Wissen

Im Portrait: Artur Wunderle von Der Finanz Berater

Im Portrait: Artur Wunderle von Der Finanz Berater

Der Starnberger See ist eines der beliebtesten Ausflugsziele im Münchner Umland. An diesem Montagmorgen Mitte März ist die bevorstehende Tour in den Süden der bayerischen Hauptstadt aller­dings weniger verlockend: Es regnet, es ist kalt, es ist ungemütlich – und zwischendurch wechselt sich der Regen auch noch mit Schneeregen ab. Kein Wetter für einen Tag am See! Doch ausgerechnet heute wollen wir dort Artur Wunderle von Der Finanz Berater treffen; auf dem Programm stehen das Gespräch und das dazugehörige Foto-Shooting für diese Titelgeschichte. Während der Fahrt zum Hauptsitz von Der Finanz Berater in Starnberg meint es das Wetter dann aber doch noch gut mit uns: Die Wolken verziehen sich – und plötzlich scheint sogar ein bisschen Sonne.

Im Portrait: Artur Wunderle von Der Finanz Berater

Wenn man so will, dann erinnert dieser Wetter­umschwung an die Lage der Finanzmärkte in den vergangenen Monaten. Vom vierten Quartal 2018 bis in den März dieses Jahres hinein haben sich auch dort das Wetter und die Stimmung stark gedreht. Für Vermögensverwalter ist es nicht leicht, sich auf diese oft widrigen Bedingungen einzustellen. Augen zu und durch – das ist jedenfalls keine Option für die Portfolios der Kunden. Es gilt, den Kurs zu halten, ein Ziel anzuvisieren und mit ruhiger Hand und kühlem Kopf darauf zuzusteuern. Eine Aufgabe, mit der Wunderle so seine Erfahrung hat. Nicht nur in der Verwaltung von Vermögen, sondern auch auf dem Wasser. Denn Wunderle ist leidenschaftlicher Segler, er besitzt zwei Boote hier am Starnberger See. Seine Fähigkeiten setzt er wiederum nicht nur am Steuer seines Jollenkreuzers ein, sondern auch bei der Vermögensverwaltung: „Überstürztes Handeln und kurzfristige Anpassungen des Kurses nützen nichts. Dafür ist eine gewisse Ruhe und Besonnenheit ebenso wie die passende Weitsicht nötig.“

 

Ein ungewöhnliches Konzept

Noch muss sich Wunderle allerdings gedulden – zumindest mit der ersten Fahrt auf dem Starnberger See im laufenden Jahr. Die Saison beginnt erst im Frühjahr, deswegen liegen die Boote am Bayeri­schen Yacht-Club in Starnberg noch in weiße Hüllen gepackt im Trockendock. Genug zu tun gibt es für Wunderle aber auch ohne Segeltörn am Wochen­ende. Denn zum einen beschäftigen ihn derzeit die wechselnden Strömungen an den Finanzmärkten; und zum anderen der weitere Ausbau seines beste­henden Unternehmens.

 

Wunderle hat sich für ein Unternehmenskonzept entschieden, das aus der breiten Masse hervor­sticht. So besitzt er die 32er-KWG-Lizenz der BaFin zur Finanzportfolioverwaltung und bietet eine klassische Vermögensverwaltung an. Diese hat Wunderle vor fünf Jahren durch eine Zwei-Drittel- Beteiligung an der Dr. Boss Finanz Management erhalten. Aber Wunderle hat auch eine klassische Vermögensbetreuung mit 34f-Lizenz. „Wir haben das gemacht, was viele andere gescheut haben: Viele Vermögensverwalter wollen keine Beratung anbieten und viele Berater haben Angst vor der Regulierung der Vermögensverwalter“, erklärt Wunderle dieses ungewöhnliche Gerüst. Spätes­tens, wenn es eine einheitliche BaFin-Aufsicht für Berater und Verwalter geben wird, werden diese Bereiche immer stärker zusammenwachsen. „Wir können beides und haben für jeden Kunden eine Lösung. Wir müssen keinen Kunden wegschicken. Und vielleicht entwickelt sich ein kleiner Sparplan mal zu einem großen Sparplan oder Investment.“

 

Aber lohnt sich neben der 32er-Lizenz überhaupt noch ein Unternehmen mit 34f-Lizenz? Oder treibt das nur die Kosten unnötig in die Höhe? „Keiner kann sagen, wo wir in zehn Jahren stehen. Aber Finanzberatung ist immer ein Vertrauensgeschäft unter Menschen. Das war vor 40 Jahren nicht an­ders als heute und das wird in 20 Jahren auch noch so sein. Der Bezug zur Person bleibt zentral. Mit der Konstellation, die wir aktuell haben, werden wir auch in Zukunft überlebensfähig sein.“ Dabei kann Wunderle jeden Vermögensverwalter verstehen, der die Beratung in seinem Unternehmen nicht mehr anbietet. Aufwand und Ertrag stünden oft nicht in einem attraktiven Verhältnis.

 

„Innerhalb der Vermögensverwaltung bieten wir keine Anlagebe­ratung an. Das macht keinen Sinn, dafür haben wir den zweiten Bereich des Unternehmens. Kleinkun­den in die Vermögensverwaltung zu legen, macht keinen Sinn. Dafür ist der Aufwand zu groß und die Kosten werden nicht gedeckt.“ Aber auch kleinere Kunden hätten ein Recht auf Beratung. Die stei­gende Regulierung und vor allem die Bestrebung, die 34f-ler unter die Aufsicht der BaFin zu stellen, würden das Angebot an Beratung in Deutschland jedoch verkleinern. „Wenn die Beratung unter die BaFin-Aufsicht gestellt wird, werden viele kleinere Berater aufgeben und ihre Lizenz abgeben. Wir haben damit kein Problem, weil wir die Anforde­rungen der BaFin bereits kennen“, sagt Wunderle. Außerdem würden kleinere Kunden bei Sparkassen oder Volksbanken keine Beratung mehr erhalten.

