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Erfindungsgeist treibt Gesundheitsmarkt

Erfindungsgeist treibt Gesundheitsmarkt

Auf dem Gesundheitsmarkt lässt sich derzeit eine Revolution beobachten. Neue Techniken sorgen dafür, dass Krankheiten wie Krebs und Diabetes besser behandelbar werden. Und die Telemedizin bringt Effizienz. Kai Brüning, Portfoliomanager bei Apo Asset Management, nennt die großen Gewinner.

Glühbirne

Obgleich die eigene Gesundheit für viele Menschen erst im Alter an Bedeutung gewinnt, steigt die Nachfrage nach Dienstleistungen und Produkten in diesem Bereich stetig. Demografischer Wandel, medizinischer Fortschritt und steigender Wohlstand in aufstrebenden Schwellenländern haben den Gesundheitsmarkt in den vergangenen Jahren überproportional wachsen lassen. Unlängst hat sich Gesundheit zu einem Megatrend gemausert. Ihre Bedeutung offenbart sich in Zeiten, in denen Gesundheit keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Die Corona-Pandemie führt dies nachdrücklich vor Augen.

 

Gesundheit als Baustein im Portfolio

Kein Wunder also, dass Gesundheitsinvestments als Baustein Einzug in das Anlegerportfolio gefunden haben. Die Investitionsmöglichkeiten sind vielfältig: Das Gesundheitsuniversum reicht von Forschung und Entwicklung über Diagnostik, Medikation bis hin zu Versorgung und Betreuung. Auf die Summe aller Gesundheitsausgaben bezogen, ergibt sich für die entwickelten Gesundheitssysteme ein weitestgehend einheitliches Bild. Zirka 20 Prozent entfallen auf verschreibungspflichtige Medikamente, Produkte der Medizintechnik und die Forschung. 80 Prozent machen die Versorgung und alle Dienstleistungen aus, die im Gesundheitssektor erbracht werden. Dagegen erscheint die Börsenrealität schizophren. 80 Prozent der globalen Marktkapitalisierung werden von Pharma- und Biotechnologieunternehmen gestellt, die aber nur für 20 Prozent der technologischen Innovation stehen. Die Entwicklung des Gesundheitsmarktes ist dabei weitestgehend unabhängig von Konjunkturzyklen und wird von Neuentwicklungen und Effizienzsteigerungen getrieben. Neben der Analyse des Marktes beziehungsweise der Größe des Marktes spielen damit der Zusatznutzen und das Potenzial, welches das Produkt beziehungsweise die Dienstleistung für diesen Markt bringt, für die Investmententscheidungen der Fondsmanager eine entscheidende Rolle.

 

Symbiose von Technologie und Gesundheit

Die Symbiose von Technologie und Gesundheit ist neben dem wachsenden Wissen über die Biologie des Menschen der wichtigste Faktor, der die Entwicklung des Gesundheitssektors in den nächsten Jahren bestimmen wird.

Am weitesten fortgeschritten ist diese Symbiose beim Krankheitsbild Diabetes. Unternehmen wie Dexcom, Abbott, Insulet und Tandem Diabetes Care haben in relativ kurzer Zeit dieses chronische Krankheitsbild revolutioniert. Was die Nutzung konstanter Blutzuckermessung angeht, stehen wir immer noch am Anfang der Entwicklung, weil weltweit immer noch 80 Prozent aller Diabetiker auf herkömmliche Art messen. Auch wenn es heute noch keine zugelassene Kombination von konstanter Blutzuckermessung und automatisierter Insulinzuführung mittels Algorithmen gibt, so stehen wir doch kurz vor diesem Durchbruch. Das größte Hindernis ist – wie immer, wenn der Mensch sich die Technologie zu Nutzen macht – die Sicherheit. Die Kernfrage lautet: Wie kann verhindert werden, dass ein Außenstehender die Insulinabgabe manipuliert? Schon heute ist absehbar, dass die Medizintechnik nicht die finale Lösung zur Behandlung von Diabetes sein wird. Ein zentrales Feld der Entwicklung von Therapeutika ist vielmehr die Gentherapie. Im Gegensatz zu anderen Krankheitsbildern ist Diabetes schon relativ gut verstanden und ein Durchbruch könnte hier eher als bei anderen Krankheiten gelingen.

