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Entsparplan: „Das Thema Geldanlage endet nicht mit dem Renteneintritt“

Entsparplan: „Das Thema Geldanlage endet nicht mit dem Renteneintritt“

Die Deutschen erben immer mehr und werden in der Summe reicher. Auch das Entsparen bedarf eines Plans. Der Finanzberater Artur Wunderle erklärt die wichtigsten Punkte für ein solides Einkommen im Alter.

FOCUS Online: Das Thema Vermögensaufbau fürs Alter ist sehr präsent. Wenn der Anleger alles richtig gemacht hat für den Ruhestand, wie wichtig ist dann noch ein Vermögensmanagement?

Artur Wunderle: Das Thema Geldanlage endet nicht mit dem Renteneintritt. Die Zeit als Rentner wird durch die gestiegene Lebenswartung immer länger. Wer mit 65 Jahren in Rente geht, sollte etwa 25 Jahre abdecken. Wer plant schon früh zu sterben? Spätestens beim Renteneintritt sollte die persönliche Vermögenssituation nochmals durchleuchtet werden, um einen Entnahmeplan für den angenehmen Lebensabend aufzustellen.

Entsparplan: „Das Thema Geldanlage endet nicht mit dem Renteneintritt“

FOCUS Online: Für den langfristigen Vermögensaufbau werden oftmals Aktienfonds und ETFs empfohlen. Welche Produkte sind in der Entsparphase sinnvoll?

Wunderle: Es gibt nicht das Produkt für alle. Man braucht eine breite Streuung des Vermögens beim Entsparen wie beim Sparen. Der wichtigste Punkt hierbei ist die Flexibilität des Vermögens. Wer sich für eine Pflegeeinrichtung entscheidet oder das Haus seniorengerecht gestalten möchte, dessen Leben und Geldbedarf ändert sich. Dies kann auch unerwartet kommen.

FOCUS Online: Wie sollten Ruheständler ihre Anlagestruktur aufstellen, um die notwendige Flexibilität herzustellen?

Wunderle: Wir setzten auf ein Mehr-Topf-Modell, das heißt wir haben drei Töpfe, welche in der Anlagedauer kurz-, mittel- und langfristig ausgerichtet sind. Das Geld, das in den nächsten zwei Jahre gebraucht wird, wird aus dem kurzfristigen Topf entnommen, der weniger Schwankungen aufweist. Dies verhindert einen negativen Durchschnittskosteneffekt mit Entnahmen zum geringen Kurswert von Fondsanteilen. Die mittel- und langfristigen Töpfe beinhalten dagegen auch Aktien- und Mischfonds, welche durch den Aktienanteil Schwankungen aufweisen.

FOCUS Online: Warum sind Aktien als Renditebringer wichtig, wenn man doch keinen Vermögensaufbau mehr braucht?

Wunderle: Nur Aktien bringen in der Niedrigzinsphase mittel- und langfristig nennenswerte Rendite. Eine Anlagesumme, welche in 25 Jahren, in Anbetracht von Inflation, Gebühren und Negativzins, keine Rendite erwirtschaftet, ist schnell aufgebraucht.

FOCUS Online: Die Zahl der Aktien- und Aktienfondsbesitzer erreichte 2018 mit 10,3 Millionen Deutschen den höchsten Wert seit 2007 vor der Finanzkrise. Die größte Gruppe der Aktionäre ist älter als 60 Jahre. Wie kommt das?

Wunderle: Richtig, nicht nur in der Ansparphase ist die Welt heute eine ganz andere als vor zehn Jahren. Die Frage lautet nämlich: Wo lege ich mein Vermögen an? Festverzinsliche Produkte und Lebensversicherungen sind obsolet geworden. Auch die alte Unterscheidung von Kapitalerhalt und -verzehr ist irrelevant geworden. Ein Risiko des Verzehrs ist durch Schwankungen der Einzelaktien, Aktien- und Mischfonds nämlich immer gegeben.

FOCUS Online: Mal zur Prak­ti­ka­bi­li­tät: Kann sich ein Ruheständler monatlich ganz einfach einen festen Betrag aufs Girokonto überweisen lassen?

Wunderle: Normale Geschäftsbanken mit klassischem Depotgeschäft können keine glatten Beträge überweisen, da sie mit ganzen Stücken arbeiten. Der Verkauf zieht auch eine Gebühr nach sich. Hingegen können bei Fondsbanken auch Bruchteile mit Nachkommastellen verkauft werden. Dies ermöglicht einen festen monatlichen Betrag bei kostenfreien Entnahmen.

FOCUS Online: Altersarmut ist in Deutschland ein großes Thema. Nicht alle Bürger hatten die Möglichkeit, gut vorzusorgen. Ist Finanzberatung nur etwas für sehr Wohlhabende?

Wunderle: Plötzliches Vermögen ist heute wahrscheinlicher als je zuvor. Vermögenswerte von 3 Billionen Euro werden in Deutschland in den nächsten zehn Jahren durch Erbschaft verteilt. Das Haus der Eltern, der Großeltern oder der Tante wird oftmals vergessen. Die Immobilienpreise in den Ballungszentren sind massiv gestiegen. Auch kleine Wohnungen bringen schnell eine halbe Million Euro. Andere Kunden kommen durch ihre Lebensversicherungen zu Vermögen, mit welchem sie in der Höhe nicht gerechnet haben. Die Babyboomer kommen in die Rentenphase.

FOCUS Online: Plötzliches Vermögen kann auch belasten. Was tun Sie als Finanzberater, um Ihre Kunden abzuholen?

Wunderle: Gerade bei Erbschaften herrscht massiver Beratungsbedarf. Der Finanzberater muss hier mit einem Steuerberater zusammenwirken. Auf die Kunden kommt vieles zu: Nachlassgericht, Finanzamt, Grundbuchamt oder Notar. Es braucht ein Netzwerk der professionellen Beratung. Personen, die einen Verlust zu verschmerzen haben und vielleicht in Erbstreitigkeiten in der Familie verwickelt sind, haben dafür oftmals nicht den Kopf.

FOCUS Online: Die Aktien-Millionärin Beate Sander hat ihre erste Aktie kurz vor dem Renteneintritt gekauft. Kann man mit mehr Zeit im Ruhestand sein Vermögen gänzlich selbst verwalten?

Wunderle: Man kann im Leben vieles selbst machen - mit dem Risiko den falschen Weg einzuschlagen. Eine Beratung ist zumindest immer eine zweite Meinung. Eine selbstgemanagte Aktienanlage kann ein Teil eines breiten Konzepts sein, falls man bereit ist, sich das notwendige Wissen anzueignen. Risiko mindert man durch Streuung, dies ist auch die erste Lektion für alle Aktionäre.

Von Finanzen100-Redakteur Igor Hirsch, erschienen am 02.10.2019

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