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Trends und Warnsignale früh erkennen

Trends und Warnsignale früh erkennen

Wie kann man Trends oder Warnsignale rechtzeitig wahrnehmen und damit die eigenen Investments vor Schaden bewahren? Anders als Sie vielleicht denken, werden Katastrophen meistens frühzeitig angezeigt. Dazu hat Dr. Markus Elsässer fünf Beispiele zusammengestellt:

Glühbirne

1) Online-Verkauf von Estée Lauder schon 1990

Das erste Beispiel ist aus dem Buch von Leonard Lauder, in dem er seine Arbeit im Estée Lauder Konzern beschreibt: Der Trend zu mehr Online-Verkauf. Das ist hoch aktuell und in Zeiten von Corona nochmals so verstärkt auf den Tisch gekommen, dass es dem Einzelhandel an den Kragen geht. Jetzt raten Sie mal, wann die Aktiengesellschaft Estée Lauder an der New Yorker Börse im operativen Geschäft angefangen hat, online Sales zu etablieren. Ich war überrascht. Im Jahr 1990, also vor 30 Jahren hat dieser Weltkonzern angefangen, eine Online Division aufzubauen. Die Beobachtung und intensive Beschäftigung mit einer Aktiengesellschaft hätten Ihnen durchaus schon damals Hinweise geben können, dass dies ein Feld ist, mit dem man sich beschäftigen sollte. Ohne Not wird ein solcher Konzern wie Estée Lauder das sicher gemacht haben.

 

2) Karikatur zu digitalem Wandel 1954

Ein anderes Beispiel stammt aus einem meiner Lieblingsbücher aus meinem Geburtsjahr 1956, das nicht mehr zu erwerben ist: A CENTURY OF PUNCH. Punch ist ein satirisches Magazin und in diesem Buch ist eine Vielzahl der herausgegebenen Karikaturen abgedruckt. Darin habe ich eine Karikatur gefunden, die einen kleinen Jungen zeigt, der ganz versunken im Sessel sitzt und ein Buch liest, während die ganze Familie vor dem nagelneuen Fernseher hängt.

Quelle: Punch, 1954

Die Bildunterschrift lautet: „We are rather worried about William“. William ist der kleine Sohn mit Buch im Sessel. Bereits 1954 begann der Siegeszug der digitalen Welt. Wer sehr langfristig und weitsichtig gedacht hat, hat nicht auf Papier und Buchbinderei gesetzt, sondern auf die modernen Medien. 1954 wurde dies bereits als Karikatur und treffsichere Analyse der Zeit interpretiert.

 

3) Karstadt und ALDI

Ich habe in meinem ganzen Leben keine einzige Kaufhaus-Aktie besessen, obwohl diese insbesondere in den 80er Jahren absolute Könige waren. Das aus der einfachen Beobachtung heraus, wie der Aufsichtsrat bei einem großen Kaufhauskonzern in Deutschland zusammengesetzt war: Da saßen im Aufsichtsrat im Ruhrgebiet z.B. gar keine richtigen Kaufleute, die aus dem Warengeschäft kamen und somit eine haptische Ahnung haben. Da saßen die Ruhrbarone, die von Tuten und Blasen keine Ahnung hatten, wie es im Einzelhandel zuging und schließlich wurde sogar ein Finanzvorstand Chef des Warenhauskonzerns. Handelsgeschäft mit vielen Kunden und Konsumenten am Tag ist eine Kunst. Das kann man nicht an der Universität lernen; es hängt jeden Tag vom Wetter ab, von der Stimmungslage, von der Mode oder von Farben und Düften usw. Dieses Talent ist in reinen Managementstrukturen bei Leuten mit Universitätsabschluss versunken und der ganze Zahn der Zeit wurde überhaupt nicht genutzt, denn die Finanzkraft war enorm. Auch Karstadt hätte sich zu etwas wie Amazon entwickeln können. Sie hatten die Chance und die die besten Voraussetzungen. Genauso wurde sich über die Gebrüder Albrecht (Gründer des ALDI-Konzerns), als „einfache Discounter“ lustig gemacht. Man hat sie nicht ernst genommen und für kleine popelige Kaufleute gehalten. Die Kraft von solchen Firmen, wie damals den Kaufhauskonzernen, hält 5-10 Jahre an. Aber die Zeit und der Trend nagen an diesen Dinosauriern. Ich würde in nichts investieren, wo permanent auch nur der kleinste Gegenwind herrscht und dieser eher zu- als abnimmt. Warum sollen Sie sich das antun? Das ist wie tanzen auf einem Sprungbrett. Ein kleiner Tritt nach links, und Sie sind unten.

