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Die richtige Anlagephilosophie

Die richtige Anlagephilosophie

 

Worauf sollte man achten, bevor man mit einem großen Depot und verschiedenen Investments loslegt? Ganz wichtig ist die Kontinuität und die Konstanz, also die Art und Weise wie Sie ein Depot aufbauen und wie Sie Geld anlegen. Ein ständiges hin und her, ein Wechsel der Investmentart oder des -ansatzes ist auf Dauer sehr nachteilhaft für die Entwicklung Ihres Vermögens. Auf folgende 7 Aspekte sollte man achten:

 

1. Wie wählen Sie Aktien aus?

Hierbei ist nicht so sehr entscheidend, welchen Ansatz Sie wählen. Wichtig ist vor allem, dass Sie nicht irgendwelchen Gurus nachäffen, oder dem Zauber verfallen, es genauso machen zu müssen, weil ein anderer so erfolgreich ist. Das ist falsch. Wichtig ist die Kontinuität. Das heißt, Sie können ein strenger Value-Investor sein, ganz starre Kriterien anlegen und Aktien mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von über 15, oder bestimmten Kurs-Buchwert-Verhältnis grundsätzlich nicht kaufen. Das ist eine Methode. Die andere Methode ist, ganz nach Börsentechnik zu gehen und Aktien zu kaufen, bei denen sich der Umsatz der gehandelten Aktien in einem steilen Aufwärtstrend befindet. Es gibt also sehr viele solcher Ansätze und Sie müssen schauen, in welche Richtung Sie tendieren, sich dann konsequent für eine Methode entscheiden und diese beibehalten.

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2. Welches politische Weltbild haben Sie?

Ein ganz wichtiger Punkt für mich ist der Schutz des Eigentums; die politische Sicherheit. Für mich privat habe ich noch nie eine Aktie aus Ländern mit sehr wechselnder politischer Ausrichtung gekauft, wie beispielsweise in Osteuropa. Warum? Letzten Endes ist das Schlimmste was Ihnen passieren kann, dass Sie enteignet werden, Ihre Mittel eingefroren werden und Sie es aus dem Land nicht mehr transferieren können. Da gibt es andere Länder mit hervorragenden wirtschaftlichen Aussichten, in denen man als Unternehmer auch sehr gut wirtschaften kann, die allerdings als Börsenplatz für Ausländer ungeeignet sind. So habe ich noch nie eine Aktie in Malaysia gekauft, weil dort die Transferierbarkeit Ihrer Mittel plötzlich nicht mehr gewährleistet ist. Auch dabei hat jeder sein eigenes politisches Weltbild, dennoch lohnt sich darüber Gedanken zu machen und den Korridor abzustecken.

3. Welche Aktiengattung kommt für Sie in Frage?

Da gibt es eine große Bandbreite. Von den großen Blue Chips der Welt über mittelgroße Werte und sehr kleine Nebenwerte bis hin zu den nicht amtlichen notierten Werten, also Titel im Freiverkehr (oder wie es in der Schweiz heißt die nicht-kotierten) die auf Internetplattformen, also Nebenbörsenplätzen, gehandelt werden. Auch hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist nur, dass Sie es konsequent betreiben und sich auf einem Feld spezialisieren. Das ist wegen der Vergleichbarkeit so wichtig. Sie können nicht ein Blue Chips-Spezialist mit einer Kapitalisierung von hundert Milliarden Dollar werden und sich gleichzeitig in Schweizer Nebenwerten mit einer Marktkapitalisierung von sechs Millionen Schweizerfranken tummeln. Das sind völlig unterschiedliche Gewässer, in denen Sie sonst sehr bald auf Grund laufen oder von den Wellen in Ihrem Kahn einfach überschüttet werden.

 

4. In welchen Regionen investieren Sie?

Ein ganz wichtiger Aspekt ist auch der geografische Radius, den Sie ziehen wollen. In einem Depot sind für mich immer verschiedene Kulturen und Wirtschaftsbereiche betroffen, in die ich investiere. Warum? Damit ich einen Risikoausgleich habe. Das heißt ich achte darauf, dass die Hauptsitze der Aktiengesellschaften in verschiedenen Ländern liegen. Ich habe immer gerne nordamerikanische Firmen dabei, Firmen in der Schweiz, in England, Frankreich, Skandinavien und in anderen westlichen EU Ländern, aber auch Australien. Auch wenn die meisten Firmen weltweit arbeiten, ist es doch ein riesen Unterschied, ob die Hauptzentrale in Deutschland sitzt oder schon im nahen Zürich. Die Stimmungslage in den Ländern bedingt durch die Landespolitik kann sehr unterschiedlich ausfallen und das hat dann Auswirkungen auf das gesamte Weltbusiness dieser Firma. Dabei braucht man einen guten Mix. Das hat gleichzeitig zum Vorteil, dass man so in seinem Depot auch gleichzeitig (ohne ein Spekulant zu sein), verschiedene Währungen integriert. Ich habe immer Dollar, Schweizer Franken und Euro dabei. Vielleicht auch mal eine skandinavische Währung wie die Schwedenkrone, oder auch Australische Dollar.

