Fiduka Börsenmonitor Juni 2019

FIDUKA Börsenmonitor Juni 2019

  • Kräftige Erholung der Börsen im Juni nach den Kursverlusten im Mai. Donald Trumps Drohung mit Strafzöllen auf mexikanische Importe hatte sofort wieder Unsicherheit an die Märkte zurückgebracht. Die neuerliche Zinssenkungsphantasie Amerika schiebt die Aktien im Juni trotzdem nach oben. Der Mai war der erste Minusmonat des Jahres, aus markttechnischer Sicht nicht mehr als ein normaler Rücksetzer.
  • Die Handelsgespräche zwischen den USA und China stecken weiter in der Sackgasse. Das dürfte die Börsen auf dem Weg nach oben jetzt bremsen. Neue Höchststände sind ohne eine Einigung nicht wahrscheinlich.
  • Neben der Notenbankpolitik liefern auch die Unternehmensgewinne leicht positive Impulse. Von der Konjunktur dagegen kommt keine Unterstützung, die dümpelt weltweit vor sich hin. In den USA wechseln sich gute mit schwächeren Daten ab, in Europa befindet sich die Industrie im Abschwung, nur Bau und Dienstleistungen expandieren.

Geldpolitik schlägt Handelspolitik: Deutlich nachgebende Inflationsraten, weltweit nach unten abgesenkte Wachstumsprognosen, allen voran für Europa und China, und auch ein ar schwächere US-Wirtschaftsdaten (Arbeitsmarkt im Mai) haben in Amerika eine heftige Zinssenkungsphantasie entfacht. Taubenhafte Kommentare einiger US-Notenbankmitglieder inklusive des Präsidenten Powell taten ein Übriges, so dass die Marktteilnehmer nun mehrheitlich eine Zinssenkung spätestens im September, möglicherweise aber schon Ende Juli erwarten.

Und auch die Europäische Zentralbank (EZB) lässt die geldpolitischen Zügel etwas lockerer. Sie wird den Banken ab September wieder mehrjährig unverzinstes Geld in größerem Umfang zur Verfügung stellen. Eine Leitzinsanhebung vom heutigen Nullniveau aus wurde auf frühestens zweites Halbjahr 2020 nach hinten verwiesen.

Die Aussicht auf billigeres Geld beflügelt die Aktienbörsen entscheidend und überlagert sogar vorerst die Handelskonflikte und Strafzolldrohungen von Donald Trump. Stand der Dow Jones Index kurz vor der überraschenden Ankündigung auf alle mexikanischen Importwaren 5%, und ab Oktober sogar 25%, Sonderzölle zu erheben bei 25.170 Punkten, so steht er heute, nachdem die Zölle vorerst wieder fallengelassen wurden, etwa 940 Punkte höher. Da die Verhandlungen mit China weiter in der Sackgasse stecken, kann der Kursaufschwung allein der Erwartung einer geldpolitischen Lockerung zugeschrieben werden. Geldpolitik übertrumpft an der Börse in diesem Fall Handelspolitik.

Unmittelbar nach den von Trump angedrohten Zöllen für Mexiko, dem neben China und Kanada wichtigsten Handelspartner der USA, war der Dow Jones zunächst in zwei Börsentagen bis auf ein Tief von 24.680 Punkten bzw. um 2% durchgesackt, konnte sich dann aufgrund der Zinsentwicklung sehr schnell wieder erholen und steht aktuell knapp 6% über diesem Tiefpunkt und nur etwa 3% von seinem Allzeithoch entfernt.

Andere Indizes machen es dem Dow Jones nach. Der europäische Stoxx600-Index gewinnt seit Monatsanfang 2,6%, der DAX 3,2% und der Schweizer Leitindex SMI erreichte sogar mehrfach neue Rekordstände. Auch der MSCI Schwellenländerindex verzeichnet 3,0% Zugewinn.

Jahresanfangsgewinne können gehalten werden: Dank der Juni-Erholung können sich Aktieninvestoren weiter über eine starke Rendite im bisherigen Jahresverlauf freuen. Der Mai war der einzige Monat mit einem Minus-Vorzeichen. Der umfassende europäische Benchmark-Index Stoxx600 liefert bisher einen Total Return von 15,2% und damit sogar noch etwas mehr als die plus 13,8% des entsprechenden amerikanischen Pendants S&P500-Index.

