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ETHENEA GanzKonkret: Sie fragen, wir antworten

ETHENEA GanzKonkret: Sie fragen, wir antworten

In der neuesten Ausgabe von GanzKonkret erörtern die Portfoliomanager von ETHENEA die Auswirkungen des Coronavirus und der diesjährigen US-Präsidentschaftswahl auf die Märkte und wie sie die Portfolios vor diesem Hintergrund ausrichten. Anschließend geben sie einen Ausblick auf die erwartete Entwicklung der Zinssätze in diesem Jahr und gehen auf die Frage ein, ob 2020 eher ein Jahr für Wachstums- oder für Substanztitel sein wird. Abschließend erklären sie ihre Strategie für die Aktienquote im Ethna-AKTIV in 2020.

 

Kurse

Welche Auswirkungen wird das Coronavirus Ihrer Meinung nach auf die globalen Finanzmärkte haben? Welche Maßnahmen haben und werden Sie ergreifen, um die Portfolios der Ethna Fonds für verschiedene Szenarien vorzubereiten?

 

Michael Blümke: Auch wenn das Virus und die dadurch verursachten Krankheits- und Todesfälle in aller erster Linie menschliche Tragödien darstellen, kommen wir nicht umhin, den Einfluss auf die globale Wirtschaft und damit auch auf die Kapitalmärkte abzuschätzen. Entgegen der medialen Panikmache ist jedoch festzuhalten, dass das aktuelle Ausmaß immer noch weit entfernt ist von den Folgen einer Grippewelle, wie wir sie Jahr für Jahr erleben. Dass soll nicht heißen, dass der Effekt vernachlässigbar ist. Insbesondere nicht, da die getroffenen Vorsichtsmaßnahmen sich sehr wohl auf die globalen Lieferketten und natürlich auch auf die Nachfrage auswirken. Jedoch sind dies alles temporäre Effekte, die nach Eindämmung des Virus wieder zu ihrem Ausgangsniveau zurückkehren sollten. Zwar wird die entgangene Nachfrage nicht zwangsläufig aufgeholt, aber die entsprechenden Einbußen werden letztendlich lediglich einen Einmaleffekt darstellen. Deshalb sind wir überzeugt, dass sich der ökonomische Einfluss in Grenzen halten wird und kein längerfristiger Schaden entsteht.

Nach einer kurzen Phase der Verunsicherung, wie wir sie Ende Januar erlebt haben, gehen die weltweiten Kapitalmärkte offensichtlich von einem vergleichbaren Szenario aus. Dennoch bereiten wir uns auf ein alternatives und gegebenenfalls schlimmeres Szenario auf. Die Tatsache, dass unser direktes Exposure im am stärksten betroffenen asiatischen Raum minimal ist, macht diese Aufgabe natürlich einfacher. Da im Eskalationsfall die Auswirkungen auch jenseits chinesischer Titel zu spüren sein werden, ist die in unseren Portfolios inhärente Diversifikation ein wichtiger erster Schutzmechanismus. Im Falle einer Situationsverschlechterung würden wir als Folgeschritt sukzessive die betroffenen Risikoassets - allen voran Aktien - reduzieren. Bis dahin entziehen wir uns aber der Panikmache und vertrauen auf unsere Flexibilität und unseren aktiven Managementansatz.

 

Welche Auswirkungen werden die diesjährigen US-Präsidentschaftswahlen ihrer Meinung nach auf die Märkte haben? Wie würden Sie Ihre Portfolios für die folgenden Szenarien vorbereiten - die Wiederwahl von Trump oder einen Regierungswechsel?

