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Wie Investoren von Hype-Zyklen profitieren können

Wie Investoren von Hype-Zyklen profitieren können

Ob Elektroautos, Wasserstoffantriebe oder Blockchain-Technologie: „Immer wieder entfacht an der Börse ein Hype um den neuesten Trend und vermeintlich vielversprechende Wachstumswerte“, sagt Philip Bold, Portfolio Manager bei Ethenea. Investoren versuchten dabei, Innovationen ausfindig zu machen, die zwar zukunftsträchtig sind, sich aber noch im Entwicklungsstadium befinden. Ihre Investments beruhten auf der Hoffnung, dass Aktien der entsprechenden Unternehmen ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial besitzen. „Dass die Innovationen noch nicht ausgereift sind, erschwert allerdings die Bewertung der Aktien dieser Unternehmen“, erklärt Bold. Entsprechend polarisierend sei die Debatte um solche Hype-Werte: Während manche Analysten ihnen eine große Zukunft prognostizierten, sähen andere in ihnen allenfalls einen kurzfristigen Trend mit kurzer Halbwertzeit. „Diese Differenz führt zu volatilen Bewertungen, die in der Regel stark von der fundamentalen Realität der zugrundeliegenden Innovation abweichen. Die Entwicklung der Aktien folgt dabei häufig einem Schema – dem sogenannten Hype-Zyklus, der fünf Phasen aufweist. Die Kenntnis darüber kann für Investoren nützlich sein“, so Bold.

Performance

Aus Euphorie wird Realität

Zu Beginn stehe der Auslöser, die Innovation, welche erste Aufmerksamkeit am Markt auslöst. „In der zweiten Phase erscheint die Innovation dann als vermeintlicher Durchbruch und wird von den Medien aufgegriffen. Dadurch rückt der Innovator in den breiten öffentlichen Fokus“, erklärt Bold. Aufgrund der hohen Erwartungshaltung der Investoren steige der Aktienkurs, häufig flankiert von verheißungsvollen Marktausblicken und gestützt von Analystenkommentaren. „Der Kursanstieg zieht in einer sich selbst verstärkenden Aufwärtsdynamik weitere Marktakteure an. In dieser Phase entkoppelt sich der Marktwert immer stärker von der fundamentalen Realität. Dieser Vorgang wird als Erwartungsinflation bezeichnet.“ Die hohen Erwartungen würden in der kommenden Phase der Desillusionierung dann explosionsartig zunichte gemacht.

„In Phase drei wird deutlich, dass es bis zur Massentauglichkeit der Innovation noch ein weiter Weg ist“, sagt der Experte. Hinzu komme der Finanzierungsbedarf des Innovators, der häufig durch Kapitalerhöhungen gedeckt werde und für Verkaufsdruck sorge. Die Marktakteure, die noch in Phase zwei für die Aufwärtsdynamik gesorgt hätten, seien nun die Treiber der Abwärtsdynamik. „In dieser Phase wird das Interesse am Innovator geringer und der Marktwert unterschreitet den fairen Wert.“ Darauf folge in Phase 4 die Kommerzialisierung, die wiederum einen Aufschwung mit sich bringe. „Dem Innovator gelingt es hier, sein Geschäftsmodell zu skalieren. Umsatz- und Ergebniswachstum sichern nun die Finanzierung“, berichtet Philip Bold. „Die Erwartungshaltung, reflektiert im Marktwert, nähert sich der Realität wieder an.“

Der Hype-Zyklus ende schließlich in Phase 5 mit der Massenadoption. „Die ursprüngliche Innovation wird als marktreifer Anwendungsstandard angenommen.“ In dieser Phase seien Realität und Erwartung, abgesehen von kleinen temporären Abweichungen, weitestgehend deckungsgleich. Wichtig bleibe trotzdem: „Hypes können sich insbesondere in den Anfangsphasen des Zyklus als Augenwischerei entpuppen und ebenso schnell verschwinden, wie sie erschienen sind“, so Bold.

Drei Strategien für den Umgang mit Hype-Zyklen

Grundsätzlich könnten Investoren durch einen Hype-Zyklus kalt erwischt werden – besonders dann, wenn sie die frühen Phasen nicht richtig einordneten. Laut Philip Bold gibt es drei Strategien, die Investoren wählen können, um sich in diesen Phasen zu positionieren. „Die erste ist das Glücksspiel: Eine Positionierung in Phase 1, in der ein Hype-Zyklus ausgelöst wird. Das setzt voraus, dass man zeitnah von der Innovation erfährt und in der Lage ist, sie fundiert zu beurteilen.“ Doch wie soll das möglich sein, wenn bisher nur wenig Informationen über die Innovation bekannt sind? Eine solche Spekulation gleiche nach Einschätzung von Bold oftmals reinem Glücksspiel. Die zweite Strategie nutzt die Irrationalität der Marktteilnehmer aus. „Investoren können in Phase 2, in der die Bewertung die zugrundliegenden Fundamentaldaten stark überschießt, auf den Zug aufspringen – sie müssen aber darauf achten, nicht als letzter in ihm sitzen zu bleiben“, sagt der Fondsmanager.

Die wohl vielversprechendste Strategie sei allerdings die dritte Strategie, die des Contrarian. Ebenso wie in Phase 2, der Erwartungsinflationsphase, ein Wert überschätzt werde, so werde er in der Desillusionierungsphase 3 in ähnlichem Maße unterschätzt. „Das kann einen geeigneten Zeitpunkt zum Aufbau einer langfristigen Position darstellen“, sagt Bold. „Das Unternehmen sollte dann bewiesen haben, dass sein Geschäftsmodell funktioniert. Zudem hat die vorausgegangene Abwärtsdynamik unter Umständen zu einer attraktiven Bewertung geführt.“ Aber auch in dieser Phase sei eine Investition wegen der immer noch hohen Unsicherheit riskant, erklärt Philip Bold: „Es gilt also Vorsicht zu bewahren und sich nicht ohne ausgereifte Strategie in Hype-Werte zu stürzen.“

 

Stand: 17.11.2021

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