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Gold - längst kein Relikt mehr aus der Antike

Gold - längst kein Relikt mehr aus der Antike

Beim Thema Gold tun sich die deutschen Anleger schwer. In puncto Geldanlage sind viele der geläufigen Vorstellungen  aber falsch. Veränderte geopolitische Verhältnisse erfordern eine genauere Betrachtung.

Zunächst einmal vorweg: Ich bin mit meinen 62 Jahren von Geburt her, aber auch aus Erfahrung ein Optimist. Ich halte es mit dem alten Spruch: „Die schönsten Häuser auf der Park Avenue in New York sind alle von Optimisten gebaut“. Für mich steht fest: Die Schaffenskraft der Menschheit wird nie versiegen. So belegt die Menschheitsgeschichte,  dass selbst nach den allerschlimmsten Katastrophen der Mensch sich immer wieder nach oben arbeitet.

Als Value-Investor investiere ich deshalb mit Bedacht und ohne Angst seit Jahrzehnten in gute Aktienunternehmen, so auch in unserem ME Fonds – Special Values Fonds. Damit bin ich gut gefahren. Mit meiner langfristigen Sichtweise ist das ja auch nicht verwunderlich. Denn als Aktionär von erstklassigen Unternehmen  profitierten die Anleger auf bequeme Art und Weise von der Dynamik und  Kreativität einer immer grösser werdenden Weltwirtschaft. Im Zeitalter der modernen Telekommunikation ist der wissenschaftliche Fortschritt von keiner Regierung mehr dauerhaft aufzuhalten. Das Tempo neuer Entwicklungen ist so rasant wie noch nie. Für den Kapitalanleger sind das eigentlich herrliche Zeiten.

Goldbarren - Stabilitas

Aber dennoch beschäftige ich mich auch mit dem Thema Gold. Und zwar schon immer. Viele Kollegen halten das für paradox. Das ist aber eine falsche Sichtweise. Denn Aktien und Gold stehen auf zwei verschiedenen „Planeten“. Gold ist für mich keine Alternative zur Aktie. Vielmehr konkurriert das Gold mit den Papiergeldanlagen, den reinen Geldwerten wie Anleihen, Kontoguthaben und Sparbüchern. Und nicht mit den Aktien.

Die Chancen für langfristig erfolgreiche Kapitalanlagen in Aktien stehen gut. Doch nicht allen Sparern und Geldanlegern ist es anzuraten, sich mit der Bewertung von Unternehmen und den Mechanismen der Börse auseinander zu setzen. Der Umgang mit dem Faktor „Risiko“ will gelernt sein. Nicht alle Besitzer von Kapital haben das erforderliche Wissen, zwischen guten und schlechten Fonds zu unterscheiden. Und Vielen fehlt auch das Gespür, die Erfahrung oder die Zeit kompetente Bank- oder Anlageberater zu identifizieren.

Dies ist der Grund, warum in Deutschland der Aktienbesitz so wenig verbreitet ist. Nur etwa sieben Prozent unserer Landsleute besitzen Aktien, einschließlich der Aktienfonds sind es etwa 14 Prozent.  Stattdessen stapelt sich das private Volksvermögen der Deutschen in Schwindel erregenden Größenordnungen auf den Bankkonten.  Da braut sich eine Tragödie zusammen.

Umso erstaunlicher ist es, dass sich kaum jemand ernsthaft die Frage stellt, in welcher Form das Kapital - zinslos - eigentlich besser aufgehoben ist: in Papiergeld oder in Gold? Vielleicht liegt es daran, dass die Gespräche schnell eine emotionale Wende nehmen, sobald „Gold“ als Kapitalanlage zur Sprache kommt. Die eine Fraktion hält Gold für ein überkommenes Relikt aus der Antike. Als es noch Zinsen auf Guthaben gab, war das Argument gegen Gold stets, dass es ja „keinen Ertrag“ bringt. Die Bereitschaft,  sich professionell mit dem Goldthematik zu beschäftigen, geht gegen Null.

Auf der anderen Seite: Wer von Gold als langfristiger Kapitalanlage überzeugt ist, traut sich kaum, dies öffentlich zuzugeben. Wer den Großteil seiner Ersparnisse in Gold angelegt hat, läuft Gefahr, als  „Sonderling“, als Außenseiter oder unverbesserlicher Pessimist da zu stehen.  Wenn ich mich mit Kapital beschäftige, dann ist für Emotionen kein Platz. Mir geht es um Fakten. Und da stelle ich bei vielen Anlegern doch erhebliche Defizite im Wissen um die Kapitalanlage „Gold“ fest.

Wie sieht denn eigentlich die Erfolgsbilanz von Gold für die Langfrist-Anleger aus? Schauen wir uns die historische Entwicklung an.

Anfang der 1970er Jahre kostete eine Unze Feingold um die 80 US-Dollar. Zwischen 1975 und 1978 lag der Preis im Durchschnitt etwa bei 150 US Dollar. In den Jahren von 1998 bis 2002 notierte das Gold dann bei 250 bis 300 US Dollar. Als ich im Jahr 2003 in unserem Value Fonds „ME Fonds - Special Values“ auf die Unterbewertung von Gold zum Preis von 400 US Dollar pro Unze hinwies, wurde ich kritisch beäugt. Heute ist die Unze Gold für etwa 1.200 US Dollar zu haben.

