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Anleihen? Die Aufholjagd kann beginnen

Anleihen? Die Aufholjagd kann beginnen

In der Vergangenheit wurden Investitionen in Anleihen mehrfach totgesagt. Als Grund galten u.a. das anhaltende Niedrigzinsumfeld und die Schuldenkrise in einer Vielzahl von Ländern. Dennoch haben sich Anleiheinvestments in dieser Zeit als widerstandsfähig, sprich ertragreich, erwiesen. Sie sind nach wie vor ein wichtiger defensiver Baustein in einem gut diversifizierten Portfolio. So konnten Investoren im letzten Jahr z.B. mit internationalen Staatsanleihen 4,1 %, Unternehmensanleihen global 9,2 % und Schwellenländeranleihen (Hartwährung) sogar 11,7 % erwirtschaften. Die anhaltende Corona-Krise machte im März jedoch auch nicht vor den Anleihemärkten halt. Der globale und flexibel aufgestellte Anleihefonds StarCapital Argos konnte sich dieser Entwicklung nicht entziehen und gab in dem Zeitraum um rund 10 % nach.

Adam Choragwicki, Portfoliomanager, sieht das aktuelle Umfeld als Chance und glaubt an ein fulminantes Comeback von Anleihen. Warum erläutert er im Interview

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Herr Choragwicki, obwohl Ihr Fonds zu Beginn der Corona-Krise in Staats-, Unternehmens- und Schwellenländeranleihen defensiv aufgestellt war, verlor er im März 10,5 %. Ein großer Abschlag für eine doch eher defensive Anlage. Wie kam es dazu?

Diese Wucht hat uns zugegebenermaßen auch überrascht. Zunächst waren nur High- Yield- und Schwellenländeranleihen betroffen, zeitversetzt traf es dann auch Investment Grade-Unternehmensanleihen und temporär sind gar die als sicherer Hafen geltenden US-Treasuries abgestraft worden. Die daraus folgenden Panikverkäufe führten bei Unternehmens- und Schwellenländeranleihen zur schlechtesten Monatsentwicklung seit 2008. Der Fonds war zu diesem Zeitpunkt mit rund 16 % in Staatsanleihen investiert, während auf Unternehmens-und Schwellenländeranleihen rund 75 % entfiel. Dementsprechend traf uns der Abschlag überproportional.

 

Das hört sich nicht nach einer defensiven Fondsausaurichtung an.

Da stimme ich Ihnen teilweise zu. Im Kern des Fonds bewegen wir uns im Crossover-Bereich, d.h. Fokus ist das BBB/BB-Ratingsegment. Dabei nutzen wir flexibel die gesamte Bandbreite des Anleihemarktes – bis hin zu Fallen Angels. Aus gutem Grund: 10-jährige US-Treasuries hatten in den vergangenen Jahren eine doppelt so hohe Volatilität wie IG-Unternehmensanleihen oder sogar High Yields. Dabei waren Staatsanleihen performanceseitig etwa gleichauf mit Corporates, High-Yield-Anleihen performten doppelt so gut. Wenn man mit Renten nachhaltig Geld verdienen möchte, braucht man demnach das ganze Investitions-Spektrum. Defensiv heißt in unserem Fall, dass wir uns beispielsweise bei High-Yield-Anleihen auf BB-Emittenten fokussieren, während wir CCC und niedrigere Ratings im Fonds aufgrund erhöhter und nur schwer kalkulierbarer Ausfallrisiken nicht einsetzen.

 

Unternehmens- und Schwellenländeranleihen hat es (aber gerade) besonders stark getroffen. Wie haben Sie darauf reagiert?

Antizyklisch – wir haben aufgestockt. Bei Unternehmens-und Schwellenländeranleihen auf rund 89 %, während wir Staatsanleihen auf 7 % reduziert haben (Stand: Ende Mai 2020).

Warum?

Weil hier ein enormes Aufholpotenzial liegt. Der Markt hat Ende März eine Ausfallrate für High-Yield-Emittenten von ca. 45 % und bei Investment Grade-Emittenten von ca. 12 % über die nächsten fünf Jahre eingepreist. Das scheint uns völlig überzogen.  In der Finanzmarktkrise 2008 waren diese Werte sogar noch höher, die tatsächliche Ausfallrate lag im Nachhinein jedoch nur bei ca. 13 %. Wir denken daher, dass es zu Ausfällen bei Unternehmensanleihen kommen wird, aber es wird die Unternehmen treffen, die bereits vor der Coronakrise schlecht gewirtschaftet haben. Da durch die Panikabverkäufe im März 2020 auch stabile Unternehmen abgestraft wurden, ist das Erholungspotenzial hier sehr hoch. Erste Tendenzen zeigten sich bereits seit April.

 

Wie sieht es bei den Schwellenländern aus?

Bei Schwellenländeranleihen ist der Panikverkauf im März noch stärker ausgefallen. Hier hat der Ölpreisverfall zusätzlich für einen deutlichen Anstieg der Risikoprämien gesorgt. In diesen Marktphasen wird fälschlich alles über einen Kamm geschert, egal ob berechtigt oder nicht. Dabei gibt es auch hier solide Unternehmen, die zum Teil von der Coronakrise profitieren könnten. Gerade deshalb ist uns eine selektive Auswahl möglicher Kandidaten wichtig, dann nur ein ETF kauft oder verkauft wahllos. 

 

Nennen Sie uns ein Beispiel?

