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CONREN-Kolumne: Corona-Korrektur oder doch -Crash: Was ist wahrscheinlicher?

CONREN-Kolumne: Corona-Korrektur oder doch -Crash: Was ist wahrscheinlicher?

Die Lage ist ernst und bleibt vorerst undurchsichtig. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Themenkomplex rund um das Coronavirus eine Fülle an Dimensionen hat. Auch wenn die Situation aus Investorensicht noch eine Weile herausfordernd bleiben wird, möchten wir nochmals daran erinnern: In den vergangenen 50 Jahren haben sich alle größeren Virusausbrüche für langfristig orientierte Anleger in der Rückschau als attraktive Einstiegsgelegenheit erwiesen. Das muss dieses Mal nicht so sein, aber die gegenwärtige Datenlage macht es unserer Einschätzung nach wie vor zum wahrscheinlichsten Szenario.

Virus

Wo stehen wir derzeit?

Zur Beurteilung der Perspektiven am Kapitalmarkt legen wir derzeit beispielsweise besonderes Augenmerk auf die Zahl der neu Infizierten innerhalb und außerhalb Chinas, Meldungen zu neuen medizinischen Erkenntnissen (wie möglichen Mutationen – existieren schon länger mehrere Hauptstränge? etc.) oder Reaktionen einzelner Regierungen was zum einen die Eindämmungsversuche (Pragmatismus oder Panik?) und was zum anderen die Maßnahmen zur Stützung ganzer Volkswirtschaften und einzelner Industriezweige angeht. Auch Notenbanken spielen eine wichtige Rolle (siehe Zinsschritt der US-Notenbank Fed). Aktuell sieht es demnach so aus, als habe die zweite Welle, die Ansteckungen außerhalb Chinas, erst begonnen. Die Lage ist genau zu verfolgen, ändert sich ständig. Dazu sind die Ansteckungszahlen mit Vorsicht zu genießen: Viele Infizierte mit milden Symptomen, unterschiedliche Erfassungs- bzw. Berechnungsmethoden, unterschiedliche Verfügbarkeit, Kosten und Kostenübernahmeregelungen von Tests sowie politische Motive, sind nicht zu unterschätzen.

Der extreme Kursverfall an den Aktienmärkten gibt dennoch nicht unbedingt die Zukunftseinschätzung der Investoren korrekt wieder. Vieles deutet auf eine panische Überreaktion hin sowie auf eine Verstärkung des negativen Trends durch passive Anleger, Algorithmen- und Momentum-Trader sowie automatisierte Handels- und Risikosysteme. Die Marktstruktur ist, wie allgemein bekannt, schon länger nicht gesund. Mit dieser Realität müssen wir als Investoren umgehen.

Die Reaktionen bei Anleihen, Rohstoffen und Devisen spiegeln einen deflationären Schock für die Weltwirtschaft wider. Diesem stehen allerdings bereits angekündigte Maßnahmen von Notenbanken und Regierungen (fiskalische Stimulierung, Finanzierungshilfen, weitere Erleichterungen) gegenüber. Die Politik wird vieles möglich machen, da sie einiges zu verlieren hat: In China ist der Nationalstolz und auch der Status der Partei betroffen, in den USA will Präsident Donald Trump im November wiedergewählt werden und Europa muss zeigen, dass es zusammenstehen und Krisen lösen kann.

Aus Investorensicht von Interesse wird in den kommenden Wochen sein, welche Lieferketten und Transportwege von Gütern wie lange beeinträchtigt sind und wie rasch die Produktion – insbesondere in China – wieder hochgefahren werden kann. Entscheidend ist auch, wie einzelne Unternehmen aufgestellt sind: In einer solchen Ausnahmesituation sind gesunde Bilanzen und reichlich Liquidität schließlich pures Gold wert. Selbst in Industrien, in denen die Nachfrage nur aufgeschoben ist – wie zum Beispiel in einigen Medizintechnik-Bereichen – müssen Unternehmen den vorübergehenden Umsatzausfall finanzieren können.

 

Wann wird es brenzlig?

Wenn sich das Virus weiter schnell und global ausbreitet – beispielsweise, indem es eine weitere Ansteckungswelle in China sowie einen sprunghaften Anstieg an Infektionen in den USA gibt – kann es zu einer längerfristigen Unterbrechung von Konsum, Investments und Lieferketten kommen. Vor allem, wenn Regierungen mit Quarantänen und Ausgangssperren reagieren, wäre eine globale Panik eine vorstellbare Reaktion. In diesem Fall könnte die Finanzierung einiger Unternehmen knapp werden (vor allem US- und chinesische Unternehmen sind mitunter hoch verschuldet) und ein allgemeiner Vertrauensverlust das gesamte Wirtschaftssystem lähmen. Arbeitslosenraten würden rapide ansteigen, Bankenfinanzierungen und Fremdkapitalmärkte könnten einfrieren. All dies würde eine Abwärtsspirale auslösen. So ein Szenario ist aber unserer Einschätzung nach unwahrscheinlich.

