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Value Investing – Arbeiten Profis anders und wie lange sollte ich anlegen?

Value Investing – Arbeiten Profis anders und wie lange sollte ich anlegen?

Auch Privatanleger sollten sich an das Thema Value Investing wagen. Die Idee, günstige Aktien zu kaufen, entspricht der Intuition eines jeden Anlegers. Aus unserer Sicht liegen die Vorteile eines professionellen Anlegers beim Value Investing in drei Bereichen:

Bilanz

1) Wir nutzen andere Kennzahlen. Beim Value-Investing im traditionellen Verständnis werden günstig bewertete Unternehmen häufig anhand von zwei Merkmalen identifiziert: dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Diese Vorgehensweise wurde im letzten Jahrhundert entwickelten und der Erfolg in zahlreichen Studien empirisch nachgewiesen. Insbesondere Privatinvestoren verwenden diesen Ansatz auch heute noch, da sie schnellen und einfachen Zugriff auf diese Kennzahlen haben.

Unsere Kapitalmarktforschung hat in einer groß angelegten Studie Anfang des Jahres jedoch verdeutlicht, dass dieser Ansatz nicht mehr zeitgemäß ist und insbesondere in den letzten 10 Jahren dem Privatanleger viele Fehlsignale geliefert hat. Der Grund: Im letzten Jahrhundert, als die Titelauswahl mit Hilfe von KBV und KGV entwickelt wurde, waren viele Unternehmen in der Fertigungsindustrie (z.B. VW) aktiv und hatten demnach z.B. einen Fabrik- und Lagerbestand. Damit kommt es zu hohen Buchwerten und wegen der über viele Jahre gestreckten Abschreibungen

auch zu hohen buchhalterischen Gewinnen. Wenn Anleger dann feststellen, dass der Aktienkurs niedriger als der Buchwert ist, ist dies ein traditionelles Value-Kaufsignal.

Diese Überlegung lässt sich auf einen Großteil der Unternehmen wie etwa Facebook & Google heute jedoch gar nicht mehr übertragen. Diese Unternehmen investieren überwiegend in immaterielle Vermögensgüter wie Software, Lizenzen oder Patente, und müssen diese noch im selben Jahr vollständig als Kostenfaktor abschreiben. Entsprechend bleibt die Bilanz bzw. der Buchwert des Unternehmens klein und der ausgewiesene Gewinn niedrig, selbst wenn diese Unternehmen identisch hohe Cash-Flows wie ein Industrieunternehmen erwirtschaftet haben: Die Folge sind hohe Kurs-Buchwert- und Kurs-Gewinn-Verhältnisse – womit die meisten erfolgreichen und innovativen Unternehmen der letzten Jahre durch das klassische Value-Raster fallen. Ein Effekt, der durch die Underperformance traditioneller Value-Faktoren in den letzten Jahren bestätigt wird.

Als professionelle Anleger beschäftigen wir uns natürlich intensiver mit dem Thema und entwickeln deshalb unseren Prozess ständig weiter. Ziel unsere letzten Studie war es, geeignete Kriterien zu Identifikation von Value-Unternehmen mit attraktivem Ertragspotential zu ermitteln und anhand empirischer Methodik zu verifizieren. Basierend auf dieser Arbeit haben wir eine Kombination aus zwei Kennzahlen identifiziert, die dem klassischem Value-Ansatz in moderner Form gerecht werden. So lieferten die Unternehmen die besten Ergebnisse, bei denen sowohl eine hohe Profitabilität (Gross Margin bzw. Bruttomarge) vorhanden ist, als auch eine positive Bewertung vorliegt – gemessen an der Kennzahl EV/EBITDA (Enterprise Value (Unternehmenswert) im Verhältnis zum Gewinn vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen). Wir nennen diesen Ansatz daher Profitable Value.

Diesen Ansatz setzten wir bei StarCapital sehr erfolgreich um. So liegt die Rendite unseres Value-Aktienfonds in diesem Jahr bei rund 15% und konnte Wettbewerber und Value-ETFs deutlich hinter sich lassen (Stand: 19. Mai 2021).