Ein Beispiel ist Bulgarian Energy: die EUR-Anleihe eines Bulgarischen Versorgers (Strom & Gas). Sie ist vergleichbar mit E.ON oder RWE. Das Unternehmen befindet sich zu 100 % im Staatsbesitz und sollte kaum von der Coronakrise betroffen sein. Und dennoch: die Anleihe ist um ca. 10 % im Kurs gefallen.

Ein weiteres Beispiel ist Petróleos Mexicanos. PEMEX ist der staatliche Mineralölkonzern in Mexiko und ebenfalls zu 100 % in Staatsbesitz. Durch den Ölpreisverfall ist die Anleihe sehr stark gefallen. Der Ölpreis wird sich, eingeleitet durch die Reduktion der Fördermenge, weiter erholen und der Staatssupport für PEMEX ist unanfechtbar. Daher habe ich hier Anleihen antizyklisch aufgestockt.

Adam Choragwicki

Welches Bild ergibt sich bei EM-Staatsanleihen?                

Wir haben überwiegend EM-Unternehmensanleihen im Bestand. Auf EM-Staatsanleihen entfallen aktuell lediglich 5 % des Fondsvolumens. Viele kleinere Schwellenländer wie etwa Zambia oder Angola sind schwer getroffen und werden ihre Schulden restrukturieren müssen. Auch Argentinien ist gerade dabei umzuschulden. Das sind aber alles Emittenten aus dem CCC Ratingbereich, welche wir im Fonds nicht berücksichtigen.

 

Die Wirtschaft liegt vielerorts am Boden. Wie in jeder Krise wird es Verlierer und Gewinner geben. Was können Sie tun, um eine Investition in mögliche Verlierer zu vermeiden?

Hier tritt die Unternehmensanalyse in den Vordergrund. Wir betrachten zunächst Unternehmen mit stabilen Cashflows und vertretbarer Verschuldung. Außerdem die Bewertung einer Anleihe im Vergleich zum Sektor oder Ratinggruppe. Das Ergebnis sind meistens Unternehmen mit solider Substanz und einer attraktiveren Verzinsung. Teure Unternehmensanleihen bester Qualität oder sehr günstige „Value Traps“ werden somit vermieden.

In Bezug auf mögliche Verlierer der Krise gehen wir davon aus, dass es vor allem Unternehmen bzw. Staaten trifft, die schon vorher Probleme hatten. Ein Beispiel ist der Autoverleiher Hertz. Dieser hat kürzlich Insolvenz angemeldet. Hertz war aber bereits vor Beginn der Coronakrise angeschlagen und wurde dafür mit einem B-/B3 Rating ausgestattet. Dass ein B-, also fast CCC Unternehmen, auf absehbare Zeit eher ausfallen kann liegt nahe. Das belegt u.a. die Default Statistic von Moodys.

 

Wie steht es um klassische Staatsanleihen?

Den Anteil an Staatsanleihen haben wir im Fonds sukzessive zurückgefahren. Mitbewerber, die stark in diesem Segment investiert sind, konnten damit den Abschwung im März gut abfedern. Jetzt ist dagegen bei Staatsanleihen nicht mehr viel los. Die Renditen von 10-jährigen US- Treasuries schwanken aktuell zwischen 0,6 und 0,8 % und Bundesanleihen rentieren weit negativ. Ich sehe in diesem Segment für die kommenden Monate keine Notwendigkeit investiert zu sein.

 

Wie geht es also weiter?

Die Erholung bei Unternehmensanleihen setzt sich wie von uns erwartet fort. Die Risikoprämien (Credit Spreads) von Crossover-Anleihen sind tendenziell weiter am Fallen. Die Volatilität wird dabei hoch bleiben, so dass es auch mal schwächere Tage geben wird. Aber der Weg ist aus meiner Sicht klar. Mittelfristig wird es vor allem bei soliden Unternehmens- und High-Yield-Anleihen zu einer deutlichen Erholung kommen.

Daher bestehen genau jetzt die besten Einstiegschancen für antizyklische Investoren.

 

 

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Individuelle Kosten sind nicht berücksichtigt und würden sich negativ auf die Wertentwicklung auswirken. Bei einem Anlagebetrag von 1.000 EUR über eine Anlageperiode von fünf Jahren würde sich das Anlageergebnis im ersten Jahr um den Ausgabeaufschlag in Höhe von bis zu 50 EUR (5 %) sowie um zusätzlich individuell anfallende Depotkosten vermindern. In den Folgejahren würde sich das Anlageergebnis zudem um jene individuell anfallenden Depotkosten vermindern.
Alleinige Grundlage für den Anteilerwerb sind der Verkaufsprospekt, das Verwaltungsreglement, die wesentlichen Anlegerinformationen (KIID) sowie die Berichte des Fonds. Diese Dokumente sind kostenlos in deutscher Sprache bei der Verwaltungsgesellschaft, der IP Concept (Luxemburg) S.A. 4, rue Thomas Edison, L-1455 Strassen, Luxembourg, bzw. bei der Verwaltungsgesellschaft Universal-Investment-Gesellschaft mbH, Theodor-Heuss-Allee 70, D-60486 Frankfurt am Main sowie bei der Vertriebsstelle, der StarCapital AG, Kronberger Straße 45, D-61440 Oberursel erhältlich.
Hinweis: Die wichtigsten Begriffe sind im Glossar unter www.starcapital.de/glossar erläutert. Um Ihren Schutz als Anleger zu verbessern, sind wir gemäß § 83 (3) WpHG verpflichtet Telefongespräche, die sich auf die Annahme, Übermittlung und Ausführung von Kundenaufträgen beziehen, aufzuzeichnen.
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