte, wenn man Erfolg hat. Die Frage ist auch hier: Wann sollte ich, wenn überhaupt, so ein Wagnis im Vergleich zu einem Investment in eine etablierte Aktengesellschaft mit festem Cashflow und Gewinn pro Jahr und etablierten Marktanteilen eingehen?

Also erstens nur dann, wenn Sie einen Totalverlust wirklich ertragen können. Nicht nur nervlich, sondern auch finanziell in Ihrer gesamten Kapitalaufstellung. Wenn Sie es aber in Erwägung ziehen zu einem größeren Prozentsatz von ihrem Vermögen in solche Wagnisse zu investieren und wir bei 5 Jahren bleiben, dann muss im Vergleich in fünf Jahren nicht 10% pro Jahr drin sein, sondern eine Verzehnfachung Ihres Kapitaleinsatzes möglich sein. Wenn Ihnen diese Verzehnfachung ihres Kapitals im Erfolgsfalle des Businessmodels nicht realistisch erscheint, dann sollten Sie die Hände weglassen. Das Investieren und Kaufen fällt leicht. Es ist aufregend und spannend, aber wenn man es an der Backe hat, dann hat man es erst an der Backe. Dann tut es nach einer Weile weh und wenn das Kapital schließlich weg ist, ist es weg. Das ist das Schlimmste was passieren kann. Entscheidend ist nicht, ob sie 12% oder 18% im Jahr verdienen. Entscheidend ist, dass sie nicht 100% verlieren oder 50% oder 40% und zwar dauerhaft, denn das Wiederreinholen von verlorenem Kapital, das ist das frustrierteste, aber auch das Steinigste und Schwerste. Von daher ist die Verzehnfachung ein Minimum.

 

Da haben wir die 4 Punkte: Bargeld, Guthaben bei Banken, zweitens Bonds/Anleihen, Aktien und die darüber hinausgehenden, größeren Wagnisse. Damit haben wir im Prinzip den freien Kapitalmarkt für liquides Vermögen einmal gestreift und Sie haben also einen kleinen Einblick, was für Grundmaßstäbe man sich setzen sollte. Wichtig ist, dass Sie sich überhaupt darüber Gedanken machen und das Sie nicht einfach in Ihrem Depot und Ihren Kontoauszügen vor einem Salat sitzen, von dem Sie gar nicht wissen, wer ihn eigentlich zubereitet hat. Er ist im Lauf der Jahre und Jahrzehnte einfach zufällig entstanden und egal wie es jetzt aussieht. Es ist nie zu spät zum Korrigieren, zum Umschichten in Depots und da heißt es: alles weg, was nicht zu Ihren Kriterien passt und nicht ihre Maßstäbe erfüllt.

 

Der Autor Dr. Markus Elsässer ist seit 1998 selbstständiger Investor und Fondsberater sowie Gründer der ME-Fonds, die er seit mehr als 17 Jahren betreut. In seinem "Des klugen Investors Podcast" geht er regelmäßig auf Handwerkszeug zum Value-Investing, psychologische Gefahren beim Investieren und wertvolle Tipps zum Vermögensaufbau ein. Dieser Artikel ist in Anlehnung an Episode 1 entstanden.

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