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Q&A mit Dr. Markus Elsässer: Investmentbüros, Reports, berufliche Einbahnstraße und Informationsbeschaffung

Q&A mit Dr. Markus Elsässer: Investmentbüros, Reports, berufliche Einbahnstraße und Informationsbeschaffung

In vergangenen Videos haben wir Sie dazu ermutigt, Fragen in die Chatfunktion zu stellen und einige ausgewählte Fragen möchte ich Ihnen heute beantworten.

Glühbirne

Ist die Einrichtung eines Investmentbüros sinnvoll?

Ich halte es für sehr wichtig, dass man sich ein gut organisiertes Umfeld, in dem man sich generell wohlfühlt, schafft. Denn das Recherchieren über Aktien, das Disponieren, Entscheidungen treffen – diese Sachen müssen wohlbedacht geschehen. Ich würde mir immer einen gewissen zeitlichen Rahmen stecken, sodass man sich gezielt und intensiv mit der persönlichen Finanzlage auseinandersetzen kann. Investieren Sie immer erst nach einem Moment der Ruhe und nachdem Sie Zeit hatten Ihre Emotionen zu sortieren! Häufig investieren Menschen lediglich aufgrund der Angst und Sorge, einen Gewinn nicht zu realisieren oder nicht dabei zu sein, auch FOMO (Fear of missing out) genannt. Viele benötigen dazu ein bestimmtes Ambiente. So hat der Börsen- und Finanzexperte Andre Kostolany grundsätzlich klassische Musik gehört und in seinem Sessel gelegen. Ich persönlich leiste mir den Luxus, sehr viel Raum in Anspruch zu nehmen: Ich habe verschiedene Räume für verschiedene Themen, die ich durch unterschiedliche Farbgebungen verschiedenen Themen zuordne. Wovon ich aber abrate, ist ein Investmentbüro zu engagieren, auch wenn Sie es sich finanziell leisten können. Klug investieren hat viel mit Fleiß zu tun, aber Fleiß im Sinne von Ruhe und viel Denken und nicht mit Aktionismus! Ein großer Trugschluss ist es zu meinen, dass man für die Bewirtschaftung des Geldes viele Mitarbeiter benötigt. Erfolgreiches Investieren hat mit Intelligenz zu tun, mit Wahrnehmung, kaufmännischer Beurteilungsfähigkeit und mit der Einschätzung des Zeitgeistes – ich kenne viele Investoren, die das sehr effizient mit einer Teilzeit-Sekretärin machen.

Wie sieht Ihr selbst erstellter Jahresreport aus?

Es lohnt sich für jeden Investor, die jährlichen Aktivitäten im Aktiendepot, also die Käufe und Verkäufe zu dokumentieren! Dabei meine ich nicht, dass man die Belege einfach im Aktenordner schlummern lässt, sondern dass man sich ein Jahresreport erstellt, ähnlich einem Jahresabschluss. Erst mal sollte man schauen, wie viel Depotvermögen am Jahresanfang und am Jahresende da war. Dann schaut man sich die Struktur an: In welchen Aktien und Branchen war man zu welchen Einstandskursen engagiert und wie sieht die Struktur am Jahresende aus? Der dritte Block ist die Interpretation der Transaktionen. Wo war man optimistisch und hat nachgekauft als Cash frei wurde und aus welchen Gründen? Man sollte Jahre später noch nachvollziehen können, warum etwas entstanden ist. Bestenfalls schreibt man einen Report so, dass es für einen neutralen Dritten nachvollziehbar ist. Wenn man fünf gut geschriebene Reports hintereinander liest, dann weiß man genau, wie und warum das Depot überhaupt zustande gekommen ist. Dann kann man die Gegenwart und Zukunft viel besser beurteilen.

Was macht man, wenn man sich berufsmäßig verrannt hat?

Es gibt nie einen Grund, den Kopf hängenzulassen. Sie dürfen nicht glauben, dass alle erfolgreichen Menschen nie einen Rückschlag erlitten haben. Ganz im Gegenteil: Ich würde behaupten, dass fast alle, die besonders erfolgreich sind, auch eine Zeit von viel Leid und Widerstand hatten. Wenn Sie sich in einer beruflichen Sackgasse befinden, ist der erste Schritt die nüchterne, ehrliche Analyse. Wie kommt es, dass ich in der Sackgasse bin? In meinem Buch „Dieses Buch ist bares Geld wert“, habe ich folgenden amerikanischen Spruch genannt:

“If the cow is in the ditch, try to find out why it got in the ditch, get it out of the ditch and make sure the cow doesn’t fall into the ditch again.”

Entscheidend ist die positive und optimistische Grundeinstellung. Ich wundere mich immer, dass Menschen sich so festgenagelt fühlen, nur weil sie irgendwann mal eine Berufsausbildung gemacht haben. Es ist nie zu spät, selbst wenn Sie 42 Jahre alt sind! Wenn Sie einen Partner haben, der Ihnen hilft oder eine Familie, die Sie unterstützt, können Sie innerhalb von drei Jahren eine komplett neue Ausbildung machen und noch 20 Jahre lang davon profitieren. Es ist nie zu spät für einen Neustart! Wenn Sie davon überzeugt sind, werden Sie auch Möglichkeiten und Wege finden, das zu finanzieren und die Opfer durchstehen oder Sie werden es gar nicht als Opfer empfinden.

Lohnt es sich, als Geringverdiener mit Aktien aktiv zu werden?

Schauen Sie auf Ihre Kassenhaltung und investieren Sie nur das Geld, welches Sie zum Leben nicht benötigen! Nehmen Sie niemals Geld aus der Haushaltskasse und nehmen Sie es nicht in Kauf, dass Ihre Familie unter Ihren Investments leidet!

Wie beschaffen Sie sich Ihre Informationen über die Unternehmen, in denen Sie investiert sind?

Gut regulierte Börsen sorgen dafür, dass die notierten Aktiengesellschaften uns umfangreich mit Informationen versorgen. Fast alle internationale Aktiengesellschaften haben eine sogenannte E-Mail Alert Liste, auf die man sich kostenlos über die Investor Relations Seite anmelden kann. So erhält man jedes Mal einen Hinweis per Mail, wenn die Firma etwas veröffentlicht. Allein diese Primärinformationen sind Gold wert! Wenn Sie zusätzlich die Quartalsberichte bzw. die Geschäftsberichte ordentlich lesen, dann werden Sie staunen, wie Sie mit dem aufgebauten Knowhow zum Experten der Firma werden!

Der Autor Dr. Markus Elsässer ist seit 1998 selbstständiger Investor und Fondsberater sowie Gründer der ME-Fonds, die er seit dem Jahr 2002 betreut. In seinem Buch, im "Des klugen Investors Podcast"  und auf seinem YouTube-Channel geht er regelmäßig auf Handwerkszeug zum Value-Investing, psychologische Gefahren beim Investieren und wertvolle Tipps zum Vermögensaufbau ein.

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