 

Übernahme von Beständen

Das wird den Markt der Vermögensberatung nachhaltig verändern; und davon möchte Wunderle mit seinem Unternehmen profitieren – vor allem durch die Integration bestehender Bestände in sein eigenes Unternehmen, das derzeit Kundengelder in Höhe von rund 400 Millionen Euro betreut bezie­hungsweise verwaltet. „Alle Vermögensverwalter wollen Bestände kaufen und wachsen. Wirklich bereit, diesen ganzen Prozess des Verhandelns, Kaufens, der Übernahme der Kunden und die juris­tische Verschmelzung auch umzusetzen, sind aber wenige – und noch weniger machen das dann auch. Viele Vermögensverwalter unterschätzen diesen Prozess massiv“, erklärt Wunderle. Das Problem liege im Detail.

 

Die kleinen handelsrechtlichen und steuerrechtlichen Dinge seien bei Übernahmen und Fusionen problematisch. Der Kaufvertrag sei hingegen schnell unterschrieben und abgeschlos­sen. „Aber dann geht die Arbeit erst richtig los! Man legt nicht einfach einen Schalter um und hat dann alle Bestände und Kunden übernommen.“ Generell ist Wunderle kein Freund des Ausdrucks „Übernahme“. Er bezeichnet diesen Vorgang lieber als „Bündelung der Kräfte“. Eine Bündelung, die für das Wachstum der gesamten Branche von zentraler Bedeutung sein wird. „Wachstumschancen in der Vermögensverwaltung sehe ich nicht zwin­gend durch den Wechsel von Großbanken- oder Privatbanken-Kunden.

 

Die Meisten in Deutschland sind noch immer zu treu oder zu faul für einen möglichen Wechsel. Natürlich wird es ein sukzessi­ves Wachstum in der Branche geben. Die größten Wachstumstreiber sind Fusionen oder Übernahmen innerhalb der Branche.“ Die Bündeldung dieser Kräfte führe gleichzeitig zu einer Professionalisie­rung der Branche und unterstütze das gesamte Wachstum. Die eigene Übernahme von Vermö­gensverwaltern strebt Wunderle allerdings nicht an. „Viele Vermögensverwalter sind immer noch auf einem hohen Ross und verlangen teilweise sehr hohe Preise bei einer möglichen Übernah­me.“ Er fokussiert mit seinem Unternehmen den klassischen 34f-ler. Dort seien viele Konkurrenten bei Übernahmen zurückhaltend. „Teilweise wegen möglicher Altlasten der Berater. Aber gerade, wenn die 34f-ler unter die BaFin-Aufsicht gestellt werden, werden sich dort viele Übernahme-Möglichkeiten ergeben“, blickt Wunderle in die Zukunft.

 

Eine Zukunft, in die Wunderle trotz möglicher Gewitter an den Aktienmärkten oder durch stren­gere Regulierung positiv blickt. Schließlich ist sein Boot im metaphorischen wie im buchstäblichen Sinne in einem optimalen Zustand – gerüstet für Wind und Wetter. Das ist auch sein Verdienst, denn eines seiner Boote, das so alt ist wie er selbst, hat er teilweise eigenhändig restauriert. Es ist wie mit dem Regenwetter an diesem Montag im März: Man kann es sich nicht immer aussuchen – man kann nur versuchen, sich auf alle Eventualitäten entspre­chend vorzubereiten.

von Tim Habicht 09. Mai 2019

Der Artikel erschien ursprünglich in der 49. Ausgabe des Magazins von Citywire Deutschland.

Unsere Blogartikel im Fokus

Vermissen Sie etwas?

 Nehmen Sie doch mit uns Kontakt auf. Wir freuen uns über Ihr Feedback!

Bitte wählen Sie aus, zu welcher Benutzergruppe Sie gehören.

×

Bitte wählen Sie aus, zu welcher Benutzergruppe Sie gehören.

×
×

Einwilligung in die Datennutzung.

Ich willige ein, dass meine persönlichen Daten, insbesondere Name, Vorname, E-Mailadresse durch die IPConcept (Luxemburg) S.A. zum Zwecke des Newsletterversands verarbeitet werden dürfen.

Rechte des Betroffenen: Auskunft, Berichtigung, Löschung und Sperrung, Widerspruchsrecht

Sie sind gemäß Artikel 15 DSGVO jederzeit berechtigt, gegenüber der IPConcept (Luxemburg) S.A. um umfangreiche Auskunftserteilung zu den zu Ihrer Person gespeicherten Daten zu ersuchen.

Gemäß Artikel 17 DSGVO können Sie jederzeit gegenüber der IPConcept (Luxemburg) S.A. die Berichtigung, Löschung und Sperrung einzelner personenbezogener Daten verlangen.

Sie können darüber hinaus jederzeit ohne Angabe von Gründen von Ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch machen und die erteilte Einwilligungserklärung mit Wirkung für die Zukunft abändern oder gänzlich widerrufen. Sie können den Widerruf entweder postalisch, per E-Mail oder per Fax an die IPConcept (Luxemburg) S.A. übermitteln. Es entstehen Ihnen dabei keine anderen Kosten als die Portokosten bzw. die Übermittlungskosten nach den bestehenden Basistarifen.

Weitere Informationen zum Umgang der IPConcept (Luxemburg) S.A. mit den Bestimmungen der DSGVO finden Sie hier.

×