 

4) Wirecard

Selbst Zusammenbrüche von Börsenfirmen über Nacht bahnen sich an. So auch im Jahr 2020 bei der Firma im internationalen Zahlungsverkehr mit Hauptsitz in München. Ich habe die Aktie weder besessen noch propagiert. Dieser Komplettzusammenbruch und Totalverlust der Aktionäre kam nicht über Nacht. Schon 2 Jahre zuvor gab es kritische Artikel bei der Financial Times und die Tatsache, dass diese als Nationalbeschmutzung bewertet wurden und dass es angeblich eine deutsche Behörde gab, die gegen diese Journalisten gerichtlich vorgegangen ist, hätte mich mehr als bestätigt, bei dieser Firma nicht engagiert zu sein. Ich habe es schon oft gesagt: wenn man die Lage einer Firma nicht richtig beurteilen kann, man Gutes und Schlechtes hört und es 50/50 auf der Kippe steht, darf man dort nicht (mehr) engagiert sein. Das Entscheidende ist das konsequente Handeln aus Ihren Beobachtungen heraus. Viele von Ihnen beobachten, aber handeln nicht konsequent.

 

5) Bayer und Monsanto

Man hat immer genug Zeit, rechtzeitig aus sich verschlechternden Situationen herauszukommen. Hierzu möchte ich das Beispiel des schlechten Kursverlaufs der Firma Bayer AG heranziehen. Das ist keine Kauf-/Verkaufsempfehlung. Ich bin kein Bayer-Aktionär und habe hierzu auch keine Meinung. Ich stelle nur fest, dass der Kurszusammenbruch der Bayer Aktie im Wesentlichen durch die teure Akquisition von Monsanto mit den Folgeproblemen zustande kam. Es ist aber keineswegs so, dass die Übernahme von Monsanto innerhalb von einer Minute passierte. Sie war monatelang angekündigt und als die Fusion vollzogen war, war immer noch sehr viel Zeit mit hohen Kursen. Das heißt, Sie als Aktionäre hatten viel Zeit, darüber nachzudenken, ob eine solche Großakquisition (auf Kredit) in einem solchen speziellen Tätigkeitsfeld sinnvoll ist oder nicht. Es braucht immer viel Zeit, bis die Kurse auf so etwas reagieren. Wenn solche fundamentalen Veränderungen i.S.v. Diversifikation bei einer Firma angekündigt werden, bei der man engagiert ist oder sich engagieren möchte, ist es äußerst wichtig, das zu analysieren und entsprechend konsequent zu handeln. Wenn Sie das ein Leben lang durchhalten, besteht eine große Chance, dass Sie substanzielle Kursverluste vermeiden können. Das wünsche ich Ihnen!

Der Autor Dr. Markus Elsässer ist seit 1998 selbstständiger Investor und Fondsberater sowie Gründer der ME-Fonds, die er seit mehr als 18 Jahren betreut. In seinem Buch, im "Des klugen Investors Podcast"  und auf seinem YouTube-Channel geht er regelmäßig auf Handwerkszeug zum Value-Investing, psychologische Gefahren beim Investieren und wertvolle Tipps zum Vermögensaufbau ein.

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