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Börsenweisheiten auf dem Prüfstand

Börsenweisheiten auf dem Prüfstand

Wer wünscht es sich nicht: einfache aber treffgenaue Regeln, wenn es um das Investieren geht. Häufig werden hierzu die Zitate bekannter Investoren oder Börsengurus herangezogen, die Zeitpunkteffekte erklären, Hinweise zum Aktienkauf geben und zu Spekulationen mit wenig Geld raten. Was ist dran an den bekannten Heuristiken. Wir haben Horst Seibold von Dr. Boss Finanzmanagement mit den acht bekanntesten Börsenzitaten konfrontiert:

 

„Aktien kaufen und Schlaftabletten nehmen“ - André Kostolany

Das führt viele in die Irre – denn das alleine reicht nicht aus. Wenn Sie 1989 japanische Aktien gekauft hätten, wären Sie heute noch im Minus. Wenn Sie im Jahre 1999/2000 Aktien im Technologiebereich gekauft hätten, hätten Sie die Verluste genauso nie wieder aufholen können. Aktien kaufen, Schlaftabletten nehmen reicht nur aus, wenn das Portfolio sehr breit diversifiziert ist. Aber viele verstehen es falsch und meinen „ich habe drei Aktien und warte 20 Jahre, dann ist alles gut“. Bei einem wenig diversifizierten Depot kann es sein, dass man 50 Jahre wartet und dann bankrott ist.

 

„Wer gut essen will kauft Aktien, wer gut schlafen will kauft Anleihen“ - André Kostolany

Er hat damit sagen wollen, dass man langfristig mit Aktien mehr verdienen kann als mit Anleihen. Diesen Mehrverdienst erkauft man sich durch das höhere Risiko in Form von stärkeren Schwankungen. Kostolany hatte auch Kriege mit Währungsreformen mitgemacht nach denen Anleihen wertlos waren. Die Aktionäre haben den Wohlstand über schwere Krisen erhalten können, wenn sie gut diversifiziert waren. Er meint, dass langfristig an den Aktienmärkten mehr Gewinn zu holen ist, als an den Anleihenmärkten. Das unterschreibe ich auch 100%ig. Es ist auch kein Geheimnis, sondern kommt von über hunderten von Jahren Erfahrung.

 

„Wer viel Geld hat kann spekulieren, wer wenig Geld hat darf nicht spekulieren und wer kein Geld hat muss spekulieren“ - André Kostolany

Ja, darüber habe ich auch nachgedacht. Übrigens Kostolany selbst war kein guter Spekulant und Fondsmanager. Er war nicht besonders reich. Ich kenne viele Veranstaltungen, auf denen er sein Essen nicht bezahlt hat. Kostolany war ein absoluter Entertainer und ein Buchautor, der sich unglaublich gut vermarktet hat. Vieles von dem was er gesagt hat, hat Unterhaltungscharakter und ich halte ihn auch nicht für einen Philosophen.

 

„Wer gar nichts hat, muss spekulieren“.

Man könnte es so sehen: wer gar nichts hat kann natürlich auch nicht streuen. Das heißt im Umkehrschluss: Kaufen ist für ihn immer eine gewisse Spekulation. Wer viel Geld hat, muss natürlich nicht mehr so viele Risiken nehmen und kann sehr breit streuen.

Sparschweine

„Investiere nur in eine Aktie, deren Geschäft du auch verstehst“ - Warren Buffett

Das ist ein sehr populärer Satz, der sich aus zwei Perspektiven bewerten lässt. Zum einen ist er vollkommen richtig. Man sollte sich bei der Geldanlage nicht auf Dinge einlassen, die man überhaupt nicht einschätzen kann. Auf der anderen Seite bedeutet dieser Satz, dass ich einen Großteil der Anlagemöglichkeiten ausschließe oder mich selbst überschätze. Ich werde nur das nehmen, was ich verstehe. Der Chemieprofessor sagt sich: „Ich mache nur Chemieaktien“. Es gibt jedoch weit mehr, was er nicht versteht. Wenn er das alles ausschließt, kommt er langfristig auf kein gutes Ergebnis, weil diese Vorgehensweise zu Risiken führt. Ich habe den Satz im Zusammenhang mit dem „neuen Markt“ ganz oft gehört. Die neuen Markt-Aktienmanager haben gar nichts verstanden und sind dann auch ganz schnell gestorben. Man will damit auch immer wieder suggerieren „ich bin superklug“. Es braucht auch ein bisschen Überheblichkeit so etwas zu sagen.

