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Ausblick 2021 – Teil 1: Für den Value-Investor in einem anhaltenden Krisenszenario

Ausblick 2021 – Teil 1: Für den Value-Investor in einem anhaltenden Krisenszenario

Noch nie war die Grundsatzentscheidung über makroökonomische Einschätzungen und politische Entscheidungen so wichtig wie zum jetzigen Zeitpunkt. Denn davon hängt ganz entscheidend die eigene Anlagestrategie ab. Im Wesentlichen bedeutet das, ob jemand seinen Fokus mehr auf eine Absicherung legt oder eher spekulativ auf eine Veränderung der derzeitigen geopolitischen Landschaft setzt. Im ersten Schritt gilt es also, die aktuelle Lage für sich richtig zu interpretieren und im zweiten Schritt dann seine Anlagestrategie hierauf einzustellen. Dabei sehe ich grundsätzlich zwei Lager:

  1. Absicherungs- bzw. Krisenstrategie
  2. Spekulation auf baldige Änderung der Situation

Datum auf Würfel

Für den Investor mit einer Absicherungs- bzw. Krisenstrategie:

Trotz aller guter Versorgung in der Medienlandschaft mit den Entwicklungen zu Impfstoffen, Lockdowns und Firmenergebnissen, bleibt de facto die nähere Zukunft 2021 extrem ungewiss. Als vorsichtiger Kaufmann und Geldanleger gilt es jedoch, sich nicht auf allzu positive Szenarien einzurichten, sondern eher auf die Fortsetzung der Krise, um einen Schaden im Fall der Fälle zu vermeiden. Wenn man sich an große Krisen früherer Jahrzehnte erinnert, muss man in Europa an die Weltkriege denken. Der erste Weltkrieg z.B. hat vier Jahre gedauert, obwohl man am Anfang von vier bis sechs Monaten ausgegangen ist. Auch wenn kriegerische Auseinandersetzungen einen anderen Charakter haben als die derzeitige Krise, so kann man vielleicht doch ein psychologisches Grundverhalten entlang der Massenpsychologie ableiten: Der Eintritt in eine Krise ist zunächst mit großer Panik versehen. Dann gibt es zwischendrin immer wieder Hoffnungsschimmer, aber es braucht in der Regel eine lange Zeit, bis die Gesamtsituation richtig analysiert ist. Diese setzt sich dann später in den Medien durch und es werden daraufhin nötige Maßnahmen ergriffen, die nochmals später erst greifen. Von daher ist es durchaus vertretbar, für einen konservativen Investor, der auf Absicherung seines Grundvermögens abzielt, von einem Zeitraum von 3-4 Jahren für eine solche Weltkrise auszugehen. Anfang 2021 haben wir ein Jahr hinter uns und ich würde mich also als konservativer Investor auf drei weitere Jahre einrichten, die mit Beschwernissen aller Art versehen sind. Auf Basis dieser Situation würde ich dann sehr konkret Branchen und Firmen aussuchen, mit denen ich recht sicher sein kann, durch diese Krise zu kommen.

Mit dem Rückblick auf das Jahr 2020 lassen sich bereits heute (auch in Richtung 2021 und länger) die Gewinner bzw. Branchen mit Stehvermögen klar identifizieren:

  • Hier sehe ich in erster Linie den gesamten Bereich der Hygiene; am Menschen selbst, aber auch häusliche Hygiene.
  • Weiterhin hat sich eindeutig das Thema Genuss bewährt, z.B. im Bereich der Nahrungsmittel wie Schokolade und Süßwaren.
  • Auch übergreifende Themen haben in 2020 funktioniert und werden weiterlaufen. Hier stehen an aller erster Stelle Gesundheit sowie angrenzende Branchen
  • Innovative Firmen im Bereich der Digitalisierung
  • Psychologisch abgesichert ist auch das Thema der Eitelkeit. Hieraus leitet sich der Bereich der Körperpflege und Schönheit wie z.B. Haarkosmetik ab.

 

Je nachdem von welchen Branchen der Anleger überzeugt ist, lassen sich daraus börsennotierte Firmen finden. Innerhalb dieser Branchen, von denen man in Punkto Krisenresistenz überzeugt ist, sollten die besten Firmen ausgewählt werden, um sich nicht einem unnötigen Unternehmensrisiko auszusetzen.

Als krisenresistent aus den oben genannten Branchen sehe ich als Value-Investor insbesondere Anbieter von Hörgeräten, Weltmarktführer im Bereich von Zahnpflege und Zahnpasta, Weltmarktführer im Bereich Shampoo und hochpreisige Hautpflegeprodukte, Premiumhersteller bei Süßwaren und Schokoladen, Arzneimittelhersteller, Gewürze und Aromen aber auch technische Firmen wie z.B. Wartungsfirmen im Bereich der Rolltreppen und Fahrstühle. Im Rahmen einer solchen Palette hat ein langfristig denkender Investor die Möglichkeit, sich in Sachwerten zu engagieren. Sachwerte, die auch in Krisenzeiten vielleicht kein Spitzenergebnis einfahren, aber einen gesicherten Absatz haben, weil die Branchen auch in schweren Zeiten weiter funktionieren.

