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Interview mit Kai Brüning

Interview mit Kai Brüning

Wo liegt aktuell das größte Wachstumspotenzial auf dem Gesundheitsmarkt? Was unterscheidet Aktien aus dem Gesundheitsbereich von Aktien des allgemeinen Marktes? Diese und weitere Fragen beantwortet uns Kai Brüning, Senior Portfolio Manager Healthcare bei apoAsset, in unserem Interview. Außerdem erklärt er, welches Wissen man zum Investieren auf dem Gesundheitsmarkt mitbringen muss und auf welche Investitionsentscheidung er besonders stolz ist.

Foto Kai Brüning

Wie wichtig ist medizinisches Wissen bei Investitionen in den Gesundheitsmarkt?

Der Gesundheitsmarkt ist ein Sektor am Kapitalmarkt, bei dem es sehr wichtig ist nicht nur über Finanzwissen, sondern zumindest auch über ein medizinisches Grundwissen zu verfügen. Dies gilt besonders für den Biotechsektor, bei dem Erfolg oder Misserfolg von einzelnen Projekten oder klinischen Studien abhängt.

 

Wo sehen Sie in den verschiedenen Bereichen des Gesundheitsmarktes aktuell das größte Wachstumspotenzial?

Das größte Wachstumspotenzial sehe ich im Bereich Biotechnologie: Dieser Bereich ist auf nicht absehbare Zeit definitiv der Innovationstreiber für die Entwicklung des Gesundheitsmarktes. Immer neue Projektideen kommen insbesondere von kleineren Unternehmen, die als ausgegliederte Forschungsabteilungen der großen Unternehmen zu sehen sind. Große Unternehmen lizensieren deren Entwicklungen ein oder kaufen direkt das gesamte Unternehmen. Daher sind es die kleineren, auf die wir uns konzentrieren.

Ein anderer Wachstumsbereich ist natürlich die Digitalisierung. Wenn wir uns den Markt anschauen, wachsen Technologie und Gesundheit immer mehr zusammen. In Zukunft ist mit deutlich steigenden Investitionen in diesem Bereich zu rechnen. Alteingesessene Gesundheitsunternehmen investieren in Technologie/ Digitalisierung und klassische Technologieunternehmen investieren in Entwicklungen zur Optimierung der Gesundheitsversorgung. Im regionalen Kontext spielen Schwellenländer wie China oder Indien eine herausragende Rolle.  Mit dem wachsenden Wohlstand in diesen Regionen werden auch die Investitionen der dort lebenden Menschen in die eigene Gesundheit steigen. Hier besteht enormer Aufholbedarf. Dementsprechend wird in diesen Ländern mittelfristig der Gesundheitssektor stärker wachsen als in den entwickelten Märkten.

 

Würden Sie Anfängern empfehlen, in genannten aussichtsreichen Bereichen des Gesundheitsmarktes zu investieren?

Sagen wir mal so: Wenn man einen Mediziner im Bekanntenkreis hat und dieser im Prinzip als Tippgeber für Biotech-Unternehmen fungiert, kann man das schon mal probieren. Ansonsten gilt aber: Ohne ein gewisses Maß an Vorwissen ist eine Investition in Unternehmen der Gesundheitsbranche nicht empfehlenswert. Das Schwierige, das den Gesundheitsmarkt von anderen Märkten unterscheidet, sind die Marktrahmenbedingungen. Produktanbieter müssen den Behörden, die auch für die Zulassung zuständig sind, nachweisen, welche Zusatznutzen gegenüber bestehenden Produkten vorhanden sind und ob diese dem Patienten überhaupt helfen. Das ist nicht zu vergleichen mit einem Produkt aus der Konsumgüterbranche, bei dem der Verbraucher seine Kaufentscheidung relativ autonom trifft und von Marketing und Werbung beeinflusst wird. Sich in dieses Thema einzuarbeiten ist für einen Anfänger eine komplizierte Angelegenheit.

 

Was unterscheidet Aktien aus dem Gesundheitsbereich von Aktien des allgemeinen Markts?

