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Inflation alarmiert EZB und Fed

Inflation alarmiert EZB und Fed

Investoren rund um die Welt fragen sich zurzeit: Haben wir den Zenit der Inflation bereits erreicht? Die Antwort darauf ist nicht einfach, sagt Dr. Volker Schmidt, Senior Portfolio Manager bei Ethenea Independent Investors S.A., „Sowohl die EZB als auch die Fed sind aktuell alarmiert. Denn sie müssen penibel auf die Inflationserwartung des Marktes achten – steigen diese, wären die Zentralbanken gezwungen, ihre Politik zu verschärfen“, sagt Dr. Schmidt.

Kapital anlegen im großen Zusammenhang

Dschungel aus Inflationsfaktoren

„Sowohl die Fed als auch die EZB werden ihre Zinssätze wie geplant weiterhin anheben“, prognostiziert der Fondsmanager. So sei eine neue Zielzone von 2,5 bis 2,75 Prozent oder sogar leicht darüber wahrscheinlich. Die EZB sollte zudem die negativen Zinssätze für ihre Einlagenfazilität bis zum Jahresende aufheben. 

Komplizierter sei der Ausblick auf die zukünftige Inflationsentwicklung. Während in den USA einzelne Komponenten der Inflationsberechnung bereits rückläufig seien oder nur noch langsam anstiegen, nähmen die Kosten für Mieten und Eigenheimbau gerade erst Fahrt auf. „Zudem werden die sogenannten Zweitrundeneffekte, also höherer Löhne, Energiepreise und Transportkosten, weiterhin für steigende Preise von Gütern und Dienstleistungen sorgen“, sagt Dr. Volker Schmidt.

Das Tempo sei dabei kaum vorhersehbar. So hätten in Europa etwa die explodierenden Energiepreise eine herausragende Bedeutung für die Inflationsentwicklung. Und eine Prognose der weiteren Entwicklung sei vor dem Hintergrund von möglichen Boykotten und einer von der Windentwicklung und vom Wasserstand abhängigen Stromerzeugung kaum möglich. Dem stünden staatliche Eingriffe noch nicht bezifferbaren Ausmaßes gegenüber, die zwar die Inflation reduzieren, aber gleichzeitig zu höheren Staatsschulden führen, erklärt Dr. Schmidt. „Sowohl in den USA als auch in Europa wird die Inflation so im zweiten Quartal wahrscheinlich noch einmal leicht ansteigen“, so Dr. Schmidt. Für Europa seien Inflationsraten von über fünf Prozent im Dezember 2022 nach wie vor realistisch.

Wer ersetzt Zentralbanken als Käufer?

Für die Entwicklung der Langfristzinsen der Zentralbanken sei dabei die längerfristige Inflationsentwicklung ab 2023 relevant. Hier sei die Zukunft ungewiss. So könnte etwa die Reduktion der Zentralbankbilanz in den USA und die ausbleibenden Käufe durch die EZB zu Verwerfungen führen. „Niemand weiß, wer die Zentralbanken als Käufer ersetzen soll“, sagt Dr. Volker Schmidt. Deswegen sei ein zumindest temporärer Anstieg der 10-jährigen Bundrenditen auf 1,25 Prozent und der 10-jährigen Treasury-Renditen auf 3,25 Prozent im zweiten Quartal wahrscheinlich. „Danach sollte sich der Markt aber erstmal beruhigen“, so Dr. Schmidt weiter. Denn die Renditeanstiege seien bereits jetzt gewaltig. 

Einen weiteren Wirtschaftsaufschwung schließt der Experte jedenfalls sowohl in der Eurozone als auch in den USA bei hohen Inflationsraten aus. „Entweder schwächelt erst die Wirtschaft und sorgt nachfolgend für niedrigere Inflation und geringeren Handlungsbedarf der Zentralbanken oder eine beständig hohe Inflation drückt auf die Stimmung der Verbraucher und sorgt so für einen deutlichen Wirtschaftsabschwung“, meint Dr. Volker Schmidt.

Erwachse in diesem angespannten Umfeld die Erwartung, dass die Inflationsraten ab 2023 sich eher zwischen drei oder vier Prozent einpendeln, müssten die Zentralbanken ihre Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung erneut verschärfen, schließt Dr. Schmidt. Ein weiterer Anstieg der Zentralbankzinsen und der Langfristzinsen wäre die Folge.

Stand: 20.05.2022

 

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