 

„Ich kaufe in der Überzeugung, dass die Börse im nächsten Tag auch für 5 Jahre schließen könnte“ - Warren Buffett

Wohlwollend gesagt finde ich langfristigen Horizont immer wichtig. Man sollte nicht versuchen die einzelnen Schwankungen zusätzlich ausnutzen zu wollen, sondern langfristige Strategien verfolgen. Gleichzeitig sollte man sich nicht von kurzfristigen Börsenmeldungen, Gerüchten und den ganzen anderen Geräuschen am Markt ablenken lassen.

 

„Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen ist, weil sie steigt“ - Warren Buffett

Was er hiermit meint, ist auch ein Behavioral Finance-Thema. Je mehr eine Asset-Klasse, ein Wert oder ein Anlageobjekt steigt, desto populärer wird es. Es spricht sich rum, es entfacht die Gier der Leute, man rennt hinterher und begibt sich in die Gefahr einer Blase. Somit sollte man eine gute Wertentwicklung nicht als Kaufgrund nehmen. Damit kommen wir auch zum Thema Fondsratings. Es ist immer eine Gefahr, wenn Dinge so lange steigen, dass sich vielleicht eine Blase gebildet hat. Vergangenheitsergebnisse sollten nie einen großen Einfluss haben und ein Einstiegskriterium sein. Ich denke das ist eine sehr gute und wichtige Botschaft, weil wir Menschen uns davon unglaublich beeinflussen lassen. Ich habe es mit Japan 1989 mitgemacht. Die Immobilien in der Innenstadt von Tokyo waren mehr Wert, als alle Immobilien in ganz Amerika. Und je weiter es gestiegen ist, desto mehr Leute sind aufgesprungen. Und das ist eben die Gefahr, wenn man sich einen Wert unter dem Gesichtspunkt anschaut: ,,Der ist aber hoch gestiegen, da will ich auch dabei sein“. Man sollte nicht die Vergangenheitsergebnisse als Grund der Investition heranziehen.

Tablett mit Kursverlauf

„Sell in May and go away. But remember to come back in September”

Es gibt niemanden, der damit Erfolg hatte. Zufall wird von Menschen oft nicht wahrgenommen. Sollte dies wirklich so sein und entsprechende Vorteile bringen, dann würden dies die Computermodelle heute erkennen und weghandeln. Ein Vorteil innerhalb von Märkten kann gar nicht bestehen bleiben – nur bis er als signifikant erkannt wird. Dann würden alle entsprechend handeln und den Effekt sofort vernichten. Das haben ganz viele versucht und solche Analysen als zusätzlichen Prozess eingebaut. Keiner hat einen Mehrwert damit liefern können. Sie werden immer Monate finden, die besser waren. Aber das ist einfach ein Zufall.

 

 „I don´t like Mondays“.

Hier trifft das gleiche zu, wie bei den Monaten im vorherigen Zitat. Stellen Sie sich vor, der Montag wäre grundsätzlich schlechter und der Freitag angeblich besser. Wir haben uns bereits damit beschäftigt. Es hat noch Zeiten gegeben in meinem Lebenslauf, in denen ich danach gesucht und zeitweise auch daran geglaubt habe. Es ist immer faszinierend, wenn man es in der Vergangenheit betrachtet. Auch hier: in dem Moment, in dem es erkannt worden wäre, wäre der Effekt schon weg. Es ist so, dass Systeme, die Rückkopplungseffekte haben, nicht prognostizierbar sind. Wenn ich die Wetterprognose mache, dann hat meine Prognose keinen Einfluss das tatsächliche Wetter, das kann ich tun. Aber bei Aktienmärkten hat bereits jede Prognose einen Einfluss auf den Kurs.

 

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