 

Und wann wird es besser?

Wenn der abflachende Trend bei den Ansteckungszahlen und die zunehmende Anzahl von wieder Gesunden in China sich bestätigt, was bedeuten würde: Der Peak des Virus ist hier erreicht. Dazu: In Europa sowie dem Rest der Welt können die Ansteckungen eingedämmt werden. Es gibt keine allgemeine Panik und die Maßnahmen der Regierungen bleiben pragmatisch. Obwohl sich die Zahlen aus der Gesamtwirtschaft und seitens einzelner Unternehmen zunächst weiter verschlechtern, rechnen wir in diesem Fall mit einer baldigen V-förmigen Konjunkturerholung – wie es sie bereits unter anderem zuzeiten der SARS-Epidemie gegeben hat. Dann würden die verprügelten Werte und Märkte profitieren und die „Safe Havens“ wieder Kapital abgeben. Auch das kann an den Märkten dann sehr schnell gehen – wie wir in dieser Woche gesehen haben.  

 


Zusätzliche Informationen

Natürlich ist der Virus so oder so ein brutaler Einschnitt für die globale Wirtschaft. Fast alle Länder und Branchen werden leiden, aber eben in einem recht unterschiedlichen Ausmaß. Hier ein paar Beispiele:

 

Länderspezifisches:

  1. Die Wachstumslokomotive USA ist wesentlich weniger von internationaler Nachfrage abhängig als z. B. Europa – weist dafür aber auch die höchsten Bewertungen auf.
  2. China ist direkt am meisten betroffen, hat allerdings auch ein großes Arsenal die Krise zu bekämpfen.
  3. Europa hat wesentlich niedrigere Aktienbewertungen, ist aber stark von internationaler Nachfrage, nicht zuletzt von chinesischer Seite, abhängig. Gleichzeitig ist Europa mitunter eng mit chinesischen Lieferketten verwoben. Hohe Industrie-Lagerbestände aufgrund schwächerer Nachfrage in den letzten Monaten könnten nun ein Segen werden.
  4. Rohstoff-lastige EMs werden unter sinkender Nachfrage leiden, können aber von Fiskalprogrammen profitieren.
  5. Südkorea leidet besonders: Hohe Fallzahlen (noch kein Peak in Sicht), Nähe zu China, fast ein Drittel des Exports sind im Bereich Elektronik.
 

Branchen-Beispiele:

  1. Einige Unternehmen, z. B. mit Restaurants oder Cafés in China, Touristik-Unternehmen oder Fluggesellschaften, können die in den letzten und nächsten Wochen weggefallenen Umsätze nicht mehr aufholen. Anders ist es bei vielen Medizintechnik-Unternehmen oder auch Luxusartikelherstellern.
  2. Unterhaltungselektronik und Halbleiter: Wuhan ist wichtig für internationale Lieferketten. Vor allem Produkte mit vielen Teilen haben in der Regel sehr internationale Lieferketten (auch daher ist es durchaus logisch, dass Apple früh und stark getroffen betroffen ist). Es müssen nicht direkte Zulieferer betroffen sein. Es können auch Zulieferer von Zulieferern und so weiter sein.
  3. Online-Shopping: Krise und Zu-Hause-Bleiben sollte höhere Nachfrage nach sich ziehen, aber viele Produkte werden in China hergestellt (auch bei Amazon oder Walmart), der Transport von Gütern ist stark eingeschränkt. Jedoch: Streaming-Dienste, Online-Gaming oder Online-Konferenzsysteme outperformen.
  4. Bei Öl wird zu beobachten sein wie US-Shale-Produzenten mit dem Preisverfall umgehen können und vor allem wie sehr deren Finanzierung betroffen ist.
  5. Automotive: bekannt für globale, just-in-time Lieferketten. Hubei produziert fast 10 % der globalen Wertschöpfungskette. Sollte sich in einer V-Recovery aber überproportional erholen.
  6. Konsumentenprodukte: Die Nachfrage aus China fällt in großen Teilen erst einmal aus (wird in vielen Fällen aber wohl nachgeholt werden). Dazu produzieren viele globale Marken nach wie vor in China. Hier hängt auch viel davon ab wie schnell einzelne Unternehmen Lager in der Regel drehen (wie viele Kollektionen gibt es pro Jahr).

 

Autoren:

                  Andreas Lesniewicz

Laura Prina Cerai, CFA                                             Andreas Lesniewicz

 

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