Wenn Sie es Top-down sehen, ist im Gesundheitmarkt viel weniger Zyklik vorhanden als in vielen anderen Märkten. Die Nachfrage ist unelastisch – sie ist immer da. Krank werden wir alle und wir alle investieren mehr oder weniger umfassend in die Gesundheitsprohylaxe. Bei letzterer beobachten wir ein deutliches Marktwachstum. Ergänzend kann man sagen, dass jeder Mensch auf der Welt ein potenzieller Kunde ist und das gilt bestimmt nicht für viele Sektoren. Ein weiteres wesentliches Merkmal, das den Gesundheitsmarkt von anderen Bereichen unterscheidet, ist es, dass die Versicherer in den meisten Fällen für die Kosten aufkommen. In der Breite wird dies auch so bleiben, auch wenn wir sehen, dass Patienten bestimmte Leistungen zunehmend aus der eigenen Tasche zahlen müssen, wie etwa bei Implantaten, Zahn-Ersatzleistungen oder Hörgeräten. Dies hat zur Folge, dass einige Leistungen in schlechten Zeiten nicht mehr so stark nachgefragt werden wie früher und verleiht dem ganzen Bereich etwas mehr Zyklik .

 

Welche Tipps würden Sie Skeptikern bezüglich Fonds und Anlagen geben?

Fonds haben natürlich den Vorteil, dass man sich um diese nicht selbst kümmern muss und das Management Experten überlässt. Es ist wie bei allem anderen auch, etwa bei der Hauselektrik, die ich einem professionellen Elektroinstallateur überlassen kann, den ich dafür bezahle. Bei einer Kapitalanlage kann es selbstverständlich auch mal passieren, dass sie weniger Ertrag erwirtschaftet als erhofft. Schwächelt die Konjunktur morgen im Allgemeinen, verliert natürlich auch der Fonds an Wert. Verständlicherweise reagieren viele Anleger dann oftmals sehr sensibel. Es sind immer mal Jahre dabei, in denen man auch Geld verliert. Der Zeithorizont der Kapitalanlage sollte daher auf gar keinen Fall zu kurz sein. Unseren ältesten Fonds, den apo Medical Opportunities, haben wir seit 2005 und dieser hat rückblickend eine Rendite von über 9% p.a. erwirtschaftet. Ein Fonds ist eine sehr gute Geldanlage, weil Investoren sich bei dieser um nichts kümmern müssen und die Arbeit abgenommen bekommen. Genau wie das der Elektroinstallateur für Sie zu Hause macht.

 

Gibt es eine Investitionsentscheidung, auf die Sie besonders stolz sind?

Das Investment, welches uns im Augenblick am meisten freut, ist Teladoc. Das ist ein amerikanischer Telemedizin-Anbieter, den wir seit dem IPO 2015 begleitet haben und in den wir investiert sind. Für ihn haben wir auch schon operative Kontakte nach Deutschland hergestellt, als es um die Frage ging, ob das Unternehmen gegebenenfalls auch in Deutschland expandieren kann. Das sind Sachen, bei denen man besonders nah dran ist und die viel Spaß machen – insbesondere auch, weil sich die direkte Arbeit mit Ärzten im Netzwerk ausgezahlt hat.

 

Wie sehen Sie die aktuell populäre Diskussion um vermeintlich zu teure Medikamentenpreise?

Wir stellen – ob in der Presse oder auch im Wahlkampf – eines immer wieder fest: Überall wird darüber gesprochen, dass die Medikamentenpreise zu hoch sind und sich diese niemand mehr leisten kann. Unsere Kernaussage zu diesem Thema lautet: Die verschreibungspflichtigen Medikamente, die im Kreuzfeuer stehen, machen seit Jahren nur 10 bis 15% der gesamten Gesundheitsausgaben in den entwickelten Ländern aus und das relativ stabil. Das heißt, 85 bis 90% der Ausgaben passieren ganz woanders – im Krankenhausbereich, bei Fehlbehandlungen, in der Verwaltung etc. Daran hakt das Gesundheitssystem in der Breite. Unsere Investmentphilosophie ist es, die beiden Grundsäulen der Gesundheitsversorgung mit unseren Investments zu stärken:

  • Zum einen die Innovation, die hinter der Entwicklung von Medikamenten und medizinischen Geräten steht und den ständigen Fortschritt widerspiegelt.
  • Zum anderen die Effizienzsteigerung, um das System z.B. mittels Digitalisierung schlanker zu gestalten und die Kosten zu reduzieren.

Mit dem apo Medical Opportunities erwirbt der Anleger einen Fonds, in dem Innovation und Effizienzsteigerung in einem Produkt zusammengefasst sind.

 

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