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Der Umgang mit Risiken

Der Umgang mit Risiken

Heute sprechen wir über die Thematik des Risikoausgleichs, im Fachjargon auch Diversifikation genannt. Generell haben viele berechtigte Angst vor Risiken, wenn sie in die Bank gehen. Es stellt sich die Frage, ob die vorgeschlagene Diversifikation etwas bringt – in der Regel wird dabei von allem etwas genommen. Ein ETF für Nordamerika, etwas über Emerging Markets, Gold, irgendwas aus dem Dax, ein paar Einzeltitel.

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Die Hoffnung darin ist, dass bei einer Krise nicht alle Werte sinken werden. Dieser Ansatz ist zu kurz gedacht und eine Erfindung der neuzeitlichen Großbankenwelt. Ein kluger Kaufmann verteilt sein Risiko nicht, indem er jemanden sein Hab und Gut anvertraut oder etwas bewertet, wovon er keine Ahnung hat. Generell ist Sinn und Zweck der Sache, dass man eines Tages nicht bei null steht. Das macht den großen Unterschied. Im Alltag denken wir zu selten über die Themen Geld und Finanzen nach. Wenn man diese simplen Gedankenanregungen hegt, stellt sich oft die Frage, ob man von zu vielen Risiken umgeben ist.

 

1. Schulden

Kredite aufzunehmen, ist für einen Kaufmann, der ein Warenlager oder Maschinen finanziert, völlig in Ordnung. Der Kredit hat seine Berechtigung und ist unter Umständen gut kalkuliert. Das gilt ebenso bei jungen Menschen, die sich eine Wohnimmobilie kaufen. Wenn Sie am richtigen Standort sind, dann bauen Sie sich damit ein Vermögen auf. Auf lange Sicht hat man die Möglichkeit eines Wertzuwachses oder zumindest die Erhaltung der Kaufkraft. Wenn man es richtig macht und die Immobilie pflegt, kann man die Inflation schlagen. Auf diesen beiden Gebieten haben Kredite und Schulden durchaus ihre Berechtigungen. Bei dem Thema Schulden muss man aber auch folgendes bedenken: Man sollte aus Sicht des Privatinvestors auch seine anderweitigen Schulden z.B. aus Zahlungsverpflichtungen oder früheren Scheidungen berücksichtigen. Es ist äußerst gefährlich, jemandem etwas zu schulden. Deswegen sollte man gezielt Schulden abbauen. Es ist nicht vorteilhaft, ein Aktiendepot von 500.000€ zu managen und auf der anderen Seite Schulden durch Vermietungsimmobilien in Höhe von 300.000€ zu haben. Man sollte lieber ein kleineres Depot von 200.000€ besitzen. Wenn alles gut läuft ist das prima, doch wenn es eines Tages nicht mehr läuft, Sie krank werden oder Ihren Job verlieren, sind Sie machtlos den Kreditgebern ausgeliefert. Stellen Sie sich vor, dass wir in zehn Jahren plötzlich eine Hochzinspolitik haben. Dann passt Ihr gesamter Cashflow nicht mehr, weil Sie z.B. mit 1% kalkuliert haben und jetzt 8% zahlen müssen. Zudem wird oft nicht bedacht, bei wem man in der Schuld steht. Kredit ist nicht gleich Kredit. Stellen Sie sich vor, dass Sie einen hohen Kredit aufgenommen haben. Das Institut wird aufgekauft und die neuen Eigentümer haben eine ganz andere Politik. Hören Sie vorher in der Verwandtschaft nach, ob da jemand ist, der Ihnen einen Kredit gibt. Der Zins bleibt innerhalb der Familie und unter Umständen hat man einen gewissen Spielraum – Flexibilität der Tilgung oder Zinsanpassungen. Diese Chance sollte man nutzen. Vielleicht haben sie jemanden in der Verwandtschaft, der auf Guthaben sitzt und dieses Geld zinslos auf der Bank deponiert hat. Sie zahlen anderseits der Bank Ihre Zinsen. In diesem Fall zahlt man lieber dem Verwandten die Zinsen. Gehen Sie hier professionell vor. Fragen kostet nichts!

 

2. Cash

Wir leben zwar in Zeiten, in denen man Bargeld kaum mehr braucht. Wenn Sie aber für den wirklichen Risikoausgleich diversifizieren, ist die Bargeldkomponente äußerst wichtig. Kreditkartensysteme oder Ihr Guthaben auf dem Girokonto werden vom Computer beherrscht. Es reicht ein einzelner Zusammenbruch. Während der Finanzkrise 2008 hat man erlebt, dass bei Instituten für ca. eine halbe Stunde nichts mehr lief. Das heißt: Wenn Sie es sich leisten können, sorgen Sie für mindestens drei Monate Haushaltsgeld vor. Nicht bei der Bank, sondern zu Hause. Das kann äußerst hilfreich sein. Das Risiko des Geldaufbewahrens zu Hause ist viel geringer, als das abheben bei der Bank zweimal im Monat. Es ist ein enormes Risiko, zu Hause kein Bargeld zu besitzen.

