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Bitte umdenken: Das Vermögen nicht zu häufig zählen!

Bitte umdenken: Das Vermögen nicht zu häufig zählen!

Bei den Aktien hört es sich in der Tat einfach an, ein „Langfrist-Anleger“ zu sein. Dabei ist es gar nicht so einfach über lange Zeitabschnitte auf Kurs zu bleiben. Vielen Geldanlegern macht es einfach zu viel Spaß, ständig ihr Vermögen zusammen zu zählen. Aber die ständige Schau auf die Gesamt-Vermögensaufstellung ist die Grundlage für ein regelrechtes Störfeuer bei der Langfrist-Anlage.  


In den siebziger Jahren wurde ich als Student auf dieses Thema gestoßen. Bei irgendeiner Diskussion über die Wichtigkeit der Bilanzstetigkeit machte der Professor eine gedankenversunkene Nebenbemerkung, die ich nie vergessen habe: „Es ist gar nicht gut, als Anleger oder Kaufmann sein Vermögen häufig zu zählen.“ Diese Aussage hat mich damals überrascht.

Als eifriger Jung-Börsianer gab es für mich kaum etwas Schöneres als meine Aufstellungen mit der Entwicklung meines Aktienportfolios. Täglich interessierte ich mich für die Tagesschlusskurse der Wertpapiere um 16 Uhr. Zeitweilig fieberte ich regelrecht darauf. Dabei stand ein Nachkauf oder ein Verkauf der Aktie gar nicht zur Debatte.  

Erst einige Jahre später habe ich begriffen, was mit diesem Satz des Professors eigentlich gemeint war. Der ständige Blick auf die nominale Größe des Vermögens im Geld-Gegenwert kann leicht dazu führen, das eigentliche Denken einzuengen. Der Fokus rutscht auf die statische Betrachtung des Status Quo. Der Geldanleger sollte aber immer sein Augenmerk auf die künftigen Entwicklungen setzen. Dabei geht es um die Absicherung des Ersparten auf der einen Seite und um die langfristigen Chancen der Investmententscheidungen auf der anderen Seite.

Die absoluten Zahlen und Größenordnungen eines wachsenden oder in einer Krise schrumpfenden Vermögens führen schnell in die Irre. Entweder wird der Geldanleger zu leichtsinnig im Umgang mit seinem Geld, weil er ja inzwischen „so vermögend“ geworden ist. Risiken werden verniedlicht oder vom Tisch gewischt.

Oder der Investor wird von der Angst ergriffen, da sein Kapital dahinschmilzt. Diese Sorge hindert ihn dann, einen kühlen Kopf zu behalten und den gesunden Menschenverstand einzusetzen, wenn es um seine Dispositionsentscheidungen geht. Er hängt fest in der Klammer der „Verlustangst“.

Nach meiner Erfahrung ist der in der Finanzbranche weit verbreitete Modus, nämlich monatlich oder quartalsweise über den Depotaufstellungen  zu brüten, ein falscher Ansatz. Es erschüttert mich immer wieder, wenn ich sehe, wie manches Family Office oder viele vermögende Privatanleger sogar erhebliche Summen  dafür ausgeben, sich diese Monats- oder Quartalsberichte (in Fachkreisen „Bibeln“ genannt) von Fachleuten erstellen zu lassen.

Die Besprechungstermine, bei denen dann das Zahlenwerk im Detail „durchgekaut“  wird, erinnern mich an Boulevardkomödien und haben nichts mehr mit einer besonnen, langfristigen Anlagestrategie zu tun. Mit Freude oder mit Schrecken wird zur Kenntnis genommen, dass man schon wieder um „so und so viel“ reicher oder ärmer geworden ist. In der Regel aber nur auf dem Papier! Monate, Quartale, ein Kalenderjahr – das sind künstliche Zeiteinteilungen. Entscheidend ist aber nicht die Zeit, sondern das Vermeiden von dauerhaften Verlusten und der nachhaltige Zuwachs des Vermögens: Ganz gleich, ob ich dazu zwei Jahre oder sieben Monate benötige. Die Zeit vergeht eh schnell. Das Kapital ist die feste Größe.

Dennoch sollte natürlich  jeder verantwortungsvolle Geldanleger einen Überblick über seine gesamte finanzielle Situation behalten. Ich plädiere für folgenden Ansatz: Zweimal im Jahr trage ich alle Daten zusammen und werte sie aus. Ich habe mir angewöhnt, anders als früher, mich in keinem Fall künstlich - zum Wohl des eigenen Egos - „reich“ zu rechnen.

Wie gehe ich vor?  Aktien werden bei mir immer zum Einstandskurs angesetzt. Im Fall einer argen Börsenkrise übernehme ich zum Stichtag der Vermögensaufstellung den tieferen Börsenkurs. Und dieser tiefe Wert bleibt dann auch in meiner Liste – bis zum Verkauf. Das heißt, während ich die Aktie halte, schreibe ich mir keine Buchgewinne auf. Der Gewinn „auf dem Papier“ lässt mich kalt. Ich will ihn gar nicht wissen.  Wir kennen es ja alle aus eigener Erfahrung: Schon über Nacht reicht ein unerwartetes  Ereignis aus, und die ganzen schönen Gewinne sind dahin. Erst nach einem realisierten Verkauf übernehme ich die erzielte Geldgröße.

Wenn ich Aktien über lange Zeit halte, dann hat mir zudem eine weitere „geistige Umprogrammierung“  sehr geholfen: ich habe mir angewöhnt, nur in „Stück“ zu denken, also der Anzahl meiner Aktien und nicht im Wert des Engagements. Ich möchte möglichst viele von den guten Aktien besitzen, ganz gleich, ob die Kurse nun hoch oder tief sind. Vor allem nach einem Crash sollte man  mehr Aktien in der Stückzahl besitzen, als vorher.

Der entscheidende Punkt: Ich empfinde mich wie ein „Paket-Besitzer“ und sehe mich nicht als „Geldinhaber“.  Die Hauptsache ist, dass die Anzahl meiner Aktien in der jeweiligen Position  im Lauf der Zeit anwächst.

Im Fazit bin ich mit dieser Arbeitsweise in turbulenten Marktphasen weitaus besser gefahren, als mit den viel gelobten Monatsaufstellungen samt den famosen Vermögenszuwächsen oder Vermögensverlust-Ausweisen.

Der Autor Dr. Markus Elsässer ist seit 1998 selbstständiger Investor und Fondsberater sowie Gründer der ME-Fonds, die er seit mehr als 16 Jahren betreut.

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