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„Assetklassen-Tuning“ mit Gesundheits-Aktien

„Assetklassen-Tuning“ mit Gesundheits-Aktien

Leistungssteigerung durch Tuning: Im Automobilbereich gehört es mittlerweile zum guten Ton, den vermeintlichen Standard zu optimieren – egal ob in optischer oder technischer Hinsicht. Was in der Automobilindustrie funktioniert, ist auch bei der Geldanlage möglich – und zwar aus dem Inneren der Assetklasse heraus.

Andreas Dittmer

Niedrige Renditen und Nullzinsen sind seit einigen Jahren an der Tagesordnung. Und dies zum Leid der Anleger. Mehr als 7 % Rendite per annum - das hat ein Investor in den vergangenen 15 Jahren gemessen am MSCI World mit einem globalen Aktienportfolio. Das entsprechende Risiko (Volatilität) lag bei rund 15 % pro Jahr (per 31.03.2021). Die Ertragserwartungen eines global diversifizierten Wertpapierdepots dürften in den kommenden Jahren tendenziell abnehmen. Bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich abgezeichnet, dass der konjunkturelle Aufschwung nach gut zehn Jahren an Dynamik verliert. Die Folgen von Pandemie(n) werden die Phase der Spätzyklik verstärken und Unternehmensgewinne signifikant weiter abschwächen.

Aktien bleiben ein Muss
Trotz der insgesamt durchmischten Aussichten bleiben Aktien ein Muss für jeden langfristigen Anleger. Denn auf absehbare Zeit dürfte es schwierig bleiben, an den Rentenmärkten nennenswerte Renditen zu erwirtschaften. Und wenn die Zinsen wider Erwarten anziehen sollten, sind bei Anleihen schmerzhafte Kursverluste vorprogrammiert. Außerdem können Anleger die Rendite ihres Aktien-Portfolios ohne komplizierte Derivatestrukturen und einen Assetklassenwechsel verbessern und zugleich dessen Risiken verringern, indem sie das Portfolio von innen heraus optimieren, also „tunen“.

Einen besonderen Charme weisen in diesem Zusammenhang Werte der Gesundheitsbranche auf, mit so vielfältigen Sub-Branchen wie Biotechnologie, Dienstleistungen, Medizintechnik, Pharma oder Digital Health. Denn der weltweite Gesundheitsmarkt ist vergleichsweise wenig abhängig von Konjunkturzyklen und sorgt so für Stabilität im Depot. Menschen, die krank sind, verlangen auch in wirtschaftlich schwächeren Zeiten eine angemessene medizinische Versorgung. Vielmehr wächst der Healthcare-Sektor selbst in konjunkturell unsicheren Phasen relativ stetig. Das zeigen zumindest die Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Mehrere Wachstumstreiber
Es gibt gleich mehrere Entwicklungen, die für eine Expansion des weltweiten Gesundheitswesens sorgen. Zu den wichtigsten Wachstumstreibern zählt die demographische Entwicklung. Weltweit nimmt die Bevölkerung von Jahr zu Jahr zu. In den zurückliegenden Jahren stieg sie um fast 80 Millionen Menschen per annum. Die UNO rechnet damit, dass sich die weltweite Bevölkerung von derzeit rund 7,8 Milliarden bis zum Jahr 2050 auf circa 9,7 Milliarden Menschen erhöht. Gleichzeitig nimmt die Lebenserwartung stetig zu. Die Menschen werden immer älter und damit insgesamt auch krankheitsanfälliger. Der Bedarf an Gesundheitsleistungen steigt.