Mit diesem Mix bin ich die letzten zwanzig Jahre sehr, sehr gut gefahren. Das ist deutlich besser zur Verminderung des Risikos geeignet, als wenn Sie nur in einer Währung investiert sind. Ganz wichtig ist, dass man sich, was das Kapital angeht, innerlich von seinem eigenen Heimatland löst. Viele Anleger investieren dort, wo sie aufgewachsen sind und wo sie leben. Das kann natürlich niemals die optimale Anlagepolitik sein. Also wenn Sie in Mannheim geboren sind und dort leben und arbeiten, ist Ihr Depot vielleicht stark Deutschland-überlastet. Wenn das Schicksal es aber anders gewollt hätte und Sie wären ein paar hundert Kilometer weiter westlich in Brüssel geboren, hätten Sie wahrscheinlich ein stark frankophiles Depot aufgebaut. Das gleiche gilt wiederrum für denjenigen der in Kopenhagen aufgewachsen ist. Dessen Depot wird wahrscheinlich sehr stark von dänischen und vielleicht noch schwedischen oder norwegischen Aktien dominiert sein. Der Geburtsort kann also niemals der richtige Maßstab für Ihre Depotstruktur sein. Davon sollte man sich lösen, den Globus anschauen und sein Kapital vernünftig verteilen.

 

5. Wieviel Cash wollen Sie halten?

Viele Aktionäre und Liebhaber der Börse sind übereifrig. Sie investieren zu viel. Wenn dann der große Crash alle 10-15 Jahre oder wie auch immer da ist, sitzen sie bis zur Halskrause investiert und können die tiefen Kurse nicht nutzen. Merken Sie sich: ein guter Kaufmann hat immer Cash. Auch wenn dieses Cash keine Zinsen bringt oder sogar Zinsen kostet. Wer kein Cash hat, ist an sich ein armer Hund und sehr schnell in seinem Anlagespektrum begrenzt. Das erfordert sehr viel Disziplin und hört sich sehr einfach an, aber im Laufe der Jahre ist es ganz schwer, den Versuchungen zu wiederstehen und nicht übermäßig zu investieren.

 

6. An welches Zukunftsszenario glauben Sie?

Hierzu möchte ich auf zwei Punkte eingehen. Sie müssen zu einer Einschätzung kommen, welche Branche welche Zukunft hat. Das gleiche gilt auch für das Zinsszenario. Sie brauchen eine Einschätzung, welche Perspektive Sie in den nächsten fünf bis zehn Jahren an der Zinsfront sehen. Also eine Standortbestimmung und eine Einschätzung der Zukunft. Davon müssen Sie andere nicht überzeugen können, da es zu jeder Meinung zur Zukunft eine Gegenmeinung gibt. Erst wenn die Zukunft zur Gegenwart geworden ist, weiß man wer Recht hat. Daher müssen Sie auch nicht zaudern. Aber ich habe festgestellt, viele Investoren machen sich einfach zu wenig Gedanken über eine Zukunft. Dabei kann man ruhig seinem Bauchgefühl trauen und sollte sich gleichzeitig von den Feldern abwenden, bei denen Sie kein Bauchgefühl haben und sich bei Ihnen innerlich nichts tut und Sie gar keine Ahnung haben. Dann müssen Sie sich eben Hilfe holen und sich an erfolgreiche Leute wenden, die im Business tätig sind. Fragen Sie danach und holen Sie sich mehrere Meinungen ein.

 

7. Hängen Sie am Börsenindex?

Der Börsenindex ist gut und schön. Man bekommt ein Bauchgefühl davon, ob es per Saldo rauf oder runtergeht oder wieder ein Börsentrend ist. Aber daran seine Anlagepolitik auszurichten, ist völlig falsch. Mir ist es völlig egal, ob der Börsenindex, ganz egal welcher, um 8% steigt und mein Depot um 6% wächst. Das interessiert mich überhaupt nicht. Entscheidend ist die Kraft der Firmen, deren Aktien Sie im Depot haben. Darauf kommt es an. Und mal entwickeln sich diese eben besser als die Börse oder der Börsenindex und mal schlechter. Das ist völlig unerheblich. Entscheidend ist die lange Linie. Was also die Einzelaktie bringt, die Sie im Depot haben und das hat nichts mit dem Börsenindex zu tun. Der Börsenindex ist ja jeweils ein künstlich zusammengesetztes Ding, bei der sich die Zusammensetzung auch alle Nase lang ändert. Einen Börsenindex würde ich sowieso nie kaufen. Dort Titel enthalten sind, die Ihnen gefallen, aber auch viele Sachen, die Ihnen nicht gefallen. Es sind Firmen enthalten, die Sie einzeln niemals kaufen würden, weil Sie ganz klar eine Meinung dagegen haben. In diese dann aber über den Index investiert zu sein, ist in meinen Augen unter aller Kanone. Es ist einfach Unfug zu sagen: „besser als der Index kann man sowieso nicht sein“. Das stimmt leider, oder Gottseidank überhaupt nicht. Man muss sich halt ein wenig Mühe geben und Gedanken machen.

Das waren ein paar Aspekte zur Grundüberlegung einer Anlagenphilosophie, zu der man im Laufe der Zeit kommen muss, ich hoffe, es waren ein paar Anregungen für Sie dabei. Wenn Sie diese umgesetzt sehen wollen, schauen Sie sich doch unseren ME-Fonds Special Values an.

Der Autor Dr. Markus Elsässer ist seit 1998 selbstständiger Investor und Fondsberater sowie Gründer der ME-Fonds, die er seit mehr als 17 Jahren betreut. In seinem "Des klugen Investors Podcast" geht er regelmäßig auf Handwerkszeug zum Value-Investing, psychologische Gefahren beim Investieren und wertvolle Tipps zum Vermögensaufbau ein. Dieser Artikel ist in Anlehnung an Episode 6 entstanden.

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