Harald Berres: Es wird sicherlich eine spannende und polarisierende Wahl werden. Aus Sicht der Kapitalmärkte war die Ära Trump bisher recht erfolgreich. Alle US-amerikanischen Indizes verzeichnen ein Rekordniveau, es herrscht Vollbeschäftigung und die Konjunktur brummt. Die Märkte gehen derzeit von einer Wiederwahl des aktuellen Präsidenten aus. Ähnlich wie in 2016 könnten davon eher zyklische Branchen wie Banken und das Baugewerbe profitieren. Trump wird die Rüstungs- und Infrastruktursektoren weiterhin durch bedeutende Investitionen in eine Reihe von Projekten unterstützen. Allerdings könnte ein anhaltend protektionistischer Kurs in der Wirtschaftspolitik, vor allem gegenüber China, dem heimischen Technologiesektor schaden, da dieser überwiegend in China produziert. In der Hoffnung auf weitere Zinssenkungen wird Trump den Druck auf die Fed weiter aufrechterhalten. Für den Fall seiner Wiederwahl gilt es diese Aspekte im Portfolio zu berücksichtigen und den Anteil entsprechend konjunktursensitiver Branchen höher zu gewichten. Im Ethna-AKTIV wäre in diesem Fall die Rückkehr zu einem relativ hohen Aktienengagement angemessen, während der Ethna-DEFENSIV etwa 10 % seiner Fondsmittel in Hochzinsanleihen allokieren würde.

Bis zur Bestätigung auf dem demokratischen Parteikonvent im Juli ist nicht klar, welcher der demokratischen Kandidaten gegen Präsident Trump antreten wird. Zwar treten alle demokratischen Kontrahenten mit linkspolitischen Wahlprogrammen an, jedoch reichen die Inhalte von ganz links, vertreten durch Bernie Sanders, bis zum gemäßigten Pete Buttigieg. Sollte sich einer dieser Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl durchsetzen, dürften die Märkte nervös reagieren. Vor allem die Branchen, die derzeit von Trump profitieren, könnten dann ins Schlingern geraten. Industriewerte und Banken zählen im Falle eines Sieges der Demokraten zu den Verlierern, während defensive Branchen wie der nicht zyklische Konsum profitieren werden. Im Portfolio des Ethna-DYNAMISCH werden wir je nach Wahlausgang die hier beschriebenen Branchen über- oder untergewichten, während das Aktienexposure im Ethna-AKTIV verringert werden würde. Sollte sich die Wahl Bernie Sanders zum US-Präsidenten herauskristallisieren, würde uns dies dazu veranlassen, unsere Spread-Duration im Ethna-DEFENSIV zu reduzieren und unsere Allokation in Unternehmensanleihen mit einem schwächeren Rating oder aus Sektoren, die von Sanders' Vorhaben negativ betroffen sein könnten, wie z.B. Industrieunternehmen und Banken, zu verringern.

 

Im Jahr 2019 sanken die Zinsen deutlich, wovon sowohl der Ethna-AKTIV als auch der Ethna-DEFENSIV profitieren konnten. Was ist Ihre Erwartung zur Entwicklung der Zinssätze im Jahr 2020?

Martin Dreier: Unser zentrales Szenario für 2020 sieht ein weitgehend stabiles Zinsumfeld vor, wobei die Inflationserwartungen sowohl in der Eurozone als auch in den USA fest verankert sind. Die aktuelle Prognose der EZB und der Fed weisen auf stabile Leitzinsen der Zentralbanken hin. Zudem dürfte die Bereitschaft zu einer weiteren quantitativen Lockerung (d.h. eine Ausweitung der Zentralbankbilanzen) die Zinssätze in der Eurozone und den USA zusätzlich stützen. Nicht nur die Fed und die EZB verfolgen eine akkommodierende Geldpolitik; auch weltweit bleiben Zentralbanken unterstützend und befinden sich mitten in einem Zinssenkungszyklus. Aus diesem Grund werden sowohl der Ethna-AKTIV als auch der Ethna-DEFENSIV die Laufzeit ihrer Anleiheportfolien zwischen 5 und 6 Jahren beibehalten, um von diesem günstigen Zinsumfeld zu profitieren.

Dennoch könnte eine positive Wachstumsüberraschung in den USA zu steigenden Inflationserwartungen führen, was das längere Ende der Zinskurve nach oben verschieben würde. In einem solchen Szenario wäre es angebracht, die Portfolioduration deutlich zu reduzieren. Im Ethna-AKTIV und im Ethna-DEFENSIV können wir die Duration aktiv steuern, um die Portfolios/ oder Portfolien? nicht nur vor dieser Art von Renditeschock abzuschirmen, sondern in einem solchen Szenario sogar davon zu profitieren.

 

Was ist Ihre Meinung zur Bewertung von Wachstumstiteln? Glauben Sie, dass 2020 ein Jahr für Wachstums- oder für Substanztitel sein wird? Wie werden Sie das Portfolio des Ethna-DYNAMISCH entsprechend positionieren?