Ein weiterer wichtiger Wachstumstreiber ist der Aufstieg der Emerging Markets. In Ländern wie Indien oder China gehören immer mehr Menschen der dortigen Mittelschicht an und können sich eine adäquate medizinische Versorgung leisten. Diese Schwellenländer bauen den Zugang zur Gesundheitsversorgung systematisch aus. Und noch mehr: Asien wandelt sich dieser Tage zu einem regelrechten „Innovation-Hub“ für medizinische Leistungen. In den USA und in Europa veranschlagen Experten das Wachstum des Gesundheitswesens auf rund 4 % pro Jahr. In den Schwellenländern erwarten sie dagegen ein jährliches Plus von fünf bis 9 %. (Quelle: HBM Healthcare). Nach Schätzungen der WHO sowie der Unternehmensberatungen Deloitte oder Roland Berger werden die Gewinne der Unternehmen im globalen Gesundheitssektor bis zum Jahr 2030 um 5,9 % per annum wachsen.

Innovationen im Biopharma-Bereich beflügeln Subsektoren
Schließlich treiben auch die Innovationen in den verschiedenen Subsektoren das Wachstum des Gesundheitswesens mit an. So lassen sich immer mehr Krankheiten mit neuen Therapien lindern oder zum Teil sogar heilen, die früher nicht als behandelbar galten. Die beiden Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und von Moderna basieren erstmals auf der mRNA-Technologie. Ursprünglich forschte Biontech an m-RNA, deutsch Boten-RNA genannt, um neuartige Krebsmedikamente zu entwickeln. Der Durchbruch bei den Corona-Vakzinen könnte durchaus bedeuten, dass es künftig weitere Erfolge mit dieser Technologie bei der Entwicklung anderer Vakzine oder Medikamente gibt. Dabei erweisen sich Medikamente zur Behandlung von Krebs als überdurchschnittlich stark wachsendes Healthcare-Segment. Die weltweiten Ausgaben für Krebstherapien sind in den Jahren von 2014 bis 2019 von 81 auf 143 Milliarden Dollar angewachsen, so Iqvia Institute Global Oncology Trends. Allein von 2018 bis 2019 wuchs der Markt um 13,5 %. Experten rechnen bis 2024 mit einem weiteren Anstieg.

Außer bei Behandlungen der verschiedenen Krebskrankheiten gibt es bei Therapien von sogenannten Seltenen Krankheiten (Orphan) ein riesiges Potenzial. Bislang lassen sich erst um die fünf % dieser Seltenen Krankheiten mit zugelassenen Medikamenten behandeln. Dementsprechend groß sind die Anstrengungen der Biopharma-Industrie, neue und wirksame Arzneien zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Vor allem innovative Gen- und RNA-Therapien könnten neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen. Insgesamt schätzen Experten, dass der Umsatz für Arzneien zur Behandlung Seltener Krankheiten von 150 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 auf mehr als 240 Milliarden US-Dollar in 2024 wachsen wird. Das bedeutet einen Anstieg von 60 % in gerade einmal vier Jahren beziehungsweise von 12,3 % per annum. Bei diesem Nischensegment handelt es sich somit um einen Wachstumsmarkt par excellence.

Ein weiteres stark wachsendes Subsegment stellen Erkrankungen des zentralen Nervensystems dar. Vor allem die Fortschritte in der Biotechnologie eröffnen bei den verschiedenen Krankheiten immer mehr Behandlungsoptionen. Der Bereich ist längst aus der Grundlagenforschung herausgewachsen und entwickelt immer mehr Wirkstoffe, die von den zuständigen Zulassungsbehörden grünes Licht bekommen und am Markt eingeführt werden. Von den zehn der weltweit größten Blockbuster wurde mehr als jeder zweite von einer Biotech-Firma entwickelt.