Mit wenigen Klicks können Privatanleger die von StarCapital verwendeten Value-Kennzahlen jedoch nicht ermitteln, da die meisten kostenlosen Datenanbieter nur die alten Value-Kennzahlen bereitstellen.

 

2) Wir vermeiden Value-Traps: Weiterhin ist ein Hauptteil unserer Arbeit Value-Traps, also Unternehmen die zurecht günstig bewertet sind, von denen zu unterscheiden, die wirklich gut sind und Wachstumschancen bieten . Hierfür kommt uns die Verwendung der Profitabilitätskennzahlen wieder zugute und wir schauen bei Bedarf tiefer in die Bilanz bzw. analysieren diese intensiver.

Damit erschließt sich für professionelle Value-Investoren eine zusätzliche Dimension: Neben durchschnittlichen Unternehmen zu Discount-Preisen (Value) können durch Hinzunahme der Profitabilitätskennzahl nun auch hochprofitable Unternehmen zu fairen Preisen identifiziert und gekauft werden. Benjamin Grahams bekanntester Schüler Warren Buffet bekennt sich selbst zu dieser Form des Value Investing: „It’s far better to buy a wonderful company at a fair price than a fair company at a wonderful price”.

So waren beispielsweise viele deutsche Banken schon vor zehn Jahren günstig bewertet, aber die Kurse sind nahezu ohne Unterbrechung gefallen. Wir sind in der Lage solche Fallen mit unseren großen Datenbeständen und dem entsprechenden Zeiteinsatz besser zu identifizieren und Value-Traps zu vermeiden.

 

3) Wir kaufen konsequent: Wenn der Privatanleger eine günstig bewertete Aktie kaufen möchte und diese im Rahmen seiner Recherche beobachtet, ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, sich durch negative Schlagzeilen/Berichterstattung verunsichern zu lassen. Dies führt dazu, dass private Investoren sich letztlich eher für medial beliebte Unternehmen entscheiden, und somit meist teure Aktien anstelle von Value-Aktien kaufen.

Es kostet Überwindung, günstige und unbeliebte Titel nach umfassender Analyse zu kaufen. Vielen privaten Anlegern fehlt auch die Zeit und Muße zur umfassenden Recherche. Wir nehmen den Privatanlegern diese Entscheidung ab.

Wir profitieren im Fondsmanagement zudem von dem Zugang zu sekundärem Research, der eigenen jahrelangen beruflich geprägten Erfahrung oder auch unserer Ausbildung. Ich habe z.B. einen Masterabschluss mit dem Schwerpunkt auf Unternehmensbewertung. Dieser ist zwar keine Bedingung für erfolgreiche Aktienselektion, hilft aber sicherlich an vielen Stellen, um die Bilanz, GuV oder das wirtschaftliche Umfeld eines Unternehmens besser zu verstehen.

 

Bedeutet Value nicht auch immer einen sehr langen Anlagehorizont für den Anleger?

Grundsätzlich sollte man am Aktienmarkt immer längerfristig agieren. Jeder Anlagestil kann durchaus mal Phasen haben, in denen es nicht so gut läuft. Wenn der Investor einen langfristigen Horizont hat, kann er solche Phasen einfach aussitzen. Wichtig ist vor allem, dass man von der Investment-Strategie grundsätzlich überzeugt ist und an eine langfristige Outperformance glaubt. Schwächephasen sollten dann einfach ausgesessen werden oder sogar als antizyklische Kaufgelegenheiten gesehen werden.

Value-Investoren sollten auch für gewisse Zeiträume Beharrlichkeit beweisen können und kurzfristige Underperformance wie im letzten Jahr aushalten zu können. In der Regel wird der disziplinierte Investor für (kurze) Durststrecken in der nächsten Marktphase überproportional belohnt. Das Schlimmste ist natürlich, in einer Phase der Schwäche zu verkaufen. Einerseits würde damit die schwache Performance realisiert, also monetär auf dem Konto des Investors gebucht. Andererseits profitiert der inkonsequente Value-Investor nicht von der folgenden Value-freundlichen Marktphase wie wir sie jetzt erleben und für die nächsten Jahre erwarten!

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