Ich würde den Investoren empfehlen, sich nicht auf Prognosen und Prophezeiungen über eine schnelle Veränderung der Situation zu verlassen. Impfstoff hin oder her, es ist abzuwarten. Der Charme eines solchen speziell ausgewählten Portfolios, wie wir es z.B. im ME Fonds - Special Values seit 18 Jahren betreiben, ist, dass es auch weiter funktioniert, wenn die krisenhaften Zustände abnehmen oder ganz aufhören. Dann kann man als konservativer Value Investor mit einem solchen Portfolio auch in Ruhe weiterfahren. Dies wäre mein Ratschlag für eine Denkrichtung der Fortsetzung der „normalen“ Krise, die wir 2020 erlebt haben. Diese ist für viele Branchen belastend und desaströs, aber ich ordne sie immer noch eher als eine normale Krise ein, die das Weltgeschehen nicht aus den Angeln heben wird.

Für die Investoren, die sich weitergehende Sorgen machen und schwarz sehen für 2021, gilt es den Katalog der krisenresistenten Branchen einzuengen. Im Fall einer allerschwersten Krise, für Zustände wirtschaftlichen Zusammenbruchs muss man sagen, dass dann nur noch wenige Branchen funktionieren und bei nur noch wenigen Firmen relativ sicher davon auszugehen ist, durch eine solche Zeit zu kommen. Hier sehe ich den Katalog der dann interessanten Firmen in den Bereichen Alkohol (auch schwerer), Zigaretten, Grundnahrungsmittel und Medizin. Für den Investor, der von solch einer Krise ausgeht, aber weiter in schaffenden Sachwerten wie guten Unternehmen beteiligt sein möchte, würde ich den Katalog aus dem ich meine Aktien für 2021 und danach auswähle, entsprechend beschränken.

Generell gilt für das Jahr 2021 in einem weiter krisenhaften Szenario generell, egal ob schwere oder mittlere Krise:

  • Fokus eher auf Firmen, die eher Verbrauchs- als Gebrauchsartikel herstellen, Pfennigartikel und Impulsartikel wie z.B. Kaugummi oder Artikel im untersten Preissegment.
  • Firmen, die über langjährige Wartungsverträge verfügen, die nicht einfach kündbar sind, weil ansonsten Heizungen, Klimaanlagen oder Fahrstühle nicht funktionieren.
  • Firmen die über Lizenzeinnahmen verfügen, die nicht so ohne weiteres gekündigt werden können.

 

Mein persönliches Fazit:

Die Erfahrung lehrt, dass die langfristig agierenden Investoren mit guten Sachwerten über Jahrzehnte besser fahren und ruhiger schlafen können als Geldanleger, die versuchen, über Timings die Gesamtwetterlage richtig einzuschätzen. Timing ist ein äußerst schweres Geschäft an der Börse. Häufig liegt man in der Sache richtig, aber die Zeit macht einem einen Strich durch die Rechnung. Grundsätzlich gilt es in allen kaufmännischen Belangen (auch wenn man selbst kein Unternehmer ist) immer mit der schlechteren Lösung zu kalkulieren. Sollte diese dann nicht eintreffen, hat man sich vielleicht etwas zu sehr abgesichert, aber der Schaden ist im Vergleich zu anderen Investoren deutlich eingegrenzter. Von daher würde ich für ein langfristiges Investieren plädieren, wie wir es auch im ME Fonds - Special Values tun. Dies gilt vor allem auch im Jahr 2021. Hier sollte man weiter auf die Branchen setzen, die sich im schweren Jahr 2020 bewährt haben. Ich sehe also eine Fortsetzung der Gewinnergruppe aus dem Jahr 2020. Lassen Sie sich kurzfristig jedoch nicht irritieren: Die Kurse für die Top-Firmen werden nicht schnurstracks in den Himmel steigen. Wir werden es immer mit Konsolidierungen und Gewinnmitnahmen zu tun haben und ich gehe von einer sehr starken Schwankungsbreite der Kursen nach oben aber auch unten aus. Im Vordergrund wird in 2021 nicht der quartalsmäßige Zugewinn und Kursfortschritt stehen, sondern das gute Gefühl, sein Vermögen in guten Sachwerten stabil investiert zu haben.

Teil 2 folgt: „Ausblick 2021 – Teil 2: Für den spekulativen Investor mit einem Turnaround-Portfolio“

Der Autor Dr. Markus Elsässer ist seit 1998 selbstständiger Investor und Fondsberater sowie Gründer der ME-Fonds, die er seit mehr als 18 Jahren betreut. In seinem Buch, im "Des klugen Investors Podcast"  und auf seinem YouTube-Channel geht er regelmäßig auf Handwerkszeug zum Value-Investing, psychologische Gefahren beim Investieren und wertvolle Tipps zum Vermögensaufbau ein.

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