Das Gesundheitswesen wird digital
Aber nicht nur im Biopharma-Bereich ist eine historisch beispiellose Innovationskraft zu beobachten, sondern auch bei der digitalen Medizin (Digital Health). Hier wachsen die beiden Bereiche IT und Medizin zunehmend zusammen. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens findet in ganz unterschiedlichen Bereichen statt.  Neue Entwicklungen bei der Krankenhaus-IT, die Robotik, künstliche Intelligenz, Telemedizin oder Services auf mobilen Geräten verändern fundmental den Healthcare-Bereich. Neue innovative Start-ups treten in den Markt ein, aber auch große und etablierte Technologie-Konzerne wie IBM, Apple oder Alphabet. Zum Teil entstehen völlig neue Geschäftsmodelle, Allianzen und Märkte. Der Mehrwert, den die zunehmende Digitalisierung für die gesundheitliche Versorgung bringt, wird in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein. Die sich daraus ergebenden Kostenersparnisse im Gesundheitsmanagement können wiederum weitergegeben oder reinvestiert werden. Entsprechend dieser Entwicklung sind Wertsteigerungen bei den Unternehmensgewinnen und damit auch bei Aktienkursen zu erwarten. Die Prognosen aus dem Jahr 2019 für den Subbereich Digital Health liegen Deloitte zufolge bei etwa 21 % per annum für die nächsten Jahre. Und schon heute stellt die digitale Medizin mit einem Umsatz-Volumen von etwa 6,5 Billionen Euro den mit Abstand größten Subbereich dar.

Langfristiges Wachstum der Subsektoren in % (Schätzungen)

Kreisgröße: Marktkapitalisierung in Mrd. €
Quelle: World Healthcare Outlook, Deloitte, WHO, Roland Berger, Bloomberg, eig. Berechnungen. Stand: 31.03.2020.

 

Optimierung des Rendite-Risiko-Profils
Längst wird beim Thema Gesundheit von einem Megatrend gesprochen, der die kommenden Jahre bestimmen wird. Ein Megatrend definiert sich, dem US-Zukunftsforscher John Naisbitt zufolge, als große soziale, wirtschaftliche, politische und technologische Veränderung, die die Menschen über viele Jahre oder Jahrzehnte beeinflusst. Beim Healthcare-Bereich sorgen vor allem neue und innovative Therapie-Ansätze und die Digitalisierung für disruptive Umbrüche und ein enormes Wachstumspotenzial. Nicht nur für Patienten, auch für Investoren eröffnet der Megatrend Healthcare ganz neue Chancen. Für das Anleger-Portfolio kann die Beimischung von Gesundheits-Aktien einen erheblichen Mehrwert bedeuten. Zwischen 2006 und 2021 erzielte ein MSCI-World-Portfolio - wie anfangs erwähnt - ein Wachstum von 7,5 % per annum. Würde ein Anleger zum Beispiel rund 40 % Gesundheits-Aktien (gemäß einem Gesundheitsfonds-Konzept der apoAsset) beimischen, wäre die Performance im selben Zeitraum auf 8,3 % gestiegen. Zugleich wäre die Volatilität um etwa einen halben %punkt gesunken. Die Einbeziehung von Aktien aus dem Healthcare-Sektor hat somit signifikant das Rendite-Risiko-Profils eine Aktien-Portfolios verbessert – und wird dies auch u.E. zukünftig beweisen.

Bei Investments in den Gesundheitssektor handelt es sich allerdings nicht um einen Selbstläufer. Vielmehr kommt es darauf an, sinnvoll und breit zu diversifizieren. Ein aktiv von Spezialisten verwaltetes globales Fondsportfolio, das die Subsektoren Pharma, Medizintechnik, Dienstleister, Generika, Biotechnologie und Digital Health umfasst, unterscheidet sich grundlegend von Lösungen, die passiv einen Healthcare-Index abbilden. Die hier zugrundliegenden Indizes sind nach Marktkapitalisierung aufgestellt und die Pharmariesen darunter wie z.B. Roche, Pfizer, Novartis, etc. weisen zusammen über 60 % eines Index auf. Eine Diversifizierung auch in mittel- und kleinkapitalisierte Aktien kann indes durchaus lohnen: Die Innovationsfähigkeit von kleinen und flexiblen Unternehmen ist sprichwörtlich – und kleinkapitalisierte Werte liefern i.d.R. nach einer erfolgreichen M&A-Transaktion durch Big Pharma einen spürbaren Performancebeitrag für das aktiv gemanagte Fondsportfolio.


Autor: Andreas Dittmer, stellvertretender Direktor für das institutionelle Kundengeschäft der Apo Asset Management GmbH (apoAsset).

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