Die besten Branchen in Europa seit Jahresbeginn sind die zwar hoch bewerteten, aber mit Defensivqualitäten ausgestatteten Nahrungsmittelaktien (Nestle, Unilever, Diageo, Anheuser-Busch) mit einem Plus von 24,6%, vor den Bau- und Baustoffwerten (Lafarge Holcim, St.Gobain) mit 21,8%, Haushalts- und Konsumgütern (LVMH) und den Technologiewerten (SAP, ASML), alle mit gut 20% Zugewinn. Es folgen die Chemietitel (+19,6%), Industriegüterproduzenten wie Schneider und Airbus (+19,5%) und die Versicherungsbranche mit stattlichen 18,9% Plus.

Am unteren Ende der Skala tauchen die Telekom-Aktien (+1,8%), die Touristikbranche (+5,3%) und, einmal mehr, Bankaktien (+3,3%) mit unterproportionalen Resultaten auf. Alle Wertveränderungen verstehen sich inklusive Dividendeneinnahmen, und so gesehen lieferten selbst die Nachzügler im Vergleich mit festverzinslichen Papieren noch auskömmliche Renditen ab. Aber Aktien haben aus dem verlustreichen Vorjahr ja auch Einiges gutzumachen. Zumindest mit Titeln aus dem oberen Spektrum gelang das vollständig.

Staatsanleihen-Renditen im freien Fall: Die eingetrübten Konjunkturperspektiven und stärker als erwartet rückläufige Inflationsraten haben auf breiter Front zu nachgebenden Zinsen geführt. In Deutschland sind die Renditen für neu begebene zehnjährige Bundesanleihen auf ein historisches Tief von minus 0,24% gefallen. Käufer der Papiere sind offenbar bereit, dem deutschen Finanzminister zehn Jahre lang 0,24% jährlich zu schenken, damit der ihr Geld sicher bewahrt während er es für öffentliche Zwecke einsetzt. Nach Inflation – die liegt derzeit bei 1,3% in der Eurozone - würden diese Investoren jedes Jahr einen realen Wertverlust von etwa 1,5% in Kauf nehmen, wenn sie die Papiere bis zur Fälligkeit halten. Von 10.000 EUR Anlagekapital wären bei realer Betrachtung dann nur noch 8.600 EUR übrig. Für Banken ist eine Anlage in Bundesanleihen aber immer noch attraktiver als ihr Geld für minus 0,4% bei der EZB zu halten.

Mit Ausnahme Italiens, dessen Regierung wegen permanenter Budgetüberschreitungen und Reißen vereinbarter Defizitgrenzen mal wieder mit der EU im Clinch liegt, sind auch in den anderen Ländern der Eurozone die längerfristigen Zinsen rapide gefallen. Zehnjährige französische Regierungsanleihen liefern heute nur noch 0,1% Rendite (im Oktober noch 0,9%), spanische 0,5% (von 1,7%) und selbst griechische Anleihen rentieren nur noch mit 2,7%, einem Tiefststand, den sie selbst vor der Finanzkrise nicht hatten. Zum Höhepunkt der griechischen Staatsschuldenkrise im Frühjahr 2012 lagen die zehnjährigen Zinsen dort in der Spitze bei 37% und anschließend für lange Zeit über 20%. Heute haben sie sich dem italienischen Zins von 2,3% eng angenähert.

In den USA, dem Ausgangspunkt der Leitzinsspekulation, betrug der Zinsrutsch im zehnjährigen Bereich mehr als einen vollen Prozentpunkt. Im November noch bei 3,2%, rentieren zehnjährige Treasuries aktuell nur noch mit 2,06%. Entsprechend ist die Zinsstrukturkurve weiter bis zu einem inversen Verlauf hin verflacht, denn die kurzfristige Fed Funds Rate, der Leitzins den die US-Notenbank ansteuert, liegt ja bei 2,25%-2,50%. Der Drei-Monats Treasury Bill Zins liegt im Moment leicht darunter bei 2,19%, die Ein-Monats-Rate bei 2,24%.