Christian Schmitt: Die relative Entwicklung dieser beiden wichtigsten Anlagestile bei Aktieninvestments folgt seit nunmehr über zehn Jahren einem global einheitlichen Trend, bei dem Growth-Aktien ihre Value-Pendants um Längen schlagen. Dieser Trend prägte auch die ersten Wochen in 2020. Als Folge der anhaltend divergenten Entwicklung haben sich die Vertreter der beiden Investorenlager derart entzweit, dass die Diskussion über die tieferliegenden Gründe dieser Entwicklung leider zunehmend an Objektivität verliert. Selbstredend gibt es für beide Seiten gute Argumente. Aber auch Risiken.

Die Value-Anleger berufen sich auf die mitunter extrem niedrigen Bewertungen. Ein Paradebeispiel stellen die deutschen Automobilbauer dar, die mit KGVs im einstelligen Bereich bereits seit Jahren das untere Ende der Aktienbewertungen bilden. Das Bewertungsargument gewinnt dabei kontinuierlich an Gewicht, da die Bewertungen der Gesamtmärkte im Kontext niedriger Zinsen sukzessive nach oben geklettert sind. Growth-Anleger verweisen dagegen gerne auf die disruptiven Geschäftsmodelle der heutigen Wachstumsstars, die oftmals – wie beispielsweise der US-Elektroautopionier Tesla – unmittelbare Wettbewerber der günstig bewerteten Unternehmen sind. Allerdings rückt dort die aktuelle Bewertung der in Zukunft erwarteten Umsätze und Gewinne immer stärker in den Hintergrund. Das Problem ist, dass beide Lager Recht haben – allerdings macht dies weder die angeblich günstigen noch die vermeintlich wachstumsstarken Aktien automatisch zu guten Investments.

Solange die Extreme an den Bewertungsrändern mit erhöhten Risiken versehen sind, sollte für umsichtige Anleger der Weg durch die Mitte führen. Mitte ist dabei nicht mit Mittelmaß zu verwechseln, sondern steht für qualitativ hochwertige Unternehmen mit strukturellen Wachstumstreibern und soliden Bilanzen, bei gleichzeitig fairer Bewertung. Auf genau jene Unternehmen haben wir den Fokus beim Ethna-DYNAMISCH gelegt.

 

In den letzten Monaten haben Sie die Aktienquote des Ethna-AKTIV sukzessive auf ein überdurchschnittliches Niveau erhöht. Was ist Ihr Ansatz im Jahr 2020?

Michael Blümke: Nach einem sehr guten Aktienjahr 2019 sind die Hoffnungen für 2020 vielerorts gedämpft. Wir schließen uns dieser Skepsis nur bedingt an. Wir denken, dass es wichtig ist die Aktienbewertungen nicht nur absolut, sondern auch relativ zu den verfügbaren Alternativen zu betrachten. Das aktuelle Niedrigzinsniveau hat die offensichtlichste Alternative, die Unternehmensanleihe, derart verteuert, dass selbst die aktuellen Aktienbewertungen weiteres Kurspotential ermöglichen. Zudem ist festzuhalten, dass viele der Bremsklötze der vergangenen zwei Jahre beseitigt oder nicht mehr im Fokus sind. Zu erwähnen in diesem Zusammenhang sind der Handelsstreit zwischen den USA und China und das leidige Brexit-Thema. Berücksichtigt man bei dieser Betrachtung, dass alle großen Zentralbanken aktuell durch ihre Bilanzausweitungen zusätzlich unterstützen und dass wir ein Wahljahr in den USA haben, ist aktuell von mehr Rücken- als Gegenwind für Aktien auszugehen. Dementsprechend ist die Aktienquote des Ethna-AKTIV derzeit relativ hoch, wird jedoch weiterhin flexibel gesteuert. Das heißt, gerade in den letzten Monaten vor der Wahl gehen wir eher von einer Seitwärtsbewegung der Börsen aus, in der es gegebenenfalls auch opportun ist, wieder weniger Aktien zu haben. Wenn dann absehbar ist, wer der neue Amtsinhaber in Amerika sein wird, kann über das Exposure wieder neu entschieden werden.

Stand: 19.02.2020

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