 

3. Bankverbindung

Die Bankverbindung ist äußerst wichtig. Man sollte zwei Verbindungen haben. Die eine in der räumlichen Nähe, bei der man den täglichen Zahlungsverkehr abwickelt. Die Vermögensansammlung in einem Depot sollte man hingegen nicht direkt in der Nähe haben. Personen aus der direkten Nähe sollten nicht genau wissen, was man besitzt oder was man gerade verloren hat. Durch meine Bankenlehre weiß ich, dass Mitarbeiter tuscheln, wenn der Kunde die Bank verlässt. Über eines müssen Sie sich im Klaren sein: Geld ist immer ein Risiko, egal bei welcher Bank, da Banken jederzeit zusammenbrechen können. Bei großen Instituten können Sie nicht aufgefangen werden, da es immer ein großes Opfer geben wird. In meiner Jugend wohnte ich in Hong Kong. Die Leute standen Schlange an den Türen der Banken und diese brachen am Nachmittag zusammen. Jeder Unternehmer in Asien wird wissen, dass Banken ganz normale Institute sind, die meistens in gemieteten Räumlichkeiten sitzen und Geschäfte abwickeln. So ein Geschäft kann zusammenbrechen. Für die Bevölkerung wird zur Nervenberuhigung so getan, als ob da nichts passieren könnte. Solang das System funktioniert trifft das auch zu. Man muss sich aber auch im Klaren sein, dass sowas jederzeit passieren kann. Wenn Sie Guthaben auf den Konten haben, können diese theoretisch verloren gehen. Wenn Ihnen das unheimlich ist, müssen Sie die Beträge reduzieren oder auf mehrere Banken verteilen. Wenn es alle Institute erwischt, nützt Ihnen das auch nichts. Ab einer gewissen Summe ist es eine Überlegung wert, eine Bankverbindung in einem anderen Land in Betracht zu ziehen. Das kann zu einem erheblichen Risikoausgleich führen. Das bedeutet diversifizieren.

 

4. Gold

Wer zum Risikoausgleich Gold heranzieht, sollte bedenken, dass Gold kein Gegenstück zu Aktien oder Unternehmensbeteiligungen ist. Es ist eher ein Gegenstück zu Papiergeld, zu Guthaben und Anleihen oder ein alternatives Zahlungsmittel. Die Frage ist, ob Gold ab einer gewissen Summe ein besseres Aufbewahrungsmittel als Papiergeld ist. Es spricht einiges für Gold, wobei die meisten Deutschen damit ein Problem haben, weil es keine Zinsen bringt - Papiergeld aber eben auch nicht mehr. Die Voreingenommenheit, die man über Gold liest, sollte mit Vorsicht betrachtet werden. Wenn man sich für Gold entscheidet, sollte jedoch auch hier ein Risikoausgleich stattfinden. In erster Linie sollte man es physisch haben, denn dann stellt es zusätzlich zum Papiergeldvorrat eine Krisenwährung dar. Die Anlage ist sehr entscheidend.

 

5. Aktien und Depots

Was nützt Ihnen ein Depot, wenn Sie der Ansicht sind, dass die Großbankenlandschaft keine guten Aussichten hat? Wie soll man im Depot eine Großbank beimischen, wenn Sie z.B. einen ETF kaufen oder sie selbst ins Depot nehmen? Durch Krisen kommt man am besten durch, indem man krisenresistente Branchen im Depot hat. Zahnpasta wird auch in Krisenzeiten konsumiert und so sind Aktien eines Zahnpasta-Herstellers krisenresistenter, als z.B. die eines Werkzeugbauers, der abhängig vom Bedarf der Unternehmen ist. In einer Finanzkrise brechen die Aufträge ein und dadurch können solche Firmen in Schieflage geraten. Lieber ein kleineres aber dafür durchdachteres Depot. Das führt zum richtigen Risikoausgleich.

 

6. Immobilien

Bei Immobilien, die für die Vermietung bestimmt sind, gibt es simple Diversifikationen. Wenn Sie die Möglichkeit haben, eine Immobilie komplett zu kaufen, ist das ein viel besseres Investment, als nur Bruchteile einer Immobilie zu erwerben. Immobilien sind ein Asset. Nach 50 oder 100 Jahren können Sie aber auch zur Liability werden, wenn Abrisskosten anstehen. Wenn Ihnen aber auch der Grund und Boden gehört, haben Sie noch ein Asset, über das Sie frei verfügen können. Bei Immobilien muss man weiterdenken: Zum Beispiel sollte man nicht alle Immobilien in einer Straße haben, sie aber auch nicht zu sehr verstreuen. Es sollte zu managen sein. Ich rate davon ab, allein vom Papier etwas zu kaufen, das man noch nie gesehen hat. Es stellt sich auch die Frage, wie die Mieterstruktur aussieht. Wenn Sie ein Haus mit sechs Parteien haben, sollten Sie immer auf eine Mixtur in Bezug auf Alter und Arbeitgeber achten, sodass nicht alle auf einen Schlag alt sind oder keiner eine Mieterhöhung tragen kann.

Das sind einfache, kaufmännische Überlegungen, die Ihnen sehr helfen, die Angst vor Crash-Szenarien zu verlieren. Besitz kann man gut organisieren, man muss sich nur dazu bekennen und logisch vorgehen.

 

Der Autor Dr. Markus Elsässer ist seit 1998 selbstständiger Investor und Fondsberater sowie Gründer der ME-Fonds, die er seit mehr als 17 Jahren betreut. In seinem "Des klugen Investors Handbuch", "Des klugen Investors Podcast" und auf seinem YouTube-Channel geht er regelmäßig auf Handwerkszeug zum Value-Investing, psychologische Gefahren beim Investieren und wertvolle Tipps zum Vermögensaufbau ein. Dieser Artikel ist in Anlehnung an Episode 13 des Podcasts entstanden.

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