Stabilisierung der Unternehmensgewinne: Zusammen mit dem monetären Umfeld sind die Erwartungen bezüglich der Unternehmensgewinne derzeit die wesentlichen positiven Determinanten für die Aktienmärkte. Die Abwärtsbewegung bei den Gewinnvorausschätzungen im Zuge der abgeschwächten Konjunkturerwartungen ist zum Stillstand gekommen. Für die USA (S&P500-Index) liegen die Prognosen jetzt bei einem durchschnittlichen Gewinnanstieg von 4% für dieses Jahr und eine Beschleunigung auf plus 12% 2020. Anfang Januar wurde für 2019 noch eine doppelt so starke Ertragsverbesserung erwartet, seit Mitte März liegt die Prognose relativ stabil bei knapp 4%.

Für Europa als Ganzes, also alle Unternehmen inklusive aus Großbritannien, der Schweiz und anderen Nicht-Euro Ländern, liegen die Kalkulationen für 2019 ebenfalls bei plus 4%. Für nächstes Jahr steht die Vorhersage mit plus 9% etwas unterhalb der US-Prognose. Sollte die Euro/US-Dollar Währungsrelation ungefähr auf heutigem Level bleiben, wäre für 2019 und 2020 auch etwas mehr Gewinndynamik für die europäischen Unternehmen drin – vorausgesetzt es werden in den USA keine Zollschranken hochgezogen.

Noch etwas mehr Gewinndynamik wird für die Unternehmen aus den Schwellenländern prognostiziert. Auf Basis des umfassenden MSCI Emerging Markets Index sollen dort die Gewinne im laufenden Jahr um 5,4% im Mittel und im kommenden Jahr sogar um über 14% steigen. Marktbewertungen ließen Spielraum nach oben, wenn…: …ja, wenn die unseligen Handelskonflikte vom Tisch wären. Die haben schon jetzt spürbare Wachstumseinbußen zur Folge, weil allein die Androhungen von Strafzöllen zu Unsicherheit und Investitionszurückhaltung führt. Auch werden die Liefer- und Wertschöpfungsketten, besonders in der Autound Elektronikindustrie, durch die bisher etablierten Zollhürden und den amerikanischen Bannstrahl auf den chinesischen Huawei-Konzern bereits empfindlich gestört. Eine weitere Schwächung des Weltwirtschaftswachstums, das derzeit von den Ökonomen für 2019 bei etwa plus 3,2% und ähnlich auch im kommenden Jahr erwartet wird, hätte auch eine neuerliche Abwärtskorrektur der Gewinnerwartungen zur Konsequenz. Die Börsen wären dann teurer als heute kalkuliert. Die Gewinnmultiplikatoren auf Basis der aktuellen Schätzungen sind zwar nicht außergewöhnlich niedrig, aber im Langfrist-Vergleich und besonders bei Betrachtung der Alternativrenditen im festverzinslichen Bereich lassen sie noch Kurs-Spielraum nach oben. Aktien aus Europa (Stoxx600-Index) haben mit einem Kurs/Gewinnverhältnis von 14,1 für das laufende Jahr und 12,9 für 2020 wie fast immer einen stattlichen Abschlag zu amerikanischen Werten (S&P500), die mit dem 17,4-fachen des Jahresgewinns 2019 bzw. dem 15,6-fachen für 2020 bezahlt werden. Das KGV für die 30 DAX-Titel liegt mit 13,1 resp. 11,8 deutlich unter dem europäischen Durchschnitt, enthält wegen der Exportlastigkeit vieler Konzerne, vorneweg der Autoindustrie, aber auch ein erhöhtes „Handelsrisiko“. Solange US-Präsident Trump nicht mit der EU über die künftigen Handelsbeziehungen überein gekommen sein wird, und hohe Zölle auf Autoausfuhren in die USA drohen, wird dieser Risikoabschlag auch bestehen bleiben.


FIDUKA, 14. Juni 2019

 

 

 

 

 

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