Die Onkologie ist ein weiteres Krankheitsfeld, in dem es in den letzten 20 Jahren große Fortschritte gab. Die Immunonkologie, das heißt die Mobilisierung des körpereigenen Immunsystems zur Therapie von Krebspatienten, ist gegenwärtig in aller Munde. Mein erstes eigenständiges Investment als Fondsmanager im Jahr 2000 war in ein Unternehmen, dessen Produkt körpereigene T-Zellen aktivierte, um Krebszellen zu bekämpfen. Glücklicherweise hatte Pfizer dieses Projekt damals ebenfalls als attraktiv empfunden und übernahm das Unternehmen. So blieb uns ein schwerwiegender Totalverlust erspart, da das Medikament sich in der Klinik nicht als wirksam erwies.

Der Unterschied zwischen damals und heute ist vergleichbar mit einem Buch. Nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms hatten wir eine Myriade von Buchstaben, welche die Forschung in den letzten zwanzig Jahren mittels Präzisionsmedizin nach und nach zu Wörtern und Sätzen entwickelt hat. Trotz dieser Erfolge sind wir noch ein ganzes Stück von einem fertigen Buch entfernt. Unternehmen, die in der Präzisionsmedizin maßgeblich mitwirken sind zum Beispiel Iovance, Blueprint, Cura Oncology, Immunomedics und Moderna Therapeutics. Aus deutscher Sicht gehören Morphosys, Curevac und BioNTech zu den Unternehmen, die über ein aussichtsreiches Potenzial verfügen.

 

Telemedizin spart Kosten und Zeit

Mittels neuer Technologien können Gesundheitsausgaben effizienter genutzt werden. Dies bringt uns zu dem Thema Effizienzsteigerung, das in die Investitionsentscheidungen im Gesundheitssektor hineinspielt. Genau hier tummeln sich Technologie-Giganten wie Apple, Google, Amazon, Microsoft, Samsung und Alibaba, die den Gesundheitsmarkt für sich entdecken.

Die Telemedizin ist hierbei ein herausragendes Thema. Ungefähr zwei Drittel aller Erstkonsultationen beim Arzt sind verschiedenen Studien zufolge nicht notwendig beziehungsweise es bedarf nicht der physischen Anwesenheit eines Arztes. Insbesondere bei allgemeinmedizinischen Fragen und psychischen Krankheiten lassen sich mittels Fernbehandlung Kosten und Zeit sparen, die an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden können.

Die Telemedizin wird den behandelnden Arzt nicht ersetzen und nur in enger Zusammenarbeit mit ihm Erfolg haben. Die Herausforderung für einen Telemedizinanbieter besteht dabei aber nicht primär in der Akquise behandelnder Ärzte für seine Plattform. Vielmehr geht es darum, die Hintergrundprozesse zu optimieren. Der Algorithmus, der von den in Zukunft erfolgreichen Unternehmen eingesetzt wird, muss die Interessengruppen Arzt, Patient, Abrechnungsdienstleister und Versicherung zusammenführen. Dieses Thema ist so komplex, dass selbst das größte börsengelistete Unternehmen Teladoc aus den USA sich primär auf den lokalen Markt fokussiert.

Insbesondere in den entwickelten Märkten existiert jedoch ein so großes Potenzial, dass es nicht unbedingt auf Internationalisierung ankommt. Als börsennotiertes Unternehmen ist Compugroup bei der Entwicklung der Telemedizin in Deutschland federführend mit dabei. Neben einigen von den Krankenversicherern in Eigenregie initiierten Projekten hat die Münchener Teleclinic als unabhängiger Anbieter von telemedizinischen Behandlungsangeboten eine sehr gute Ausgangssituation, um vom Wachstum in der Telemedizinbranche zu profitieren.

 

Prävention wird an Bedeutung gewinnen

Die aufgeführten Beispiele sind nur ein kleiner Teil des Spektrums, das der Gesundheitsmarkt an Investmentthemen zu bieten hat. „Gesundheit“ hat für mich auch nach zwanzig Jahren als Investor in diesem Bereich nicht an Attraktivität verloren. Die Dynamik, mit der sich der Sektor entwickelt, wird aus meiner Sicht auch in Zukunft nicht nachlassen. Im Gegenteil: Durch den nachhaltigen Einfluss neuer Technologien wird zunehmend die Prävention von Erkrankungen in das Blickfeld rücken. Während wir bis dato den Gesundheitsmarkt insgeheim mit Krankheitsmarkt gleichgesetzt haben, können wir in Zukunft guten Gewissens vom Gesundheitsmarkt im eigentlichen Sinne sprechen.

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