Es war also gar nicht so schwer, sein Kapital zu vervielfachen - auch ohne Finanzberater, auch eines Hochschulabschlusses hat es nicht bedurft: Gold war die Antwort. Denn jeder weiß, Gold hatte in der Menschheitsgeschichte immer einen Wert. Das fundamentale Risiko war begrenzt.

Nur wenige Kapitalanleger erlauben sich, mit Distanz auf den langfristigen Trend zu schauen. Die Erfolgsdaten beim Gold sprechen für sich, wenn man bereit ist, unvoreingenommen die Preisentwicklung zu lesen. Stattdessen halten sich die Leser am kurzfristigen „auf und ab“ im Getöse der Finanznachrichten fest. Als Ergebnis ist ihr Blick vernebelt. Sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Warum tun sich die Deutschen so schwer mit dem Gold?

Worin liegt die Besonderheit und der Vorzug von Gold als langfristige Kapitalanlage? Anders als Sparguthaben, Anleihen und börsennotierte Aktien ist Gold nicht von der gesellschaftlichen Systemordnung abhängig. Kapitalanlagen in Papiergeld und börsenregulierten Mechanismen basieren auf dem Vertrauen in die staatliche Finanzordnung.

Gold hingegen ist eine der wenigen Anlagemöglichkeiten, mit denen der Kapitalbesitzer sich bewusst in die eigene Verantwortung stellt und sich nicht länger auf staatliche Versprechen verlässt.

Ich habe mir dazu meinen eigenen Reim gemacht. Ich bin überzeugt, dass hier „der Hase bei den Deutschen begraben liegt“. Dazu müssen wir in die Tiefenpsychologie des nationalen Charakters einsteigen. Der Gedanke, die staatliche Ordnung, das Finanzsystem könnte fundamental nicht mehr verlässlich sein, gefällt den Deutschen nicht. Im tiefsten Inneren greifen bei diesem Gedanken große Ängste und Panik um sich.

Das Trauma ist verständlich. Anders als die Schweizer, Briten oder die Amerikaner hat die deutsche Nation während der letzten 100 Jahre gleich zweimal in Währungsreformen ihre gesamten  Ersparnisse verloren. Sämtliches Papiergeld, gezeichnete Kriegsanleihen, alles wurde entwertet. Und zwar von den Regierenden,  denen man vertraut hatte.

Von daher spräche alles dafür, dass gerade die deutschen Sparer aus den Erfahrungen bei den Währungsreformen gelernt haben. Anstatt besonders skeptisch dem Papiergeldsystem zu begegnen, ist die Reaktion jedoch genau umgekehrt. Ich habe ja oben auf die Sparbuch-Lawine hingewiesen.

Die traumatischen Erlebnisse eines vollständigem nationalen Zusammenbruch haben eine tiefenpsychologische Verdrängung des Gedankens bewirkt: „so etwas darf nie mehr sein“. Eine massive Umschichtung des Kapitals ins Gold würde als Misstrauensvotum gewertet. Der Gedanke des kollektiven Halts der Gesellschaft liegt den Deutschen näher als der Weg in individuelle, private Lösungen bei der Frage der Kapitalanlage. Von daher die Reserviertheit gegenüber der Anlageklasse „Gold“.

In einer Zeit unüberschaubarer geopolitischen Verwicklungen, unkalkulierbarer nationaler Führungspersönlichkeiten, einer Tendenz zu  Krisenherden mit massiven Ausgaben für die Kriegswirtschaft und andauernden Regierungsschulden stehen die Zeiten für das Papiergeld schlecht.

Vielleicht ist es an der Zeit umzudenken?  Warten Sie nicht darauf, dass das Bankensystem Sie zum „Goldtresor“ führt. Das wird nicht passieren. Für den langfristigen Erhalt Ihres Kapitals sind nur Sie verantwortlich. Die Zeiten eines behüteten Finanz- und Wirtschaftssystems könnten heute schon vorbei sein. Patentlösungen gibt es da nicht. Jede Familie sollte ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen.

Abschließend zur Veranschaulichung eine kleine Geschichte: Unterstellen wir einer meiner Vorfahren hätte im Elsass vor der französischen Revolution im Jahr 1789 zehn Kilo Gold in seinem Waldgrundstück vergraben. Gold ist sehr schwer, das Volumen ist klein. Zehn Kilo sind gerade mal so groß wie ein halber Schuhkarton.  Wenn ich heute beim Umgraben des Bodens auf die zehn Kilo Gold stoße, dann bekomme ich 350.000 Euro ausgezahlt. Das verstehe ich unter langfristigem Kapitalerhalt. Deshalb bleibt Gold für mich ein Thema und ist kein Relikt aus dem Geschichtsbuch.

 

 

Der Autor Dr. Markus Elsässer ist seit 1998 selbstständiger Investor und Fondsberater sowie Gründer der ME-Fonds, die er seit mehr als 16 Jahren betreut.

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